Kriegsmarine Panerai Uhr für Kampfschwimmer

Officine Panerai Brevetee "Radiomir", Rolex SA-Genève, Suisse, 31 Victoires, Haute Precision, Gehäuse Nr. 260553, Referenz Nr. 3646 / Typ D, Rolex Cal. 618 / Typ 1, 47 x 47 mm, hergestellt circa 1944. Diese Uhren wurden von Panerai in Zusammenarbeit mit Rolex hergestellt.

Bedeutende Kampfschwimmeruhr der deutschen Kriegsmarine mit Originalschließe und originalem Lederarmband - bis heute sind weniger als 80 Uhren dieses Typs nachgewiesen. Das Gehäuse aus Stahl, auf der Unterseite der Schließe des Lederarmbands mit eingekratztem Trägernamen "Striebeck", die original Krone mit Beschriftung "Brevet" und Schweizer Kreuz. Das Zifferblatt aus Messing geschwärzt, die Zeiger sowie die Zahlen und Striche auf dem Zifferblatt mit Leuchtmase "Radomir" original lackiert. Werk: Brückenwerk, monometallische Schraubenunruh. Deutlich getragene Uhr, voll funktionsfähig, im Originalzustand. Dazu aus gleichem Besitz ein Mützenabzeichen für die Angehörigen der Kleinkampfverbände, der berühmte Sägefisch, aus Aluminium per Hand gefertigt, rückseitig mit kleiner Signatur des Soldaten, der den Sägefisch hergestellt hat. Diese Abzeichen wurden seitlich auf das Schiffchen genäht. Getragen, Zustand 2.

Weitere Uhren der Referenz 3646 / Typ D sind in dem Buch "Vintage Panerai - The References" von Ralf Ehlers & Volker Wiegmann in Kapitel II.IV (Seite 398-531) aufgeführt, welches auch ein historisches Foto eines Kampfschwimmers mit einer Panerai Ref. 3646 mit Messing-Zifferblatt enthält (Seite 475). In diesem Teil des Buches ist eine Übersicht über verschiedene dekorative Polituren auf den Innenseiten der Gehäuse (Typ A-Typ G) abgebildet (Seite 486).

Radiomir Panerai
Dank der 1914 erfundenen Leuchtmasse "Radiomir"- einem Gemisch aus Zinksulfat und Radiumbromid - waren die Panerai-Zifferblätter in der Nacht und tief unter Wasser besonders gut abzulesen. Diesen Vorteil wusste Panerai auch für Uhren auszunutzen, und so wurde er mit der Produktion der ersten Armbanduhr für Kampftaucher, genannt "Radiomir", beauftragt. Die ersten Prototypen wurden noch direkt bei Rolex gefertigt, später entstanden die Uhren mit ihrem Gehäuse nach dem Prinzip der Oyster bei Panerai. 1936 wurde die Panerai Radiomir zum geheimen Ausrüstungsgegenstand der Italienischen Kriegsmarine.
Quelle: "Armbanduhren Klassik Katalog", Königswinter 2005, Seite 146.

