Bayern Degen für Zivil-/Staatsbeamte

um 1900. Zierliche (1,5 cm), rhombische Klinge, die untere Hälfte gebläut und mit vergoldeten Gravuren. Die Klinge, besonders die Bläuung in einem sehr gutem Zustand! Fein ziseliertes, versilbertes Gefäß mit Löwenkopf, Perlmuttgriffschalen, aufgelegt der Strahlenkranz mit Krone aus der Zeit der Regentschaft Prinz Luitpolds. Schwarze Lederscheide mit versilberten Beschlägen, das Mundblech nur leicht gelockert. Zustand 2+.

Gesamtlänge 96,3 cm.
328198
1.650,00

Bayern Degen für Zivil-/Staatsbeamte

Der bayerische Degen für Zivil- und Staatsbeamte repräsentiert eine bedeutende Kategorie zeremonieller Waffen, die im Königreich Bayern während des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts getragen wurden. Diese eleganten Waffen dienten weniger militärischen als vielmehr repräsentativen Zwecken und symbolisierten die Autorität und den gesellschaftlichen Status ihrer Träger innerhalb der bayerischen Verwaltungshierarchie.

Die Tradition des Degentragens durch Zivilbeamte hat ihre Wurzeln im höfischen Zeremoniell des 18. Jahrhunderts, als der Degen zum unverzichtbaren Bestandteil der Hofgarderobe gehörte. Im Königreich Bayern, das von 1806 bis 1918 bestand, entwickelte sich ein ausgefeiltes System zeremonieller Uniformen und Ausrüstungsgegenstände für verschiedene Beamtenkategorien. Staatsbeamte, Justizbeamte, Postbeamte und andere Vertreter der königlichen Verwaltung trugen bei offiziellen Anlässen, Empfängen und Zeremonien ihre vorgeschriebenen Uniformdegen.

Das vorliegende Exemplar stammt aus der Zeit um 1900 und trägt die charakteristischen Insignien der Prinzregentenzeit. Nach dem tragischen Tod König Ludwig II. im Jahr 1886 und der Regierungsunfähigkeit seines Bruders König Otto I. übernahm Prinz Luitpold von Bayern (1821-1912) als Prinzregent die Regierungsgeschäfte. Seine Regentschaft von 1886 bis 1912 gilt als eine der stabilsten und kulturell bedeutendsten Perioden der bayerischen Geschichte. Der auf dem Griff aufgelegte Strahlenkranz mit Krone ist das charakteristische Symbol dieser Ära und findet sich auf zahlreichen offiziellen Gegenständen dieser Zeit.

Die Gestaltung solcher Degen folgte strengen Vorschriften, die in königlichen Verordnungen und Uniformreglements festgelegt waren. Die rhombische Klinge mit ihrer charakteristischen rautenförmigen Querschnittsform war typisch für Paradedegen und unterschied sich deutlich von militärischen Kampfwaffen. Mit einer Breite von nur 1,5 cm war diese Klinge ausgesprochen zierlich – ein klares Indiz für die rein zeremonielle Funktion der Waffe. Die Blauierung der unteren Klingenhälfte war ein aufwendiges Verfahren, bei dem die Stahloberfläche durch kontrollierte Oxidation eine tiefblaue Färbung erhielt. Diese Technik diente nicht nur dekorativen Zwecken, sondern bot auch einen gewissen Korrosionsschutz.

Die vergoldeten Gravuren auf der geblaueten Fläche zeigten häufig florale Ornamente, bayerische Staatssymbole oder Widmungsinschriften. Solche Verzierungen wurden von spezialisierten Graveurwerkstätten ausgeführt, die oft in München oder Solingen ansässig waren. Solingen hatte sich bereits im 17. Jahrhundert als Zentrum der deutschen Klingenproduktion etabliert und lieferte Blankaffen für ganz Europa.

Das Gefäß – der Griffbereich mit Parierstange und Schutzvorrichtungen – zeigt die hohe handwerkliche Qualität dieser Prunkwaffen. Die feine Ziselierung der versilberten Metallteile erforderte erhebliches handwerkliches Geschick. Der Löwenkopf als dekoratives Element verweist auf den bayerischen Staatslöwen, eines der wichtigsten heraldischen Symbole Bayerns. Die Perlmuttgriffschalen (Perlmutt ist die schillernde innere Schicht verschiedener Muschelarten) galten als besonders edel und waren teurer als einfache Holz- oder Horngriffe. Sie wurden vor allem bei höherwertigen Degen für ranghöhere Beamte verwendet.

Die Lederscheide mit versilberten Beschlägen vervollständigte die Garnitur. Das Mundblech – die verstärkende Metallmanschette am oberen Ende der Scheide – hatte sowohl praktische als auch dekorative Funktionen. Es schützte die Scheide vor Abnutzung beim Ein- und Ausstecken der Klinge und bot Befestigungsmöglichkeiten für die Tragevorrichtung.

Die Gesamtlänge von 96,3 cm entspricht den üblichen Maßen für Zivilbeamtendegen dieser Epoche. Im Vergleich dazu waren militärische Offiziersäbel oft etwas länger und schwerer gebaut. Die Proportionen solcher Degen waren sorgfältig auf die Körpergröße und die Trageweise abgestimmt – sie sollten imposant wirken, ohne beim Gehen zu stören.

Mit dem Ende der bayerischen Monarchie im November 1918, als König Ludwig III. während der Novemberrevolution zur Abdankung gezwungen wurde, verloren solche zeremoniellen Waffen ihre offizielle Funktion. Die Weimarer Republik schaffte die monarchischen Uniformvorschriften ab, und Beamtendegen wurden zu historischen Erinnerungsstücken. Heute sind sie begehrte Sammlerobjekte, die Zeugnis ablegen von der höfischen Kultur und Verwaltungstradition des untergegangenen Königreichs Bayern.

Die Erhaltung eines solchen Degens in gutem Zustand ist bemerkenswert, da die Blauierung besonders empfindlich gegenüber Feuchtigkeit und unsachgemäßer Behandlung ist. Exemplare mit gut erhaltener Blauierung und intakten Vergoldungen sind deutlich seltener als solche mit Korrosionsschäden oder abgeriebenen Verzierungen.