NSKK - nichttragbare Siegerplakette - " 1. Berglandfahrt d. Ostmark ST.A.C. ST.A.M.K. Sieger "
Die vorliegende NSKK-Siegerplakette der 1. Berglandfahrt der Ostmark repräsentiert ein faszinierendes Zeugnis der motorsportlichen Aktivitäten des Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps (NSKK) im annektierten Österreich nach dem Anschluss von 1938. Diese nichttragbare Auszeichnung dokumentiert die Vereinnahmung des österreichischen Motorsports durch nationalsozialistische Organisationen und die ideologische Durchdringung des zivilen Lebens in der sogenannten “Ostmark”.
Das NSKK wurde 1931 als paramilitärische Organisation der NSDAP gegründet und entwickelte sich zu einer bedeutenden Massenorganisation mit über 500.000 Mitgliedern. Nach der Machtübernahme 1933 übernahm das NSKK die Aufgabe der kraftfahrtechnischen Schulung der Bevölkerung und organisierte zahlreiche motorsportliche Veranstaltungen. Diese dienten nicht nur der Förderung des Motorsports, sondern auch der vormilitärischen Ausbildung und der ideologischen Indoktrination.
Nach dem Anschluss Österreichs im März 1938 wurde das Gebiet offiziell als “Ostmark” bezeichnet, eine Bezeichnung, die bis 1942 verwendet wurde. Die Integration der österreichischen Automobilclubs in die NS-Strukturen erfolgte rasch und systematisch. Die auf der Plakette genannten Organisationen ST.A.C. (vermutlich Steirischer Automobil-Club) und ST.A.M.K. (Steirischer Automobil- und Motorrad-Klub) waren traditionelle österreichische Motorsportvereine, die nun unter NSKK-Schirmherrschaft ihre Veranstaltungen durchführten.
Die Berglandfahrt war eine typische Form des Motorsportwettbewerbs jener Zeit, bei der technisches Können, Fahrzeugbeherrschung und Zuverlässigkeit im alpinen Gelände geprüft wurden. Solche Veranstaltungen hatten in Österreich eine lange Tradition und waren vor 1938 beliebte sportliche Ereignisse. Nach dem Anschluss wurden diese Traditionen fortgeführt, aber ideologisch aufgeladen und für propagandistische Zwecke instrumentalisiert.
Die nichttragbare Siegerplakette stellt eine besondere Kategorie von Auszeichnungen dar. Im Gegensatz zu tragbaren Medaillen oder Abzeichen waren diese Plaketten als Erinnerungsstücke und Trophäen konzipiert, die typischerweise in Vitrinen oder auf Sockeln präsentiert wurden. Die technische Ausführung mit vergoldetem Buntmetall und Emaillierung sowie die Montage auf einer Metallplatte unterstreichen den repräsentativen Charakter dieser Auszeichnung. Die Dimensionen von 50 x 72 mm für die Plakette selbst und 65 x 87 mm für die Trägerplatte entsprechen den üblichen Standards für solche Siegespreise.
Die Herstellung solcher Plaketten erfolgte durch spezialisierte Metallwarenfabriken und Orden-Hersteller, die auch offizielle NS-Abzeichen produzierten. Die Emaillierungstechnik, oft in den charakteristischen Farben der NS-Organisationen (Schwarz, Weiß, Rot), sowie die Vergoldung verliehen diesen Objekten einen hohen materiellen und symbolischen Wert. Die Qualität der Ausführung sollte die Bedeutung der Veranstaltung und die Leistung des Siegers würdigen.
Motorsportveranstaltungen des NSKK in der Ostmark dienten mehreren Zwecken: Sie sollten die kraftfahrtechnische Kompetenz der Bevölkerung fördern, was im Hinblick auf die spätere Kriegsvorbereitung von strategischer Bedeutung war. Gleichzeitig boten sie eine Plattform für die nationalsozialistische Propaganda und die Demonstration technischer Überlegenheit. Die Einbindung traditioneller österreichischer Automobilclubs in diese Strukturen diente der Legitimierung der neuen Herrschaft und der Integration der österreichischen Bevölkerung in das “Großdeutsche Reich”.
Der historische Kontext dieser Plakette ist somit vielschichtig: Sie dokumentiert die Kontinuität österreichischer Motorsporttradition, die gleichzeitige Instrumentalisierung durch das NS-Regime, und die systematische Vereinnahmung ziviler Organisationen. Für Sammler und Historiker sind solche Objekte wichtige Quellen für das Verständnis der Alltagsgeschichte im Nationalsozialismus und der Integration annektierter Gebiete in die NS-Strukturen.
Die Erhaltung in Zustand 2 deutet auf eine gute bis sehr gute Bewahrung hin, was bei emaillierten Objekten aus dieser Zeit bemerkenswert ist. Dies ermöglicht eine authentische Betrachtung der handwerklichen Qualität und der ästhetischen Gestaltung solcher Auszeichnungen aus der NS-Zeit.