Kriegsmarine Wechselkragen und Bezug für die weiße Tellermütze

Wechselkragen für das blaue Hemd, sogenannter "Kieler Kragen", mit Trägeretikett "Sieber". Tellermütze aus weißen Tuch und mit Trägeretikett "Siebel". Gewaschen, Zustand 2.
494597
80,00

Kriegsmarine Wechselkragen und Bezug für die weiße Tellermütze

Die vorliegenden Uniformteile der Kriegsmarine – ein Wechselkragen für das blaue Hemd und ein Bezug für die weiße Tellermütze – repräsentieren charakteristische Elemente der maritimen Uniformierung im Dritten Reich zwischen 1935 und 1945. Diese Ausrüstungsgegenstände dokumentieren die Kontinuität deutscher Marinetraditionen und deren spezifische Ausgestaltung während der nationalsozialistischen Ära.

Der “Kieler Kragen”, wie der Matrosenkragen umgangssprachlich genannt wurde, stellt eines der markantesten Erkennungszeichen der deutschen Marineuniformierung dar. Seine Ursprünge reichen weit ins 19. Jahrhundert zurück, als die Kaiserliche Marine diese Kragenform als Teil der Matrosenuniform einführte. Der quadratisch geschnittene Kragen, der über den Rücken und die Schultern fiel, diente ursprünglich praktischen Zwecken: Er sollte die darunter getragene Uniform vor dem langen, gefetteten Haar der Matrosen schützen, das im 19. Jahrhundert noch üblich war und oft zu einem Zopf geflochten wurde.

Bei dem vorliegenden Exemplar handelt es sich um einen Wechselkragen für das blaue Arbeits- und Dienstanzug der Kriegsmarine. Die Bezeichnung “Wechselkragen” weist darauf hin, dass dieser Kragen abnehmbar war und bei Verschmutzung separat gewaschen oder ausgetauscht werden konnte. Dies war eine praktische Lösung für den Alltag an Bord, wo Sauberkeit und Ordnung trotz schwieriger Bedingungen aufrechterhalten werden mussten. Der Kragen wurde typischerweise aus blauem Baumwollstoff gefertigt und mit drei weißen Streifen versehen, deren symbolische Bedeutung – entgegen populärer Mythen – nicht eindeutig dokumentiert ist, jedoch wahrscheinlich rein dekorativen Ursprungs war.

Das Trägeretikett “Sieber” identifiziert den Hersteller dieses Uniformteils. Während der Zeit der Kriegsmarine existierten zahlreiche zivile und militärische Bekleidungsfirmen, die Uniformen und Ausrüstungsgegenstände für die Wehrmacht produzierten. Diese Hersteller mussten strenge Qualitäts- und Normvorgaben erfüllen, die in den entsprechenden Anzugsbestimmungen (AzB) festgelegt waren. Die Etikettierung ermöglichte sowohl die Qualitätskontrolle als auch die Rückverfolgbarkeit der Produktion.

Die weiße Tellermütze, oder genauer deren Bezug, repräsentiert die Sommeruniform der Kriegsmarine. Die Tellermütze (Schirmmütze) war Bestandteil der Ausgehuniform und wurde von Mannschaften und Unteroffizieren ohne Portepee getragen. Der charakteristische Name “Tellermütze” leitet sich von der flachen, tellerartigen Form des oberen Teils ab. Diese Mützenform wurde bereits in der Kaiserlichen Marine verwendet und von der Reichsmarine und später der Kriegsmarine übernommen.

Das System austauschbarer Bezüge war eine praktische Lösung der Uniformökonomie. Matrosen besaßen typischerweise einen Mützenkörper mit Schirm und verschiedene Bezüge für unterschiedliche Jahreszeiten und Anlässe. Der weiße Bezug wurde in der warmen Jahreszeit sowie in tropischen Einsatzgebieten getragen. Das weiße Tuch reflektierte Sonnenlicht und trug zur Kühlung bei, was insbesondere im Mittelmeer oder bei Einsätzen in südlichen Gewässern von Bedeutung war. Im Winter wurde stattdessen ein dunkelblauer Bezug verwendet.

Die Uniformbestimmungen der Kriegsmarine waren detailliert in verschiedenen Dienstvorschriften geregelt, insbesondere in der M.Dv. Nr. 54 “Die Uniformen der Kriegsmarine” von 1935 sowie deren späteren Ergänzungen. Diese Vorschriften legten genau fest, wann welche Uniform zu tragen war, wie die einzelnen Teile beschaffen sein mussten und welche Abzeichen anzubringen waren. Die strikte Einhaltung dieser Vorschriften war Teil der militärischen Disziplin und sollte die Einheitlichkeit und Erkennbarkeit der Uniformierung gewährleisten.

Die Kriegsmarine selbst wurde am 1. Juni 1935 offiziell als Nachfolgerin der Reichsmarine gegründet, nachdem das nationalsozialistische Deutschland die Wiederaufrüstung verkündet hatte. Sie wuchs bis 1939 erheblich an und spielte im Zweiten Weltkrieg eine zentrale Rolle, insbesondere im Atlantikkrieg mit U-Booten und im Kampf um die Seewege. Die Uniformierung blieb während des gesamten Krieges weitgehend traditionell, obwohl kriegsbedingte Material- und Produktionsengpässe zu gewissen Vereinfachungen führten.

Die Erhaltung solcher Uniformteile mit Herstelleretiketten ist für die militärhistorische Forschung von besonderem Wert. Sie dokumentieren nicht nur die Uniformgeschichte, sondern auch die Produktionsstrukturen und die textile Industrie der Zeit. Der angegebene Zustand 2 (gewaschen) deutet darauf hin, dass diese Stücke tatsächlich getragen wurden und somit authentische Zeitzeugen des militärischen Alltags darstellen.