Polizei III. Reich Erkennungsmarke "II. / Polizei-Regiment 20.", später SS-Polizei-Regiment 20

davor als Polizei-Regiment Böhmen gelistet. Feinzink, Markierung "II./ Pol. regt. 20". Die Erkennungsmarke wurde mittig nachträglich zusammengelötet, Zustand 3.
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250,00

Polizei III. Reich Erkennungsmarke "II. / Polizei-Regiment 20.", später SS-Polizei-Regiment 20

Die vorliegende Erkennungsmarke dokumentiert einen bedeutenden und zugleich belasteten Abschnitt der deutschen Polizeigeschichte während des Dritten Reiches. Sie gehörte zu einem Angehörigen des II. Bataillons des Polizei-Regiments 20, einer Formation, die eine komplexe Entwicklung vom regulären Polizeiverband zur SS-Polizei-Einheit durchlief.

Das Polizei-Regiment 20 wurde zunächst als Polizei-Regiment Böhmen aufgestellt, was auf seine ursprüngliche Verwendung im Protektorat Böhmen und Mähren hinweist. Nach der deutschen Besetzung der Tschechoslowakei im März 1939 wurde dieses Gebiet Teil des nationalsozialistischen Herrschaftsbereichs und erforderte umfangreiche Polizeikräfte zur Kontrolle und Unterdrückung der Bevölkerung.

Die Polizei-Regimenter der NS-Zeit waren kasernierte, militärisch organisierte Verbände der Ordnungspolizei, die dem Befehl des Reichsführers SS Heinrich Himmler unterstanden. Sie unterschieden sich grundlegend von der kommunalen Schutzpolizei durch ihre militärische Ausbildung, Bewaffnung und Einsatzweise. Diese Einheiten wurden nicht nur für klassische Polizeiaufgaben eingesetzt, sondern waren auch an Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit beteiligt, insbesondere bei der Partisanenbekämpfung und der Beteiligung am Holocaust.

Die Umbenennung in SS-Polizei-Regiment 20 spiegelt die zunehmende Verschmelzung von Polizei und SS wider, die im Verlauf des Krieges systematisch vorangetrieben wurde. Ab 1942 erhielten viele Polizei-Regimenter die zusätzliche Bezeichnung “SS”, um die enge Verbindung zur Schutzstaffel zu unterstreichen. Diese Entwicklung war Teil von Himmlers Bestreben, sämtliche Sicherheitskräfte des Reiches unter seiner Kontrolle zu vereinen.

Die Erkennungsmarke selbst ist aus Feinzink gefertigt, einem Material, das während des Krieges aufgrund von Metallknappheit zunehmend Verwendung fand. Die Prägung “II./ Pol. regt. 20” identifiziert den Träger als Angehörigen des zweiten Bataillons. Die Tatsache, dass die Marke nachträglich mittig zusammengelötet wurde, deutet darauf hin, dass sie beschädigt war und repariert wurde, möglicherweise um sie weiterhin als Identifikationsmittel nutzen zu können.

Erkennungsmarken dienten im Kriegsfall der Identifikation gefallener oder verwundeter Soldaten. Sie waren typischerweise so konstruiert, dass sie im Todesfall geteilt werden konnten: Eine Hälfte verblieb beim Gefallenen, die andere wurde zur Meldung und Registrierung verwendet. Die nachträgliche Verlötung dieser Marke macht eine solche Teilung unmöglich und ist daher ungewöhnlich.

Das Polizei-Regiment 20 war wie andere Polizei-Regimenter an verschiedenen Frontabschnitten eingesetzt. Diese Einheiten operierten häufig im Hinterland der Front, wo sie mit der “Bandenbekämpfung” beauftragt waren – ein euphemistischer Begriff für brutale Operationen gegen Partisanen und Zivilbevölkerung. Dabei wurden regelmäßig Kriegsverbrechen begangen, darunter die Ermordung von Zivilisten, die Zerstörung ganzer Dörfer und die Beteiligung an der Verfolgung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung.

Die historische Forschung hat in den vergangenen Jahrzehnten die Rolle der Ordnungspolizei bei den nationalsozialistischen Verbrechen intensiv untersucht. Lange Zeit stand die Wehrmacht und die SS im Fokus der Aufarbeitung, doch Studien wie die von Christopher Browning (“Ganz normale Männer”) haben gezeigt, dass auch reguläre Polizeieinheiten systematisch an Massenmorden beteiligt waren.

Für Sammler und Historiker sind solche Erkennungsmarken wichtige Quellendokumente, die die Existenz und Organisation dieser Einheiten belegen. Sie ermöglichen es, einzelne Verbände zu identifizieren und ihre Geschichte zu rekonstruieren. Gleichzeitig werfen sie wichtige Fragen über die individuelle Verantwortung und die Verstrickung scheinbar normaler Polizisten in das verbrecherische System des Nationalsozialismus auf.

Die Beschäftigung mit solchen Objekten erfordert einen verantwortungsvollen Umgang mit der Geschichte. Sie dürfen nicht glorifiziert werden, sondern müssen als Zeugnisse eines mörderischen Regimes verstanden werden, das Polizei und Militär für seine verbrecherischen Ziele instrumentalisierte. Die wissenschaftliche und museale Aufarbeitung solcher Objekte trägt dazu bei, die Erinnerung an die Opfer wachzuhalten und die Mechanismen totalitärer Herrschaft zu verstehen.