III. Reich - Tschecheslowakei - Narodni Sourucenstvi ( NS ) - Mitgliedsausweis für eine Frau des Jahrgangs 1912

ausgestellt am 10.7.1940, mit Beitragzahlung für 1940, gebrauchter Zustand.
Vlasti Zdar = Alles für das Vaterland
Národní souručenství ( NS ), deutsch etwa "Nationale Gemeinschaft", war während der Existenz des Protektorats Böhmen und Mähren auf dem Teilgebiet der ehemaligen Tschechoslowakei die einzige politische parteiähnliche Organisation. ( Tschechische NSDAP )
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III. Reich - Tschecheslowakei - Narodni Sourucenstvi ( NS ) - Mitgliedsausweis für eine Frau des Jahrgangs 1912

Mitgliedsausweis der Národní součenství (NS) – Die "Nationale Gemeinschaft" im Protektorat Böhmen und Mähren

Der vorliegende Mitgliedsausweis dokumentiert ein bedeutendes Kapitel der tschechischen Geschichte unter nationalsozialistischer Besatzung. Ausgestellt am 10. Juli 1940 für eine Frau des Jahrgangs 1912, repräsentiert dieses Dokument die Mitgliedschaft in der Národní součenství (NS), der einzigen zugelassenen politischen Organisation im Protektorat Böhmen und Mähren.

Nach der Zerschlagung der Tschechoslowakei im März 1939 durch das nationalsozialistische Deutschland wurde am 16. März 1939 das Protektorat Böhmen und Mähren proklamiert. Die verbleibenden tschechischen Gebiete wurden zu einem formell autonomen, faktisch aber von Berlin kontrollierten Gebilde. In diesem politischen Vakuum entstand die Národní součenství als Versuch, eine “Sammelbewegung” der tschechischen Bevölkerung unter der deutschen Oberherrschaft zu schaffen.

Die Gründung und Struktur der Národní součenství

Die Národní součenství wurde im Frühjahr 1939 unter maßgeblichem deutschen Einfluss gegründet. Der Name lässt sich mit “Nationale Gemeinschaft” oder “Nationale Solidarität” übersetzen. Sie sollte nach dem Vorbild der NSDAP eine einheitliche politische Ausrichtung der tschechischen Bevölkerung gewährleisten, wenngleich sie niemals den Status einer formellen Partei erhielt. Vielmehr handelte es sich um eine parteiähnliche Organisation, die alle vorherigen politischen Parteien ersetzte.

An der Spitze der NS stand Adolf Hrubý, später gefolgt von Jaroslav Krejčí und Richard Bienert. Die Organisation war hierarchisch strukturiert und verfügte über Bezirks- und Ortsgruppen im gesamten Protektorat. Der Wahlspruch “Vlasti zdar” (Alles für das Vaterland) sollte nationale Gefühle ansprechen, während die Organisation gleichzeitig die Kollaboration mit den deutschen Besatzern institutionalisierte.

Mitgliedschaft und gesellschaftliche Bedeutung

Die Mitgliedschaft in der Národní součenství war formell freiwillig, doch in der Praxis bestand erheblicher Druck auf die Bevölkerung, beizutreten. Staatsbedienstete, Angestellte in wichtigen Positionen und andere Personen des öffentlichen Lebens sahen sich faktisch gezwungen, der Organisation beizutreten. Der vorliegende Ausweis mit Beitragszahlung für 1940 dokumentiert diese Mitgliedschaft und die damit verbundene finanzielle Verpflichtung.

Mitgliedsausweise wie der vorliegende wurden mit persönlichen Daten ausgestellt und mussten bei verschiedenen Gelegenheiten vorgezeigt werden. Sie dienten als Nachweis der politischen Konformität und konnten Voraussetzung für berufliche Chancen oder soziale Vorteile sein. Die regelmäßige Beitragszahlung, dokumentiert durch Stempel oder Einträge im Ausweis, war verpflichtend.

Die politische Rolle im Protektorat

Die Národní součenství diente den deutschen Besatzern als Instrument zur Kontrolle und Lenkung der tschechischen Bevölkerung. Sie organisierte Versammlungen, Kundgebungen und propagandistische Veranstaltungen, die die Politik des Protektorats unterstützen sollten. Gleichzeitig versuchten einige tschechische Politiker innerhalb der NS, einen gewissen Handlungsspielraum zur Wahrung tschechischer Interessen zu bewahren – ein Balanceakt zwischen Kollaboration und nationalem Selbsterhalt.

Die Organisation kontrollierte zahlreiche gesellschaftliche Bereiche und versuchte, nach dem totalitären Prinzip alle Lebensbereiche zu durchdringen. Dies umfasste Jugendorganisationen, Arbeitervereinigungen und kulturelle Institutionen. Die NS war damit Teil des umfassenden Systems der Kontrolle und Indoktrination im Protektorat.

Das Jahr 1940 und der historische Kontext

Das Ausstellungsdatum des vorliegenden Ausweises, der 10. Juli 1940, fällt in eine Phase der Konsolidierung der deutschen Herrschaft. Nach dem erfolgreichen Westfeldzug und dem Sieg über Frankreich im Juni 1940 schien die deutsche Macht auf dem Höhepunkt. Im Protektorat bedeutete dies eine verstärkte Integration in das deutsche Wirtschafts- und Rüstungssystem. Die tschechische Industrie, insbesondere die berühmten Škoda-Werke, spielte eine wichtige Rolle für die deutsche Kriegswirtschaft.

Historische Bewertung und Nachkriegszeit

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Befreiung der Tschechoslowakei 1945 wurde die Národní součenství aufgelöst. Die Mitgliedschaft in der Organisation wurde in der Nachkriegszeit unterschiedlich bewertet. Während führende Funktionäre als Kollaborateure vor Gericht gestellt wurden, wurde einfachen Mitgliedern, die unter Zwang beigetreten waren, meist keine Schuld zugewiesen.

Heute sind Dokumente wie dieser Mitgliedsausweis wichtige historische Quellen für das Verständnis des Alltags im Protektorat Böhmen und Mähren. Sie dokumentieren die Mechanismen der Besatzungsherrschaft, den Druck zur Konformität und die komplexen moralischen Dilemmata, vor denen die tschechische Bevölkerung zwischen 1939 und 1945 stand. Für die historische Forschung bieten solche persönlichen Dokumente Einblicke in die individuellen Schicksale hinter den großen politischen Ereignissen dieser tragischen Epoche europäischer Geschichte.

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