Preußen Feldbindenschloß für Offiziere

Schloß Messing vergoldet, mit aufgeklammerter Auflage "♔WII". Dazu die passende Gegenschließe. Zustand 2.
473097
170,00

Preußen Feldbindenschloß für Offiziere

Preußische Feldbindenschlösser für Offiziere: Insignien militärischer Autorität im Kaiserreich

Die Feldbinde, auch als Schärpe bekannt, stellte im preußischen und später im deutschen Heer einen wesentlichen Bestandteil der Offiziersuniform dar. Das Feldbindenschloss diente nicht nur als funktionales Element zum Verschließen dieser Schärpe, sondern fungierte gleichzeitig als Rangabzeichen und Symbol militärischer Würde.

Historische Entwicklung und Bedeutung

Die Tradition der Offiziersbinden reicht in Preußen bis ins 18. Jahrhundert zurück. Unter Friedrich dem Großen wurden bereits farbige Schärpen zur Kennzeichnung von Offizieren verwendet. Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Feldbinde zu einem standardisierten Element der preußischen Offiziersuniform. Die Allerhöchste Kabinettsorder vom 23. März 1843 regelte erstmals detailliert das Aussehen und Tragen der Feldbinde für verschiedene Truppengattungen.

Das vorliegende Objekt mit der aufgeklammerten Auflage "WII" (Wilhelm II.) datiert in die Regierungszeit des letzten deutschen Kaisers von 1888 bis 1918. Diese Chiffre, bestehend aus den Initialen des Monarchen und der römischen Ziffer II, war charakteristisch für Ausrüstungsgegenstände der wilhelminischen Ära und stellte eine direkte Verbindung zur Staatsautorität her.

Technische Merkmale und Herstellung

Das Schloss besteht aus vergoldetem Messing, einem Material, das sich durch seine Haltbarkeit und repräsentative Optik auszeichnete. Die Vergoldung erfolgte üblicherweise im Feuervergoldungsverfahren, bei dem eine Quecksilber-Gold-Legierung aufgetragen und anschließend erhitzt wurde, um das Quecksilber zu verdampfen. Dieses aufwendige Verfahren garantierte eine dauerhafte und hochwertige Oberflächenveredelung.

Die aufgeklammerte Auflage der Königschiffre wurde als separates Element gefertigt und mechanisch am Grundkörper befestigt. Diese Konstruktionsweise ermöglichte eine präzise Ausführung der feinen Details der Buchstaben und Ziffern. Die dazugehörige Gegenschließe vervollständigte den Verschlussmechanismus und war ebenfalls aus vergoldetem Messing gefertigt.

Tragevorschriften und militärischer Kontext

Gemäß den Anzugbestimmungen für das Deutsche Heer trugen Offiziere die Feldbinde bei verschiedenen Dienstanlässen. Sie wurde diagonal von der rechten Schulter zur linken Hüfte getragen, wobei das Schloss auf der linken Seite positioniert war. Die Feldbinde war Bestandteil des Paradeanzugs und des Galauniformes, während sie im Feldanzug in der Regel nicht getragen wurde.

Während der Regierungszeit Kaiser Wilhelms II. erfuhr das deutsche Militärwesen eine erhebliche Expansion. Die Armee wuchs von etwa 480.000 Mann im Jahr 1888 auf über 800.000 Mann im Jahr 1914. Dies führte zu einer entsprechend hohen Nachfrage nach Uniformteilen und Ausrüstungsgegenständen, einschließlich Feldbindenschlössern.

Herstellungsbetriebe und Qualitätsstandards

Die Produktion militärischer Effekten erfolgte durch spezialisierte Militäreffektenfabriken und zugelassene Hoflieferanten. Bekannte Hersteller waren unter anderem Firmen in Berlin, Breslau und anderen bedeutenden Garnisonstädten. Die Qualitätskontrolle oblag den jeweiligen Intendanturen, die strenge Standards bezüglich Material, Verarbeitung und Maßhaltigkeit durchsetzten.

Offiziere waren verpflichtet, ihre Uniform und Ausrüstung auf eigene Kosten zu beschaffen, was zur Entstehung eines florierenden Marktes für hochwertige Militaria führte. Dies erklärt auch die oft exzellente handwerkliche Qualität dieser Objekte.

Ende einer Ära und sammlungsgeschichtliche Bedeutung

Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Abdankung Kaiser Wilhelms II. am 9. November 1918 endete auch die Ära der monarchischen Chiffren auf militärischen Ausrüstungsgegenständen. Die nachfolgende Reichswehr der Weimarer Republik führte neue Uniformbestimmungen ein, die auf monarchische Symbole verzichteten.

Heute stellen Feldbindenschlösser der wilhelminischen Ära wichtige Sammlungsobjekte dar, die Einblick in die militärische Kultur des Kaiserreichs gewähren. Sie dokumentieren nicht nur handwerkliche Fertigkeiten, sondern auch die Bedeutung von Symbolen und Hierarchien im preußisch-deutschen Militärwesen. Der gute Erhaltungszustand des beschriebenen Objekts (Zustand 2) macht es zu einem besonders wertvollen Zeugnis dieser historischen Epoche.

Die Erforschung solcher Objekte trägt zum Verständnis der Alltagskultur und Repräsentationsformen des Offizierskorps bei und ermöglicht Rückschlüsse auf soziale Strukturen, Wirtschaftsbeziehungen und die symbolische Kommunikation im militärischen Kontext der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg.