Lineol - Heer Pistonbläser marschierend

7 cm, Zustand 2.
376197
25,00

Lineol - Heer Pistonbläser marschierend

Historischer Kontext: Lineol Heer-Pistonbläser marschierend

Die vorliegende Figur eines marschierenden Pistonbläsers der Wehrmacht stellt ein bemerkenswertes Beispiel deutscher Spielzeugproduktion aus der Zeit zwischen 1933 und 1945 dar. Die Firma Lineol, gegründet 1906 von Oskar Wiederholt in Brandenburg an der Havel, entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Hersteller von Massefiguren in Deutschland.

Die Figur mit einer Höhe von 7 cm entspricht der typischen Größenordnung der Lineol-Serie, die in verschiedenen Maßstäben produziert wurde. Das Material Masse (auch Kompositum genannt) bestand aus einer Mischung aus Sägemehl, Leim, Kasein und anderen Bindemitteln, die in Metallformen gepresst und anschließend handbemalt wurden. Diese Produktionsmethode ermöglichte eine detaillierte Darstellung militärischer Uniformen und Ausrüstungsgegenstände.

Der Pistonbläser gehörte zu den Musikern einer Militärkapelle der Wehrmacht. Das Piston, auch als Kornett bezeichnet, war ein wichtiges Instrument in deutschen Militärkapellen. Diese Kapellen spielten eine zentrale Rolle bei militärischen Zeremonien, Paraden und der Truppenbetreuung. Die Darstellung in marschierender Haltung reflektiert die typische Verwendung dieser Figuren in arrangierten Spielszenen oder Sammlungen, die militärische Aufmärsche nachstellten.

Die Uniformdarstellung auf Lineol-Figuren zeichnete sich durch bemerkenswerte Detailtreue aus. Wehrmacht-Musiker trugen spezielle Uniformvarianten, die sich durch besondere Abzeichen und teilweise durch farbige Unterlagen an Schulterstücken vom regulären Feldanzug unterschieden. Die charakteristische Feldbluse M36 oder spätere Varianten bildeten die Grundlage der Uniformierung, ergänzt durch die typische Feldmütze oder den Stahlhelm.

Die historische Bedeutung von Lineol-Figuren liegt in mehreren Aspekten: Erstens dokumentieren sie die Uniformierung und Ausrüstung der deutschen Streitkräfte mit erstaunlicher Genauigkeit. Zweitens spiegeln sie die zeitgenössische Militärkultur und deren Darstellung in der Öffentlichkeit wider. Die Produktion solcher Spielzeugfiguren diente auch der Glorifizierung des Militärs und der Normalisierung militärischer Präsenz im Alltagsleben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion militärischer Spielzeugfiguren in Deutschland zunächst eingestellt. Die Firma Lineol selbst siedelte nach Westdeutschland über und produzierte später zivile Figuren. Die während der NS-Zeit hergestellten militärischen Figuren wurden zu begehrten Sammlerobjekten, deren Wert durch Seltenheit, Erhaltungszustand und historische Dokumentationskraft bestimmt wird.

Der angegebene Zustand 2 nach der Sammlerbewertungsskala bedeutet, dass die Figur gut erhalten ist mit nur leichten Gebrauchsspuren. Dies ist für Massefiguren, die aufgrund ihres Materials anfällig für Beschädigungen, Farbabplatzer und Feuchtigkeit sind, bemerkenswert. Viele dieser Figuren wurden von Kindern bespielt und weisen daher oft erhebliche Abnutzungserscheinungen auf.

Aus museologischer Perspektive sind solche Objekte wichtige Zeugnisse der Alltagsgeschichte und Militärkultur. Sie dokumentieren nicht nur die militärische Realität, sondern auch deren ideologische Vermittlung an jüngere Generationen. Museen und Sammlungen bewahren diese Objekte als Studienobjekte für die Erforschung von Propaganda, Kindererziehung und materieller Kultur des Nationalsozialismus.

Die Sammlerwelt für Lineol-Figuren ist international und gut organisiert. Spezialisierte Händler, Auktionshäuser und Sammlervereinigungen dokumentieren und katalogisieren die verschiedenen Varianten und Produktionsserien. Die Bewertung erfolgt nach Kriterien wie Seltenheit der Pose, Qualität der Bemalung, Vollständigkeit der Figur und historischer Authentizität der Darstellung.

Zusammenfassend repräsentiert dieser marschierende Pistonbläser ein bedeutendes Beispiel deutscher Spielzeugherstellung, das militärhistorische Dokumentation mit sozialgeschichtlicher Relevanz verbindet.

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