Alte Tragetasche für Schrotflinte 

braunes Leder, mit Kompartiment für die Flinte, sowie für 3 Läufe, innen stark abgenutzt, mit Tragevorrichtung, Länge 72 cm, Zustand 3
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300,00

Alte Tragetasche für Schrotflinte 

Die vorliegende Tragetasche für Schrotflinten aus braunem Leder repräsentiert einen wichtigen Aspekt der jagdlichen und militärischen Ausrüstungsgeschichte vom späten 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Mit ihrer charakteristischen Konstruktion, die ein Hauptfach für die Flinte sowie separate Kompartimente für drei austauschbare Läufe bietet, verkörpert sie die damalige Philosophie der modularen Waffensysteme.

Historischer Kontext und Entwicklung

Die Tradition von Mehrlaufsystemen bei Schrotflinten etablierte sich in Europa besonders ab den 1870er Jahren. Wohlhabende Jäger und militärische Offizierskorps schätzten die Möglichkeit, verschiedene Läufe für unterschiedliche Jagdarten oder Einsatzzwecke zu verwenden. Ein Flintensystem konnte so mit verschiedenen Kalibrierungen, Würgebohrungen (Chokes) oder Lauflängen ausgestattet werden, was maximale Flexibilität bei minimaler Ausrüstung gewährleistete.

Solche Transporttaschen waren insbesondere bei gehobenen Jagdgesellschaften und im militärischen Kontext verbreitet. Im deutschen Kaiserreich und später in der Weimarer Republik sowie im Dritten Reich gehörten sie zur Standardausrüstung von Offizieren, die neben ihren Dienstwaffen auch private Jagdwaffen führten. Die Länge von 72 Zentimetern entspricht typischen Maßen für zerlegte Flinten mit mittleren bis kurzen Läufen.

Konstruktion und Material

Das verwendete braune Leder war das bevorzugte Material für hochwertige militärische und jagdliche Ausrüstung. Leder bot hervorragenden Schutz gegen Witterungseinflüsse, Stöße und Kratzer, während es gleichzeitig atmungsaktiv blieb und so Kondensation verhinderte. Die Gerbverfahren des frühen 20. Jahrhunderts, insbesondere die vegetabile Gerbung, produzierten robustes, langlebiges Material, das bei entsprechender Pflege Jahrzehnte überdauern konnte.

Die Innenausstattung solcher Taschen bestand üblicherweise aus weicherem Futterleder oder Filz, um die empfindlichen Metalloberflächen und das Holz der Waffenteile zu schützen. Die dokumentierte starke Abnutzung im Inneren zeugt von intensiver Nutzung über einen längeren Zeitraum, was bei Gebrauchsgegenständen dieser Kategorie durchaus üblich war.

Militärische und jagdliche Verwendung

Im militärischen Kontext dienten solche Taschen primär dem Transport von Offizierswaffen auf Reisen oder bei Verlegungen. Während des Ersten Weltkriegs und verstärkt im Zweiten Weltkrieg wurden Schrotflinten in begrenztem Umfang auch für spezielle militärische Zwecke eingesetzt, etwa im Grabenkrieg oder bei Wacheinheiten. Die Möglichkeit, verschiedene Läufe mitzuführen, erlaubte die Anpassung an unterschiedliche taktische Situationen.

In der zivilen Jagd waren Wechsellaufsysteme besonders bei der Niederwildjagd und der Wasservogeljagd geschätzt. Ein Jäger konnte am Morgen mit einem offenen Lauf auf Fasane jagen und am Nachmittag mit einem engeren Choke auf Enten. Diese Flexibilität machte solche Systeme trotz ihres höheren Preises sehr begehrt.

Tragevorrichtungen und praktische Aspekte

Die erwähnte Tragevorrichtung war ein wesentliches Merkmal solcher Taschen. Typischerweise bestanden diese aus verstärkten Lederschlaufen oder -riemen, die ein bequemes Tragen über der Schulter oder in der Hand ermöglichten. Manche Modelle verfügten über zusätzliche D-Ringe zur Befestigung an Fahrzeugen oder Pferdegeschirr, was die Mobilität erhöhte.

Die praktische Gestaltung mit separaten Kompartimenten verhinderte, dass die Metallteile während des Transports aneinander rieben und sich beschädigten. Dies war besonders wichtig bei hochwertigen Waffen mit gravierten oder damaszierten Läufen, deren Oberflächen äußerst empfindlich waren.

Zeitliche Einordnung und Produktion

Solche Ledertaschen wurden von spezialisierten Sattlern und Riemern gefertigt, oft in unmittelbarer Nähe zu Waffenmanufakturen. Bekannte Zentren der deutschen Waffenproduktion wie Suhl in Thüringen oder Ferlach in Österreich hatten entsprechende Zulieferer, die maßgeschneiderte Transportlösungen anboten. Die Handwerkskunst erreichte vor dem Zweiten Weltkrieg ihren Höhepunkt, wobei viele dieser Betriebe die Kriegsjahre nicht überstanden.

Sammlerwert und historische Bedeutung

Heute sind solche Ledertaschen begehrte Sammlerstücke, die die materielle Kultur der Jagd und des Militärwesens dokumentieren. Der Erhaltungszustand 3 deutet auf sichtbare Gebrauchsspuren hin, was jedoch die historische Authentizität unterstreicht. Für Sammler historischer Jagdausrüstung oder Militaria sind solche Objekte wichtige Ergänzungen, die den Kontext der Hauptobjekte illustrieren.

Die Tasche steht exemplarisch für eine Ära, in der Qualität, Handwerkskunst und Funktionalität im Vordergrund standen und in der die Pflege und der angemessene Transport wertvoller Ausrüstung als selbstverständlich galten.

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