Die Entscheidung, in der deutschen Kriegsmarine Kampfschwimmer-Gruppen nach Vorbild der italienischen Marine zu bilden, fiel 1943. Die Idee stamme von Admiral Heye, der die Erfahrungen der verbündeten Italiener nutzen wollte. Sechs Deutsche wurden an die italienische Schule nach Valdagno geschickt, wo die italienische Kampfschwimmer-Basis in Norden Italiens unter der Leitung von Borghese und Eugenio Wolk stand. Diese deutschen Taucher wurden einerseits von der Abwehr des Reichs-Sicherheits-Hauptamtes und andererseits von der Kriegsmarine (von Wursian und Ritchie Reimann) entsandt. Nach dem ersten Kurs übernahm die Kriegsmarine die Führung in der Beziehung zu den Italienern und führte auch die Männer des Geheimdienstes, die in das italienische Trainings-Zentrum von Valdagno und Venedig gingen. Die Geheimdienstmänner kamen von Spezialeinheiten der Division ‘Brandenburg’ und von SS Kommandos der von Otto Skorzeny geführten Spezialeinheit. Die ersten Kriegsmarine Männer bildeten die K-Einheit (Kommando für Kleinkampfmittel) als deutsche Marine-Kampfschwimmer-Einheit. Die Abwehr wollte ihre Autonomie als Geheimdienst behalten und gründete ihre eigene Kampf-Taucher-Schule unter der Leitung von Hauptmann Helmers von den Spezial-Einheiten Otto Skorzenys. Ein bekannter später Einsatz der Kampfschwimmer war die Zerstörung der von den Alliierten eroberten Brücke von Nymwegen in Holland durch K-Männer der Marine im September 1944. Von den von den deutschen Kampfschwimmern benutzten Uhren sind einige Modelle in verschiedenen Sammlungen in Deutschland, Frankreich und Japan erhalten. Sie sind identisch zu den ersten Modellen, die vom italienischen Importeur Panarai stammten, mit Ausnahme einiger Details des Zifferblattes oder der Gravuren auf der Rückseite. Dies ist verständlich, da das Training und die erste Ausbildung der Kampfschwimmer 1943 in Italien bei der Gruppe ‘Dezima MAS’ (‘Mezzi d’Assalto Subacqueo’) begann. Diese Männer hatten bereits zehn Jahre Erfahrung und viele erfolgreiche Einsätze zu Anfang des Krieges. Da war es selbstverständlich, daß das Material der Ausbilder für diese kleinen Einheiten genutzt wurde. Die Männer wußten, daß die italienischen Kollegen das zu der Zeit modernste und effektivste Material nutzten. Selbst wenn sich der geplante Einsatz unterschied, konnte doch von der Strategie und Erfahrung profitiert werden. Eine Rolex Taucheruhr vom italienischen Navigationsinstrumente-Lieferanten Panerai, die im technischen Marine-Museum in La Spezia gezeigt wird, war das Referenz-Modell für den Kriegseinsatz. Diese Uhr wurde dem Museum von Admiral Ernesto Notari gegeben, welcher als junger Offizier bei den italienischen Kampfschwimmern gedient hat. Diese Uhr hat folgende Merkmale: Rolex Gehäuse mit Anstößen für das Band, das Werk mit einen Durchmesser von 30 mm basiert auf einem Cortébert Kaliber mit 15 Steinen und einer Gangdauer von ca. 48 Stunden, verschraubte Krone zur Zeigerverstellung, der verschraubte Boden ist hand-graviert: ‘X. FLOT. M.A.S. 01’. Dies scheint die erste an diese ‘10. Flotilla’ ausgegebene Uhr zu sein. Das schwarze Zifferblatt ist markiert: ‘Radiomir Panerai’ .Im Bodendeckel ist innen eingraviert: ‘Montres Rolex, Geneve’. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wurden all diese Uhren von Panarai fertiggestellt und an die deutsche Marine während des Krieges geliefert und zwar entsprechend der Geheimhaltung ohne jede Signatur.
   
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Kriegsmarine Panerai Uhr für Kampfschwimmer

Die Panerai Radiomir Referenz 3646 Typ D repräsentiert eines der außergewöhnlichsten Kapitel der maritimen Militärtechnologie des Zweiten Weltkriegs. Diese Taucheruhr verkörpert die ungewöhnliche Zusammenarbeit zwischen italienischen und deutschen Kleinkampfverbänden und steht als Symbol für die Entwicklung spezialisierter Ausrüstung für eine neue Form der Seekriegsführung.

Die Ursprünge dieser bemerkenswerten Uhr liegen in Italien. 1916 meldete Officine Panerai ein Patent für Radiomir an, eine auf Radium basierende Leuchtmasse, die Zifferblättern von Navigationsinstrumenten Leuchtkraft verlieh. Diese Innovation erwies sich als entscheidend für die Entwicklung von Instrumenten, die unter extremen Bedingungen ablesbar sein mussten. Die ersten maritimen Kleinkampfverbände auf dem europäischen Kriegsschauplatz wurden vom Königreich Italien mit der Gründung der Decima MAS im Frühjahr 1941 aufgestellt. Italien konnte dabei auf Entwicklungs- und Einsatzerfahrungen aus der Endphase des Ersten Weltkriegs zurückgreifen und stellte bis 1943 die einzig erfolgreich operierenden Kleinkampfverbände im Mittelmeerraum.

Panerai entwickelte die Referenz 3646 in Zusammenarbeit mit Rolex für die königlich-italienische Marine, insbesondere für deren Kampfschwimmer, die eine zuverlässige und gut ablesbare Uhr unter den extremen Bedingungen langer und tiefer Tauchgänge benötigten. Die Gehäuse stammten von Rolex SA und basierten auf deren Oyster-Konstruktion, die Werke waren Rolex Kaliber 618, während Zifferblätter und Montage von Officine Panerai in Florenz übernommen wurden. Zwischen 1938 und den frühen 1950er Jahren produzierte Panerai die Referenz 3646 in verschiedenen Varianten, die von Typ A bis Typ G klassifiziert wurden, jede mit einzigartigen ästhetischen Merkmalen.

1943 ordnete Admiral Karl Dönitz Vizeadmiral Hellmuth Heye an, eine Spezialeinheit zu schaffen. Diese wurde ursprünglich Kleinkampfmittelverband genannt, war aber besser bekannt unter dem Namen K-Verband oder Meereskämpfer. Admiral Heye wollte die Erfahrungen der verbündeten Italiener nutzen. Deutsche Taucher wurden an die italienische Schule nach Valdagno geschickt, wo die italienische Kampfschwimmer-Basis in Norditalien unter der Leitung von Borghese und Eugenio Wolk stand. Im März 1944 übernahm Heye als Admiral der Kleinkampfverbände und Generalreferent Sonderkampfmittel im OKM die Führung der K-Verbände.

