Preußen 1. Weltkrieg Einzel Schulterklappe feldgrau für Mannschaften im Füsilier-Regiment Königin (Schleswig-Holsteinisches) Nr. 86

Heimatstandort Flensburg/Sonderburg, um 1915. Feldgraues Tuch mit weißem Vorstoß und in rot aufgestickter Chiffre «♔AV», zum Einnähen. Zustand 2.

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150,00

Preußen 1. Weltkrieg Einzel Schulterklappe feldgrau für Mannschaften im Füsilier-Regiment Königin (Schleswig-Holsteinisches) Nr. 86

Diese feldgraue Schulterklappe für Mannschaften des Füsilier-Regiments "Königin" (Schleswig-Holsteinisches) Nr. 86 repräsentiert ein authentisches Ausrüstungsstück der preußischen Armee während des Ersten Weltkriegs. Die Einheit gehörte zum IX. Armee-Korps und war in den nördlichsten Regionen des Deutschen Kaiserreichs stationiert.

Das Füsilier-Regiment Nr. 86 wurde 1866 als Teil der schleswig-holsteinischen Truppen in die preußische Armee eingegliedert, nachdem die Herzogtümer Schleswig und Holstein 1864-1866 von Dänemark getrennt und Preußen angegliedert worden waren. Die Regimentsbezeichnung "Königin" ehrte die preußische Königin, und die Einheit unterhielt ihre Heimatstandorte in Flensburg und Sonderburg, zwei strategisch wichtigen Städten nahe der dänischen Grenze.

Die vorliegende Schulterklappe zeigt die charakteristischen Merkmale der Felduniform ab 1915. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 erkannte die deutsche Heeresleitung schnell, dass die bisherigen bunten Friedenuniformen mit ihren auffälligen Farben auf dem modernen Schlachtfeld ein tödliches Risiko darstellten. Die Einführung der feldgrauen Uniform erfolgte schrittweise und war bis 1915 weitgehend abgeschlossen.

Die Schulterklappe besteht aus feldgrauem Tuch mit weißem Vorstoß, was die Waffenfarbe der Infanterie kennzeichnete. Der weiße Vorstoß war ein traditionelles Unterscheidungsmerkmal, das auch in der Felduniform beibehalten wurde, allerdings in gedämpfterer Form als bei den Friedenuniformen. Die in rot aufgestickte Chiffre "A V" (bzw. "86" in arabischen Ziffern) identifizierte das spezifische Regiment eindeutig.

Schulterklappen waren ein wesentlicher Bestandteil der preußischen und deutschen Militäruniform seit dem 19. Jahrhundert. Sie dienten nicht nur der Regimentsidentifikation, sondern waren auch praktische Elemente, die ursprünglich das Abrutschen der Schulterriemen verhinderten. Die hier vorliegende Einzelklappe war "zum Einnähen" konzipiert, was bedeutet, dass sie fest mit dem Uniformrock verbunden wurde, im Gegensatz zu den abnehmbaren Varianten bei Offizieren.

Für Mannschaften – also gemeine Soldaten ohne Offiziersrang – waren die Schulterklappen schlichter gestaltet als jene der Offiziere. Während Offiziere Schulterklappen mit Metallborte und oft vergoldeten oder versilberten Chiffren trugen, waren die Mannschaftsklappen aus einfachem Tuch gefertigt mit aufgestickten Abzeichen. Dies spiegelte die strenge Hierarchie und die Unterscheidung nach Rängen wider, die das preußisch-deutsche Militärsystem charakterisierten.

Das Füsilier-Regiment Nr. 86 nahm an zahlreichen Operationen während des Ersten Weltkriegs teil. Als Teil des IX. Armee-Korps kämpfte es sowohl an der Westfront in Frankreich und Belgien als auch zeitweise an der Ostfront. Die Füsiliere, ursprünglich als leichte Infanterie konzipiert, unterschieden sich im Ersten Weltkrieg kaum noch von regulären Infanterieregimentern, da die taktischen Unterschiede durch die Bedingungen des Stellungskriegs weitgehend aufgehoben wurden.

Die Datierung "um 1915" ist besonders aussagekräftig. In diesem Jahr befand sich der Krieg in einer entscheidenden Phase: Die anfängliche Bewegungskriegsphase war dem zermürbenden Stellungskrieg gewichen, und die materielle wie personelle Belastung der Armeen nahm stetig zu. Die vollständige Umstellung auf Feldgrau war Teil der Anpassung an die neuen Realitäten der modernen Kriegsführung, bei der Maschinengewehre, Artillerie und Luftaufklärung jede Auffälligkeit tödlich machten.

Die Herstellung solcher Schulterklappen erfolgte in Militärschneidereien und durch private Zulieferer. Mit fortschreitender Kriegsdauer und zunehmenden Materialengpässen variierte die Qualität der Ausrüstungsgegenstände erheblich. Frühe Kriegsstücke zeigten noch hochwertige Verarbeitung, während spätere Produktionen oft unter Materialmangel litten.

Für Sammler militärhistorischer Gegenstände sind solche Schulterklappen von besonderem Wert, da sie authentische Zeugnisse der Uniformgeschichte darstellen. Sie ermöglichen die genaue Identifikation von Einheiten und geben Einblick in die Organisation und Struktur der kaiserlichen Armee. Die Erhaltung solcher Stücke ist wichtig für die historische Forschung und das Verständnis der Militärgeschichte des frühen 20. Jahrhunderts.

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