Wehrmacht Pressefoto: Gegen alle Kältegrade gerüstet
Das vorliegende Wehrmacht-Pressefoto mit dem Titel “Gegen alle Kältegrade gerüstet” stammt aus der umfangreichen Propagandamaschinerie des Dritten Reiches während des Zweiten Weltkriegs. Mit Maßen von etwa 13 x 18 cm entspricht es dem Standardformat, das von der Propaganda-Kompanie (PK) der Wehrmacht für die Presseverteilung verwendet wurde.
Die Propaganda-Kompanien wurden ab 1938 systematisch aufgebaut und waren direkt dem Oberkommando der Wehrmacht (OKW) unterstellt. Diese spezialisierten Einheiten bestanden aus Kriegsberichtern, Fotografen, Kameramännern und Journalisten, deren Aufgabe es war, das Kriegsgeschehen zu dokumentieren und für Propagandazwecke aufzubereiten. Bis 1945 waren etwa 15.000 Angehörige in den PK-Einheiten tätig.
Der Titel dieses Fotos verweist unmittelbar auf eine der größten Herausforderungen der Wehrmacht während des Russlandfeldzugs (Unternehmen Barbarossa), der am 22. Juni 1941 begann. Die deutsche Kriegsführung hatte katastrophal unterschätzt, welche Rolle die klimatischen Bedingungen in der Sowjetunion spielen würden. Der Winter 1941/42 brachte Temperaturen von bis zu -40 Grad Celsius, auf die die Wehrmacht völlig unvorbereitet war.
Die Winterausrüstung der Wehrmacht wurde erst nach den verheerenden Erfahrungen des ersten Kriegswinters systematisch verbessert. Anfangs trugen die Soldaten lediglich den feldgrauen Mantel M36 oder M40, der für mitteleuropäische Temperaturen konzipiert war. Die katastrophalen Erfrierungsverluste im Winter 1941/42 – nach manchen Schätzungen über 100.000 Soldaten – zwangen die Führung zum Handeln.
Ab 1942 wurden verschiedene Winterbekleidungsstücke eingeführt: Der zweiteilige Winteranzug aus Drillich mit Kapuze, gefütterte Wintermäntel, Pelzmützen mit Ohrenklappen, Fausthandschuhe und gefütterte Stiefel. Besonders begehrt waren erbeutete sowjetische Watteanzüge und Pelzmäntel. Die Propaganda nutzte Bilder gut ausgerüsteter Soldaten, um sowohl an der Heimatfront als auch bei den Truppen den Eindruck zu erwecken, die Führung habe die Situation im Griff.
Pressefotos wie dieses wurden in mehreren Formaten produziert und an deutsche und ausländische Zeitungen, Zeitschriften und Wochenschauen verteilt. Auf der Rückseite trugen sie meist einen Stempel der Propaganda-Kompanie, Bildnummer, Aufnahmedatum und eine Bildunterschrift mit genauen Vorgaben zur Verwendung. Die Zensur war streng – nur Bilder, die das gewünschte Narrativ unterstützten, wurden freigegeben.
Das Thema Winterausrüstung hatte auch eine wichtige Funktion für die Heimatfront. Die NS-Propaganda organisierte Winterhilfswerk-Sammlungen, bei denen die Bevölkerung aufgerufen wurde, Wollsachen und Pelze für die Soldaten zu spenden. Diese Aktionen dienten sowohl der praktischen Versorgung als auch der psychologischen Mobilisierung der Zivilbevölkerung.
Fotografien dieser Art sind heute wichtige historische Quellen, allerdings mit kritischer Betrachtung. Sie zeigen nicht die Realität des Krieges, sondern das, was das Regime zeigen wollte. Die tatsächlichen Verhältnisse an der Ostfront – Versorgungsmangel, unzureichende Ausrüstung und katastrophale Lebensbedingungen – wurden systematisch verschleiert. Dennoch dokumentieren sie die Propagandastrategien und visuellen Narrative des NS-Regimes.
Für Sammler und Historiker sind solche Pressefotos von Interesse, da sie Einblick in die Bildpolitik der Wehrmacht geben. Der Erhaltungszustand wird üblicherweise nach einer Skala von 1 (neuwertig) bis 6 (stark beschädigt) bewertet. Ein Zustand 2 deutet auf minimale Gebrauchsspuren hin, was für ein über 80 Jahre altes Dokument bemerkenswert gut ist.