Braunschweig Ehrenzeichen für 15-jährige Dienstzeit 1888-1936

Bandschnalle mit Metallauflage. Ungetragen, komplett mit der original Tüte des Herstellers Gustav Hanneck in Braunschweig. Die Tüte etwas beschädigt.
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70,00

Braunschweig Ehrenzeichen für 15-jährige Dienstzeit 1888-1936

Das Braunschweig Ehrenzeichen für 15-jährige Dienstzeit stellt ein bedeutendes Zeugnis der militärischen Auszeichnungstradition des Herzogtums und späteren Freistaates Braunschweig dar. Diese Dekoration wurde erstmals im Jahr 1888 unter Herzog Wilhelm gestiftet und blieb bis zur Auflösung der deutschen Länderhoheiten im Jahr 1936 in Gebrauch.

Das vorliegende Exemplar in Form einer Bandschnalle mit Metallauflage repräsentiert die praktische Trageweise dieser Auszeichnung an der Uniform. Im Gegensatz zur vollständigen Medaille, die zu feierlichen Anlässen getragen wurde, diente die Bandschnalle dem täglichen Dienst und war deutlich praktischer im militärischen Alltag. Die Metallauflage auf dem Band kennzeichnete dabei die spezifische Auszeichnung und ermöglichte eine schnelle Identifikation der Dienstleistung des Trägers.

Die Stiftung erfolgte durch die Verordnung vom 6. Dezember 1888, welche die Ehrung verdienter Soldaten und Beamter nach 15-jähriger treuer Dienstzeit vorsah. Das Herzogtum Braunschweig, obwohl eines der kleineren deutschen Bundesstaaten, pflegte eine stolze militärische Tradition, die bis in die napoleonischen Kriege zurückreichte. Das berühmte Schwarze Korps unter Herzog Friedrich Wilhelm hatte sich während der Befreiungskriege einen legendären Ruf erworben.

Die Auszeichnung konnte sowohl an Militärangehörige als auch an Zivilbeamte verliehen werden, was ihre Bedeutung als umfassendes Dienstaltersehrenzeichen unterstreicht. Die Vergabekriterien waren streng: 15 Jahre untadelige Dienstzeit ohne schwerwiegende Disziplinarstrafen waren Voraussetzung. Dies machte das Ehrenzeichen zu einem echten Verdienst- und Treuezeichen.

Besonders bemerkenswert an diesem Exemplar ist seine ungetragene Erhaltung und die Komplettheit mit der Originaltüte des Herstellers Gustav Hanneck aus Braunschweig. Die Firma Hanneck war einer der renommierten Orden- und Ehrenzeichemhersteller in Braunschweig und belieferte sowohl militärische als auch zivile Institutionen. Die Präsenz der Originalverpackung, selbst in beschädigtem Zustand, erhöht den historischen und sammlerwissenschaftlichen Wert erheblich, da sie die Authentizität und Provenienz des Stückes dokumentiert.

Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende der Monarchie 1918 wurde Braunschweig zum Freistaat. Interessanterweise wurde das Dienstaltersehrenzeichen in modifizierter Form weiterverliehen, wobei die monarchischen Symbole teilweise durch republikanische ersetzt wurden. Dies zeigt die Kontinuität staatlicher Institutionen über politische Systemwechsel hinweg.

Die Endphase der Verleihung kam mit der zunehmenden Gleichschaltung der deutschen Länder durch das NS-Regime. Im Jahr 1936 wurde die eigenständige Vergabe von Länderauszeichnungen weitgehend eingestellt, was das Ende einer fast 50-jährigen Tradition bedeutete. An ihre Stelle traten reichseinheitliche Dienstaltersehrenzeichen.

Die Bandschnalle als Trageform repräsentiert einen wichtigen Aspekt der preußisch-deutschen Uniformtradition. Während bei vollen Galauniformen die kompletten Orden und Ehrenzeichen getragen wurden, verwendete man im Dienstalltag und bei der Felduniform diese praktischen Bandschnallen, auch Feldschnallen genannt. Die Metallauflage ermöglichte dabei die Unterscheidung verschiedener Ehrenzeichen am gleichen Band.

Für Sammler und Militärhistoriker sind solche ungetragenen Exemplare mit Originalverpackung von besonderem Interesse. Sie dokumentieren nicht nur die Auszeichnung selbst, sondern auch die Herstellungs- und Vertriebspraxis der Zeit. Die Firma Hanneck, deren Name auf der Tüte erscheint, war Teil eines Netzwerks spezialisierter Handwerksbetriebe, die die Phaleristik, die Ordenskunde, des Deutschen Reiches prägten.

Das Braunschweig Dienstaltersehrenzeichen steht exemplarisch für die föderale Struktur des Deutschen Kaiserreichs und der Weimarer Republik, in der die Einzelstaaten trotz der Reichseinigung eigene Auszeichnungssysteme pflegten. Diese Vielfalt macht die deutsche Phaleristik besonders reichhaltig, aber auch komplex. Jedes Land hatte seine eigenen Statuten, Designs und Verleihungspraktiken, was heute ein faszinierendes Studienfeld darstellt.