Preußen Kartuschkasten mit Bandolier für den Galaanzug der Mannschaften des Regiments der Gardes du Corps
Sehr selten! Die seit 1883 vorgeschriebene Kartusche und das Bandelier gehörten nur zu dem Galawachanzug des Regiments der Gardes du Corps.
Der Kartuschkasten mit Bandolier gehört zu den seltensten und zeremoniell bedeutsamsten Ausrüstungsgegenständen der preußischen Gardetruppen. Dieses um 1900 gefertigte Stück repräsentiert die höchste Stufe militärischer Prunkausrüstung und war ausschließlich dem Regiment der Gardes du Corps vorbehalten, der persönlichen Leibgarde des Königs von Preußen und nach 1871 des Deutschen Kaisers.
Das Regiment der Gardes du Corps wurde 1740 von Friedrich dem Großen gegründet und entwickelte sich zur Elite-Leibwache des Monarchen, wobei der regierende Herrscher stets Ehrenoberst war. In Potsdam stationiert, wurden sowohl Männer als auch Pferde aus der allerbesten Qualität ausgewählt. Anders als der Rest der kaiserlichen deutschen Armee nach der deutschen Einigung 1871 wurde das Garde du Corps national rekrutiert und gehörte zur 1. Garde-Kavallerie-Division.
Zu großen Hoffestlichkeiten trugen die als Ehrenwache abkommandierten Mitglieder des Gardes du Corps eine besondere Uniform, den sogenannten Galawachanzug. Zunächst war nur die Supraweste besonders; ab 1883 wurden ein spezielles Bandelier mit Kartuschkasten und ein besonderer Gürtel für den Galawachanzug eingeführt. Dieser Kartuschkasten und das Bandolier gehörten ausschließlich zum Galawachanzug des Regiments der Gardes du Corps und stellten eine spezialisierte zeremonielle Ausrüstung dar, die sich von der Feldausrüstung deutlich unterschied.
Der Galawachanzug umfasste eine rote Supraweste, die über der Kürassiertunike getragen wurde, mit einem großen bestickten Stern des Schwarzen Adlerordens auf Vorder- und Rückseite. Weitere einzigartige Merkmale der bis 1914 getragenen Galauniform des Regiments waren diese ärmellose rote Supraweste mit dem Stern des Schwarzen Adlerordens. Zur Supraweste gehörten auch das Ringkragen und das besondere weiße Bandelier mit dem großen weißen Kartuschkasten.
Die Fertigung dieses Ausrüstungsstücks zeugt von höchster handwerklicher Qualität. Das Bandelier besteht aus starkem geweißtem Leder mit einer Breite von etwa 6,4 bis 6,7 Zentimetern und ist mit roter Borte verziert, wobei neusilberne Beschläge verwendet wurden. Die Unterseite des Bandeliers ist mit rotem Tuch unterlegt. Der Kartuschkasten selbst besteht aus demselben starken geweißten Leder und trägt auf dem großen Deckel die rote Borte sowie den großen metallenen Gardestern für Mannschaften mit der Devise “suum cuique” (lateinisch für “jedem das Seine”), dem Wahlspruch des Schwarzen Adlerordens. Im Inneren befindet sich der originale Holzkasteneinsatz.
Wilhelm II. wird in Gemälden als Regimentschef in weißer Paraduniform dargestellt, was die enge Verbindung zwischen dem Monarchen und diesem Eliteregiment unterstreicht. Die Gardes du Corps bildeten die persönliche Leibgarde und erfüllten bei festlichen Anlässen repräsentative Ehrenwachdienste in ihrer prachtvollen Sonderuniform.
Das Regiment der Gardes du Corps wurde am 16. Februar 1919 aufgelöst, nachdem das Kürassierregiment bis zur Auflösung der Preußischen Armee 1918 existiert hatte. Die Galaausrüstung wurde nach 1918-1919 nicht mehr verwendet. Die Tradition übernahm in der Reichswehr auf Befehl von General Hans von Seeckt vom 24. August 1921 die 1. Schwadron des 4. (Preußischen) Kavallerie-Regiments in Potsdam. Zuletzt führte in der Bundeswehr das Panzerbataillon 24 in Braunschweig die Tradition bis zu seiner Auflösung fort.
Aufgrund der äußerst spezialisierten Verwendung und der kurzen Produktionsperiode von etwa 1883 bis 1918 sind erhaltene Exemplare dieses Kartuchkastens mit Bandolier heute von größter Seltenheit und stellen bedeutende Zeugnisse der preußischen Militärgeschichte und höfischen Prachtentfaltung dar.