Als Kleinkampfverbände der Kriegsmarine, auch Kommando der Kleinkampfverbände genannt, werden verschiedene Einheiten der deutschen Kriegsmarine bezeichnet, die im Seekrieg des Zweiten Weltkriegs über Kampfmittel von geringer Größe verfügten. Unter Kleinkampfmitteln verstand das Oberkommando der Marine selbständig operierende und leicht verlegbare maritime Kampfeinheiten. Dies waren in erster Linie bemannte Torpedos, Kampfschwimmer, Kleinst-U-Boote und Sprengboote.

Ein Schreiben von Rolex aus dem Jahr 1984 besagt, dass 720 Uhren der Referenz 3646 im Jahr 1943 produziert wurden. Dies bezieht sich mit Sicherheit auf die Typ D Charge mit Gehäusenummern zwischen 260400 und 261120. Diese Bestellung von 720 Stück wurde Mitte 1943 gefertigt, aber in drei Chargen ausgeliefert: Die erste Charge mit den Nummern 260400-260695 wurde 1943 geliefert, die zweite Gruppe mit den Seriennummern 260696-260849 Anfang 1944 und die letzte Charge mit den Gehäusenummern 260850-261120 im zweiten Quartal 1944.

Die Typ D Zifferblätter sind auch als „Kampfschwimmer"-Zifferblätter bekannt und datieren hauptsächlich aus der Mitte der 1940er Jahre. Ein Kennzeichen dieser Uhren ist die Tatsache, dass sie anonym sind oder keine Markenzeichen auf dem Zifferblatt aufweisen. Das Zifferblatt besteht aus geschwärztem Messing mit leuchtender Radiomir-Farbe auf Zahlen und Indizes in einer 3-6-9-12 arabischen Ziffernanordnung. Die Gehäuse der 3646 hatten Innendeckel mit der Prägung „Brevette Rolex SA Geneve Suisse", die ihre 31 Siege für Präzision anpriesen, mit einer Seriennummer und der Referenznummer. Die Krone war mit „Brevet" und dem Schweizer Kreuz markiert. Das Gehäuse misst 47 x 47 mm und beherbergt ein Rolex Kaliber 618 Typ 1 Werk.

Die Modelle 3646 waren Uhren, die von den italienischen Decima Flottiglia MAS Kampfschwimmern und deutschen Kampfschwimmern während der Jahre des Zweiten Weltkriegs verwendet wurden. Mit wenigen Ausnahmen wurden alle diese Uhren von der deutschen Marine requiriert. Heute sind weniger als 500 überlebende 3646er bekannt, davon 211 gut dokumentiert. Von der Typ D Variante sind bis heute weniger als 80 Exemplare nachgewiesen.

Das Sägefisc-Abzeichen, das Kleinkampfverbände-Mitglieder an der Seite ihrer Schiffchen trugen, wurde am 30. November 1944 von Oberbefehlshaber der Kriegsmarine Karl Dönitz gestiftet. Die Bewährungs- und Kampfabzeichen der Kleinkampfmittel umfassten eine Bewährungsstufe und sieben Kampfstufen und konnten verliehen werden an Angehörige der Kleinkampfverbände der Kriegsmarine in Anerkennung der schneidigen, mit Erfolg durchgeführten Angriffe der Kleinkampfverbände. Laut Gesetz über Titel, Orden und Ehrenzeichen vom 26. Juli 1957 ist das Tragen dieser Auszeichnung in der Bundesrepublik Deutschland gestattet, da schon die Entwürfe seinerzeit keine nationalsozialistischen Embleme enthielten.

Ein bemerkenswerter Einsatz der Kampfschwimmer war der Angriff auf die von den Alliierten eroberte Brücke von Nijmegen in Holland durch K-Männer der Marine im September 1944. Die Alliierten hatten eine intakte Straßenbrücke bei Nijmegen und eine Eisenbahnbrücke bei Moerdijk eingenommen und sofort eine starke Flugabwehr dort installiert. Um eine deutsche Gegenoffensive gegen den Nijmegen-Vorsprung zu unterstützen, starteten drei Gruppen von jeweils vier deutschen Kampfschwimmern von 10 km stromaufwärts der Brücken. Sie sollten Sprengstoff unter den Brücken platzieren und dann mit der Flussströmung 24 km weiter fahren, um zu ihren Linien zurückzukehren.

Die Panerai Referenz 3646 Typ D verkörpert die technologische Innovation und die extreme Spezialisierung, die für die maritimen Kleinkampfverbände des Zweiten Weltkriegs charakteristisch war. Diese außergewöhnlichen Zeitmesser, von denen heute nur eine Handvoll dokumentiert sind, bleiben stumme Zeugen eines der gefährlichsten und spezialisiertesten Zweige der Seekriegsführung.

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