Allgemeines Sturmabzeichen -  Friedrich Orth , Wien

Zink, rückseitig erhabene Markierung "f.o.". Getragen, Zustand 2.
484698
285,00

Allgemeines Sturmabzeichen -  Friedrich Orth , Wien

Das Allgemeine Sturmabzeichen stellt eine der bedeutendsten Auszeichnungen der deutschen Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs dar. Diese militärische Tapferkeitsauszeichnung wurde am 1. Juni 1940 durch den Oberbefehlshaber der Wehrmacht, Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel, gestiftet und sollte die besondere Leistung von Soldaten im Kampfeinsatz würdigen, die nicht bereits durch andere spezifische Sturmabzeichen ausgezeichnet werden konnten.

Die Verleihungsbedingungen für das Allgemeine Sturmabzeichen waren klar definiert: Ein Soldat musste an mindestens drei Sturmangriffen an verschiedenen Tagen teilgenommen haben, alternativ konnte die Auszeichnung auch für besondere Tapferkeit bei einem einzelnen Angriff verliehen werden. Als Sturmangriff galt dabei der unmittelbare Nahkampf mit dem Feind unter erheblicher Gefahr für Leib und Leben. Die Auszeichnung stand Angehörigen aller Waffengattungen offen, die nicht für spezialisierte Sturmabzeichen wie das Infanterie-Sturmabzeichen in Frage kamen.

Das hier beschriebene Exemplar wurde von der Wiener Firma Friedrich Orth hergestellt, einem der zahlreichen Hersteller militärischer Auszeichnungen während des Zweiten Weltkriegs. Die Firma Friedrich Orth war ein etablierter Betrieb in Wien, der verschiedene militärische Orden und Ehrenzeichen produzierte. Die rückseitige Markierung “f.o.” (Friedrich Orth) identifiziert eindeutig den Hersteller und ist charakteristisch für die Produktionspraxis dieser Zeit, bei der die meisten Auszeichnungen eine Herstellermarke trugen.

Das Material Zink ist typisch für die Kriegsproduktion, besonders ab der Mitte des Krieges, als Ressourcenknappheit zunehmend zur Verwendung von Ersatzmaterialien zwang. Während frühe Produktionen oft aus Bronze oder anderen hochwertigeren Materialien gefertigt wurden, kamen später vermehrt Zinklegierungen zum Einsatz. Dies spiegelt die wirtschaftlichen Zwänge des Krieges wider und macht solche Stücke zu interessanten zeitgeschichtlichen Dokumenten der Materialverwendung.

Das Design des Allgemeinen Sturmabzeichens zeigt zentral ein Gewehr mit aufgepflanztem Bajonett, umgeben von einem Eichenlaubkranz. Diese Symbolik unterstreicht den militärischen Charakter und die Verbindung zur direkten Kampfhandlung. Die Gestaltung folgte den nationalsozialistischen ästhetischen Vorstellungen militärischer Heraldik und sollte Wehrhaftigkeit und Kampfgeist symbolisieren.

Der angegebene Zustand 2 (getragen) deutet darauf hin, dass dieses Abzeichen tatsächlich von einem Soldaten getragen wurde und nicht nur als Depot- oder Ersatzstück diente. Gebrauchsspuren an solchen Auszeichnungen sind historisch bedeutsam, da sie die authentische Verwendung im militärischen Kontext belegen. Die Patina und Abnutzungserscheinungen erzählen von der Geschichte des Trägers und den Bedingungen, unter denen das Abzeichen getragen wurde.

Die Wiener Produktion von Militaria während des Zweiten Weltkriegs ist ein eigenes Kapitel der Wirtschaftsgeschichte. Nach dem Anschluss Österreichs 1938 wurde die österreichische Industrie in die deutsche Rüstungswirtschaft integriert. Traditionelle Wiener Handwerksbetriebe und Manufakturen, die zuvor für die österreichisch-ungarische Armee und später für das Bundesheer produziert hatten, wurden zur Herstellung deutscher Auszeichnungen herangezogen.

Sammlungsgeschichtlich sind solche Abzeichen heute wichtige militärhistorische Objekte, die Einblick in die Auszeichnungspraxis, Herstellungstechniken und Materialverwendung der Zeit geben. Sie dokumentieren nicht nur militärische Leistungen, sondern auch industrielle Produktionsprozesse und die Organisation des militärischen Auszeichnungswesens im Dritten Reich.

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit solchen Objekten erfordert differenzierte Betrachtung: Sie sind Zeugnisse einer verbrecherischen Diktatur und eines Angriffskrieges, gleichzeitig aber auch materielle Quellen für die Militär- und Technikgeschichte. Ihre Dokumentation und Erforschung dient dem historischen Verständnis dieser Epoche und mahnt zur kritischen Auseinandersetzung mit der Geschichte.