Zaristisches Rußland Medaille für den Russisch-Türkischen Krieg 1877-1878

Medaille as dunkler Bronze für Soldaten und Zivilisten, die nicht an den Schlachten teilgenommen haben. Bandring abgebrochen!
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Zaristisches Rußland Medaille für den Russisch-Türkischen Krieg 1877-1878

Die Medaille für den Russisch-Türkischen Krieg 1877-1878 stellt eine bedeutende militärische Auszeichnung des Zaristischen Russlands dar, die im Zuge eines der entscheidendsten Konflikte des 19. Jahrhunderts auf dem Balkan gestiftet wurde. Dieser Krieg, der zwischen April 1877 und März 1878 ausgetragen wurde, markierte einen Wendepunkt in der Geschichte Südosteuropas und führte zur Schwächung des Osmanischen Reiches sowie zur Stärkung russischer Einflüsse auf dem Balkan.

Die Medaille wurde durch einen kaiserlichen Ukas von Zar Alexander II. am 17. April 1878 gestiftet, unmittelbar nach dem Friedensvertrag von San Stefano. Die Auszeichnung war in mehreren Varianten vorgesehen, um den unterschiedlichen Beiträgen der Teilnehmer am Feldzug gerecht zu werden. Die vorliegende Medaille aus dunkler Bronze wurde speziell für Soldaten und Zivilisten verliehen, die nicht direkt an den Kampfhandlungen teilgenommen hatten, aber dennoch wichtige Unterstützungsdienste leisteten.

Die Hierarchie der Auszeichnungen war klar definiert: Während Offiziere und Soldaten, die aktiv an Schlachten teilgenommen hatten, die Medaille aus hellem Bronze oder sogar aus Silber erhielten, wurden diejenigen, die in Etappengebieten, Lazaretten, Versorgungseinheiten oder administrativen Funktionen dienten, mit der dunklen Bronzeversion ausgezeichnet. Diese Differenzierung spiegelte die strenge Hierarchie und das Ehrensystem des zaristischen Militärwesens wider.

Der Russisch-Türkische Krieg 1877-1878 wurde offiziell ausgelöst durch russische Sympathien für die christlichen slawischen Völker auf dem Balkan, die unter osmanischer Herrschaft litten. Die brutale Niederschlagung des bulgarischen Aufstands von 1876 durch osmanische Truppen hatte in Russland und ganz Europa Empörung ausgelöst. Unter dem Vorwand, christliche Glaubensbrüder zu schützen, erklärte Russland dem Osmanischen Reich am 24. April 1877 den Krieg.

Die Kampagne umfasste zwei Hauptfronten: den Balkanfeldzug und den Kaukasusfeldzug. Auf dem Balkan überquerten russische Truppen unter der Führung von Großfürst Nikolai Nikolajewitsch die Donau und stießen nach Süden vor. Trotz anfänglicher Erfolge stießen die Russen auf erbitterten Widerstand bei der Festung Plewna, wo die osmanischen Truppen unter Osman Pascha mehrere Monate standhielten. Erst nach einer langen Belagerung fiel Plewna im Dezember 1877.

Nach diesem entscheidenden Sieg rückten russische Truppen über den Balkan vor und erreichten im Januar 1878 die Tore von Konstantinopel. Die osmanische Regierung war zur Kapitulation gezwungen. Der darauf folgende Vertrag von San Stefano vom 3. März 1878 schuf ein Groß-Bulgarien unter russischer Patronage und veränderte die Balkankarte grundlegend. Dieser Vertrag wurde jedoch auf dem Berliner Kongress im Sommer 1878 unter Druck der europäischen Großmächte, insbesondere Großbritanniens und Österreich-Ungarns, erheblich revidiert.

Die Gestaltung der Medaille folgte den traditionellen Konventionen russischer Militärauszeichnungen des 19. Jahrhunderts. Auf der Vorderseite war typischerweise das Porträt von Zar Alexander II. mit entsprechender Umschrift abgebildet, während die Rückseite die Daten des Krieges “1877-1878” sowie häufig religiöse oder patriotische Symbole zeigte. Die Medaille wurde an einem charakteristischen Band getragen, dessen Farben die russischen Nationalfarben sowie die Farben des Heiligen Georg-Ordens kombinierten.

Der bei diesem Exemplar abgebrochene Bandring ist ein häufiges Phänomen bei Medaillen aus dieser Zeit. Dies ist oft auf die Materialermüdung, die Trageweise über lange Zeiträume oder unsachgemäße Lagerung zurückzuführen. Solche Beschädigungen sind bei historischen Militaria durchaus üblich und mindern zwar den Sammlerwert geringfügig, dokumentieren aber gleichzeitig die authentische Geschichte und Nutzung des Objekts.

Über 850.000 russische Soldaten nahmen am Russisch-Türkischen Krieg teil, und entsprechend groß war die Anzahl der verliehenen Medaillen. Die dunkle Bronzeversion wurde an geschätzt mehrere hunderttausend Empfänger ausgegeben, was sie heute zu einem relativ häufigen, aber dennoch historisch bedeutsamen Sammlerstück macht.

Die langfristigen Folgen des Krieges waren erheblich: Die Unabhängigkeit mehrerer Balkanstaaten wurde anerkannt oder vorbereitet, darunter Serbien, Montenegro und Rumänien. Bulgarien erhielt weitgehende Autonomie. Gleichzeitig markierte der Krieg den Beginn der sogenannten “Orientalischen Frage”, die die europäische Diplomatie bis zum Ersten Weltkrieg beschäftigen sollte.

Für Sammler militärhistorischer Objekte repräsentiert diese Medaille ein wichtiges Zeugnis eines Konflikts, der die politische Landkarte Europas veränderte und den unaufhaltsamen Niedergang des Osmanischen Reiches demonstrierte. Sie erinnert nicht nur an die Soldaten, die in den Schlachten kämpften, sondern auch an die vielen tausend Zivilisten und Militärangehörigen, die durch logistische, medizinische und administrative Unterstützung zum Kriegserfolg beitrugen.