Kaiserliche Marine Schärpenschloß für Offiziere 3. Modell bis 1902 mit nachträglich vernietetem "W"

Messing vergoldet, die Kanten poliert, Dm 60 mm.
524397
€ 200,00

Kaiserliche Marine Schärpenschloß für Offiziere 3. Modell bis 1902 mit nachträglich vernietetem "W"

Das vorliegende Schärpenschloß für Offiziere der Kaiserlichen Marine verkörpert einen besonderen Moment in der Geschichte der deutschen Marineuniform: die Übergangszeit um 1902, als bestehende Ausrüstungsstücke an neue kaiserliche Bestimmungen angepasst wurden. Dieser kreisförmige Messingbeschlag mit einem Durchmesser von 60 Millimetern wurde für die formelle Brokatschärpe (Feldbinde) getragen, die Offiziere zu Paradeuniformen, Galauniformen, Ausganguniformen und Dienstuniformen bei besonderen Anlässen trugen.

Die Kaiserliche Marine, die von 1871 bis 1918 als Seestreitmacht des Deutschen Kaiserreichs existierte, erhielt 1869 unter Kaiser Wilhelm I. ein Brokatgürtel- und Schnallensystem für die Uniformen der Seeoffiziere. Als Wilhelm II. 1888 den Thron bestieg, blieb das Grunddesign zunächst unverändert und bildete das sogenannte 2. Modell. Im Jahr 1902 ordnete Wilhelm II. jedoch eine bedeutende Änderung an: Sein persönliches „W"-Monogramm sollte künftig über dem Anker angebracht werden, wodurch das 3. Modell entstand. Diese Änderung spiegelte Wilhelms II. persönliches Engagement in Marineangelegenheiten und seinen Wunsch wider, seinen persönlichen Stempel auf die Marineabzeichen zu setzen.

Das hier betrachtete Exemplar zeigt eine besonders interessante Ausführung dieser Übergangsphase: Das „W" wurde nachträglich vernietet und nicht als Teil des ursprünglichen Gusses gefertigt. Dies beweist, dass Offiziere, die bereits Schnallen des 2. Modells besaßen, diese durch das Aufnieten des Monogramms modifizieren lassen konnten, anstatt vollständig neue Schnallen erwerben zu müssen. Diese Praxis der Nachrüstung war offenbar eine akzeptierte Methode, bestehende Ausrüstung den neuen Vorschriften anzupassen.

Das Design selbst folgt der traditionellen Ikonographie der Kaiserlichen Marine: Eine Kaiserkrone thront über einem verwickelten Anker, umgeben von einem Lorbeerkranz mit offenen Enden. Die Kanten der vergoldeten Messingschnalle sind poliert, ein charakteristisches Merkmal von Offiziersqualität. Während Seeoffiziere vergoldete Versionen trugen, verwendeten Beamte der Verwaltungslaufbahn, Sanitätsoffiziere und Marinegeistliche versilberte Ausführungen.

Die 60-Millimeter-Größe war speziell für die Brokatschärpe bestimmt, während andere Varianten in unterschiedlichen Größen existierten: 50 bis 53 Millimeter für den schwarzen Ledergürtel im Dienst, 40 Millimeter für das Dolchkoppel und 30 Millimeter für das ab 1902 eingeführte Stoffdolchkoppel. Die Schnallen wurden auch von Offizieren der See-Bataillone (Kaiserliche Marineinfanterie) getragen, und die Vorschriften schrieben die genaue Positionierung der Schnalle auf der Uniform vor.

Das 3. Modell blieb während des gesamten Ersten Weltkriegs in Verwendung und wurde von allen Offizieren getragen, die in bedeutenden Seeschlachten wie der Schlacht am Skagerrak 1916 und während aller Kriegsoperationen dienten. Nach der deutschen Niederlage 1918 und der Abdankung Wilhelms II. wurde die Kaiserliche Marine 1919 aufgelöst. Am 15. Dezember 1921 führte die Reichsmarine der Weimarer Republik neue Brokatgürtelschnallen ein, die dem kaiserlichen Grunddesign folgten, aber die Krone und das „W"-Monogramm eliminierten.

Für Sammler stellen Übergangsexemplare mit nachträglich vernieteten „W"-Monogrammen besonders interessante Zeugnisse dar, da sie die Anpassung bestehender Ausrüstung an neue Vorschriften dokumentieren. Sie verkörpern einen spezifischen historischen Moment, in dem praktische Erwägungen und kaiserliche Bestimmungen aufeinandertrafen und eine Lösung fanden, die sowohl den neuen Anforderungen entsprach als auch die vorhandenen Ressourcen nutzte.