Ehrenschale aus Meißner Porzellan des "Oldenburgisches Dragoner-Rgt.Nr. 19" in besonder Ausführung

Durchmesser ca. 25 cm, blaues Dekor unter Glasur, das gekrönte Monogramm vergoldet, rückseitig Aufhänger, Nummern und Schwerter, Zustand 2
321598
1.250,00

Ehrenschale aus Meißner Porzellan des "Oldenburgisches Dragoner-Rgt.Nr. 19" in besonder Ausführung

Die Ehrenschale aus Meißner Porzellan des Oldenburgischen Dragoner-Regiments Nr. 19 repräsentiert eine bedeutende Tradition militärischer Ehrengeschenke im Deutschen Kaiserreich. Mit einem Durchmesser von circa 25 Zentimetern und verziert mit blauem Dekor unter Glasur sowie einem vergoldeten gekrönten Monogramm, verkörpert dieses Stück die hohe Handwerkskunst der Königlichen Porzellan-Manufaktur Meißen und die militärische Ehrkultur der wilhelminischen Ära.

Das Oldenburgische Dragoner-Regiment Nr. 19 wurde 1813 als Leibgarde-Regiment des Großherzogtums Oldenburg aufgestellt und 1867 in die preußische Armee eingegliedert. Das Regiment war in Oldenburg stationiert und gehörte zum IX. Armeekorps. Die Tradition der Dragoner-Regimenter reichte in Preußen bis ins 17. Jahrhundert zurück, wobei diese berittenen Einheiten sowohl im Kavallerie-Einsatz als auch als abgesessene Infanterie kämpfen konnten.

Die Verwendung von Meißner Porzellan für militärische Ehrengaben war im Deutschen Kaiserreich besonders prestigeträchtig. Die 1710 gegründete Manufaktur in Meißen, die erste europäische Porzellanmanufaktur, genoss höchstes Ansehen. Die charakteristischen gekreuzten Schwerter als Manufakturmarke, die rückseitig auf dieser Schale zu finden sind, wurden seit 1722 verwendet und galten als Qualitätssiegel.

Solche Ehrenschalen wurden typischerweise zu besonderen Anlässen verliehen: bei Jubiläen, bei Versetzungen verdienter Offiziere, bei herausragenden militärischen Leistungen oder bei kaiserlichen Besuchen. Die blaue Unterglasurmalerei war eine besondere Technik, bei der das Kobaltblau vor dem Glasurbrand aufgetragen wurde, was eine dauerhafte und farbechte Dekoration gewährleistete. Das gekrönte Monogramm verweist wahrscheinlich auf den Großherzog von Oldenburg oder den deutschen Kaiser, der als oberster Kriegsherr fungierte.

Die Epoche von 1871 bis 1918 war geprägt von einer ausgeprägten militärischen Ehrkultur. Regimenter pflegten ihre Traditionen intensiv, und materielle Symbole dieser Zugehörigkeit spielten eine wichtige Rolle im Offizierskorps. Neben Ehrensäbeln, Pokalen und Medaillen gehörten kunstvolle Porzellanarbeiten zum festen Bestandteil militärischer Anerkennungspraxis.

Das Regiment Nr. 19 nahm am Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 teil und kämpfte später im Ersten Weltkrieg an verschiedenen Fronten. Die Dragoner-Regimenter mussten sich im Laufe des Ersten Weltkriegs den veränderten Bedingungen des modernen Krieges anpassen, wo die traditionelle Kavallerie zunehmend an Bedeutung verlor. Nach Kriegsende 1918 und der Auflösung der kaiserlichen Armee wurden solche Ehrengaben häufig von ehemaligen Regimentsangehörigen als persönliche Erinnerungsstücke bewahrt.

Die Nummerierung auf der Rückseite der Schale diente der Identifikation innerhalb der Manufaktur und gibt möglicherweise Aufschluss über Produktionsjahr und Formnummer. Die Qualitätseinstufung in “Zustand 2” deutet auf eine sehr gut erhaltene Schale mit minimalen Gebrauchsspuren hin.

Der Aufhänger auf der Rückseite zeigt, dass diese Schale nicht als Gebrauchsgegenstand, sondern als Schaustück konzipiert war. Sie sollte an der Wand präsentiert werden, etwa im Offizierskasino, in privaten Räumlichkeiten oder in Regimentsmuseen. Diese Form der Präsentation entsprach der wilhelminischen Wohnkultur, in der militärische Ehrenzeichen und Erinnerungsstücke prominent zur Schau gestellt wurden.

Heute sind solche Ehrenschalen wichtige historische Dokumente, die Einblick in die Selbstdarstellung und Wertewelt des preußisch-deutschen Militärs geben. Sie dokumentieren nicht nur kunsthandwerkliche Exzellenz, sondern auch die gesellschaftliche Stellung des Militärs im Kaiserreich. Für Sammler und Museen repräsentieren sie materielle Zeugnisse einer untergegangenen Epoche deutscher Geschichte.