Preußen: Bund der Vertriebenen (BDV) Abzeichen
Bund der Vertriebenen (BDV) Abzeichen mit Westpreußenwappen
Das vorliegende Abzeichen des Bundes der Vertriebenen stellt ein bedeutendes Zeugnis der deutschen Nachkriegsgeschichte dar und repräsentiert das Schicksal von Millionen vertriebener Deutscher aus den ehemaligen Ostgebieten des Deutschen Reiches.
Historischer Hintergrund
Der Bund der Vertriebenen wurde am 27. Oktober 1957 als Dachorganisation der Landsmannschaften und Vertriebenenverbände gegründet. Seine Wurzeln reichen jedoch bis in die unmittelbare Nachkriegszeit zurück, als zwischen 1944 und 1950 etwa 12 bis 14 Millionen Deutsche aus den ehemaligen Ostgebieten, dem Sudetenland und anderen Siedlungsgebieten in Ost- und Südosteuropa vertrieben wurden.
Das Abzeichen trägt das historische Wappen Westpreußens, einer Provinz des Königreichs Preußen, die nach dem Ersten Weltkrieg durch den Versailler Vertrag von 1919 größtenteils an Polen abgetreten wurde. Die Provinz Westpreußen existierte von 1773 bis 1920 beziehungsweise in verkleinerter Form bis 1939. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das gesamte Gebiet polnisch, und die deutsche Bevölkerung wurde nahezu vollständig vertrieben.
Die Inschrift “Fern doch Treu”
Der Wahlspruch “Fern doch Treu” drückt die emotionale Verbundenheit der Vertriebenen mit ihrer verlorenen Heimat aus. Diese Devise wurde von vielen Landsmannschaften verwendet und symbolisierte den Willen, trotz räumlicher Trennung die Erinnerung an die Heimat und deren kulturelles Erbe zu bewahren. Die Formulierung spiegelt die Haltung einer ganzen Generation wider, die ihre Wurzeln nicht vergessen wollte, sich aber gleichzeitig in der Bundesrepublik Deutschland integrierte.
Technische Merkmale und Herstellung
Das beschriebene Abzeichen ist aus Messing gefertigt und emailliert, was einer gängigen Herstellungstechnik für Vereins- und Verbandsabzeichen der Nachkriegszeit entspricht. Mit einem Durchmesser von 19mm handelt es sich um ein typisches Ansteckabzeichen im Knopflochformat. Die Kennzeichnung “Ges. Gesch.” (Gesetzlich Geschützt) weist auf den rechtlichen Schutz des Designs hin, der in der Bundesrepublik Deutschland für offizielle Verbandsabzeichen üblich war.
Solche Abzeichen wurden von spezialisierten Herstellern gefertigt, die sich auf militärische und zivile Orden, Ehrenzeichen und Verbandsabzeichen spezialisiert hatten. Die Emailletechnik erlaubte die farbige Gestaltung der Wappen und sorgte für Haltbarkeit und optische Attraktivität.
Bedeutung und Verwendung
Derartige Abzeichen wurden von Mitgliedern der Landsmannschaften bei offiziellen Anlässen, Treffen und Veranstaltungen getragen. Sie dienten als Erkennungszeichen und Ausdruck der Zugehörigkeit zur Gemeinschaft der Vertriebenen aus einer bestimmten Region. Die Landsmannschaft Westpreußen organisierte regelmäßig Heimattreffen, bei denen Tausende von Vertriebenen zusammenkamen, um ihre gemeinsame Geschichte und Kultur zu pflegen.
In der politischen Landschaft der Bundesrepublik spielten die Vertriebenenverbände besonders in den 1950er und 1960er Jahren eine wichtige Rolle. Sie setzten sich für die Belange der Vertriebenen ein, forderten Lastenausgleich und Wiedergutmachung und prägten die Ostpolitik der frühen Bundesrepublik mit.
Wandel der Bedeutung
Mit dem Fortschreiten der Zeit und dem generationellen Wandel veränderte sich auch die Bedeutung solcher Abzeichen. Während sie zunächst Ausdruck einer aktuellen politischen und persönlichen Erfahrung waren, wurden sie zunehmend zu historischen Erinnerungsstücken. Die Charta der deutschen Heimatvertriebenen von 1950, in der auf Rache und Vergeltung verzichtet wurde, legte den Grundstein für eine Politik der Versöhnung, die schließlich in der Ostpolitik der 1970er Jahre und der deutschen Wiedervereinigung 1990 ihre Fortsetzung fand.
Heute sind solche Abzeichen wichtige zeitgeschichtliche Dokumente, die an ein bedeutendes Kapitel deutscher und europäischer Geschichte erinnern. Sie dokumentieren die Erfahrungen von Millionen Menschen und sind Teil des kollektiven Gedächtnisses der Nachkriegszeit. Für Sammler und Historiker bieten sie Einblicke in die Organisations- und Erinnerungskultur der Vertriebenenverbände und sind somit wertvolle Quellen zur Sozial- und Kulturgeschichte der Bundesrepublik Deutschland.