WHW - Gau 40 : Westmark - 2. WHW 1934/35

" WHW-Opferschiessen ", Blechabzeichen, an Nadel, Zustand 2.
208997
€ 35,00

WHW - Gau 40 : Westmark - 2. WHW 1934/35

WHW-Abzeichen Gau 40 Westmark - Zweites Winterhilfswerk 1934/35

Das vorliegende Blechabzeichen mit der Aufschrift “WHW-Opferschiessen” stammt aus dem Gau 40 Westmark und wurde während der zweiten Kampagne des Winterhilfswerks (WHW) in den Jahren 1934/35 ausgegeben. Dieses Abzeichen repräsentiert einen bedeutenden Aspekt der nationalsozialistischen Wohlfahrts- und Propagandapolitik im Deutschen Reich.

Das Winterhilfswerk des Deutschen Volkes

Das Winterhilfswerk wurde am 13. September 1933 offiziell gegründet und entwickelte sich zu einer der größten Spendenorganisationen im nationalsozialistischen Deutschland. Die Organisation hatte das erklärte Ziel, bedürftigen deutschen Volksgenossen in den Wintermonaten mit Lebensmitteln, Kohle, Kleidung und anderen notwendigen Gütern zu helfen. Das WHW war jedoch weit mehr als eine reine Wohlfahrtseinrichtung - es diente als wichtiges Instrument der NS-Propaganda und der Volksgemeinschaftsideologie.

Die Sammeltätigkeit des WHW erstreckte sich von Oktober bis März eines jeden Jahres. Die Kampagne 1934/35, aus der dieses Abzeichen stammt, war die zweite große reichsweite Aktion und diente dazu, das System zu festigen und zu erweitern. Während dieser Periode wurden verschiedene Sammelmethoden eingesetzt, darunter Straßensammlungen, Haussammlungen und spezielle Veranstaltungen wie das hier erwähnte “Opferschiessen”.

Der Gau Westmark

Der Gau Westmark wurde 1935 aus den Gauen Pfalz und Saar gebildet, nachdem die Saar nach der Volksabstimmung vom 13. Januar 1935 an das Deutsche Reich zurückgekehrt war. Das vorliegende Abzeichen aus dem “2. WHW 1934/35” stammt damit aus der Übergangszeit, in der die administrative Neuorganisation dieser Region vorbereitet wurde. Die Westmark umfasste die bayerische Pfalz und das Saarland mit der Hauptstadt Saarbrücken und war ein strategisch wichtiges Grenzgebiet zu Frankreich.

WHW-Abzeichen und Sammelsystem

Die WHW-Abzeichen waren ein zentrales Element der Spendenkampagnen. Gegen eine Spende erhielten die Geber ein Abzeichen, das sie sichtbar trugen und damit ihre Teilnahme an der “Volksgemeinschaft” demonstrierten. Das Nichttragen solcher Abzeichen konnte zu sozialem Druck und Denunziation führen. Die Abzeichen wurden in verschiedenen Materialien hergestellt: Blech, Holz, Glas, Porzellan und Textil. Die Blechabzeichen waren besonders in den frühen Jahren des WHW verbreitet, da sie kostengünstig in großen Stückzahlen produziert werden konnten.

Jeder Gau entwickelte oft eigene Abzeichen, die regionale Besonderheiten, Wahrzeichen oder lokale Bezüge aufwiesen. Dies sollte die regionale Identifikation stärken und gleichzeitig die reichsweite Einheit demonstrieren. Die systematische Erfassung und Katalogisierung dieser Abzeichen erfolgte nach Gauen, wobei der Gau Westmark die Nummer 40 trug.

Das “Opferschiessen”

Der Begriff “Opferschiessen” verweist auf eine spezielle Sammelveranstaltung, bei der Schießwettbewerbe organisiert wurden, um Spenden für das WHW zu generieren. Diese Veranstaltungen verbanden sportliche Aktivitäten mit dem Spendensammeln und waren besonders in ländlichen Regionen und bei Schützenvereinen beliebt. Teilnehmer zahlten ein Startgeld, das dem WHW zugutekam, und erhielten als Erinnerung und Nachweis ihrer Teilnahme ein solches Abzeichen.

Solche Veranstaltungen dienten mehreren Zwecken: Sie generierten Spendengelder, förderten die vormilitärische Ausbildung im Schießsport, stärkten die Gemeinschaftsbindung und verbreiteten die NS-Ideologie. Die Kombination von Sport, Geselligkeit und politischer Indoktrination war charakteristisch für viele NS-Organisationsformen.

Technische Merkmale

Das vorliegende Abzeichen ist als Blechabzeichen gefertigt und mit einer Nadelkonstruktion zur Befestigung an der Kleidung versehen. Die Herstellung solcher Abzeichen erfolgte oft durch lokale Betriebe und Werkstätten, die von der NS-Organisation beauftragt wurden. Die Gestaltung war in der Regel einfach gehalten, um eine kostengünstige Massenproduktion zu ermöglichen. Der angegebene Erhaltungszustand 2 deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar mit geringen Gebrauchsspuren hin.

Historische Bedeutung

WHW-Abzeichen wie dieses sind heute wichtige zeitgeschichtliche Dokumente. Sie dokumentieren die umfassende Durchdringung des Alltags durch nationalsozialistische Organisationen und die Mobilisierung der Bevölkerung für politische Zwecke unter dem Deckmantel der Wohltätigkeit. Das WHW sammelte zwischen 1933 und 1945 mehrere Milliarden Reichsmark, wobei die Freiwilligkeit der Spenden zunehmend in Frage zu stellen ist. Die Organisation diente der Regime-Legitimation und der Demonstration der vermeintlichen Solidarität der “Volksgemeinschaft”.

Für die militärhistorische und zeitgeschichtliche Forschung bieten solche Objekte Einblicke in die Organisations- und Propagandastrukturen des NS-Regimes sowie in die regionale Umsetzung reichsweiter Programme.