Die Ritterkreuzträger der Luftwaffe 1939 - 1945, Band I: Jagdflieger,
Das vorliegende Werk “Die Ritterkreuzträger der Luftwaffe 1939-1945, Band I: Jagdflieger” von Walther-Peer Fellgiebel, erschienen 1966 beim Verlag Hoffmann in Mainz, stellt einen bedeutenden Meilenstein in der militärhistorischen Dokumentation dar. Dieses großformatige, in Ganzleinen gebundene Standardwerk umfasst 256 Seiten mit zahlreichen Abbildungen und dokumentiert systematisch die Träger des Ritterkreuzes des Eisernen Kreuzes unter den Jagdfliegern der deutschen Luftwaffe während des Zweiten Weltkriegs.
Das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes wurde am 1. September 1939 durch Adolf Hitler als höchste Stufe des Eisernen Kreuzes neu gestiftet und stellte eine der begehrtesten militärischen Auszeichnungen des Deutschen Reiches dar. Es wurde für außergewöhnliche Tapferkeit im Gefecht oder herausragende militärische Führungsleistungen verliehen. Die Auszeichnung kannte mehrere Stufen: das Ritterkreuz selbst, das Ritterkreuz mit Eichenlaub, mit Eichenlaub und Schwertern, mit Eichenlaub, Schwertern und Brillanten sowie als höchste Stufe das Ritterkreuz mit goldenem Eichenlaub, Schwertern und Brillanten.
Die Jagdflieger der Luftwaffe bildeten eine Elite innerhalb der deutschen Streitkräfte und stellten während des gesamten Kriegsverlaufs eine überproportional hohe Anzahl von Ritterkreuzträgern. Insgesamt wurden während des Zweiten Weltkriegs etwa 7.300 Ritterkreuze verliehen, wovon ein erheblicher Anteil an Angehörige der Luftwaffe ging. Die Jagdflieger zeichneten sich durch hohe Abschusszahlen aus, wobei die bekanntesten Jagdasse wie Erich Hartmann, Gerhard Barkhorn, Günther Rall und Adolf Galland mehrfach mit höheren Stufen des Ritterkreuzes ausgezeichnet wurden.
Das Werk von Fellgiebel entstand in einer Zeit, in der die systematische wissenschaftliche Aufarbeitung der militärischen Geschichte des Zweiten Weltkriegs in der Bundesrepublik Deutschland zunehmend an Bedeutung gewann. In den 1960er Jahren begann eine neue Generation von Militärhistorikern, die Ereignisse mit größerem zeitlichen Abstand und wissenschaftlicher Objektivität zu betrachten. Fellgiebels Arbeit zeichnet sich durch ihre akribische Dokumentation aus, die biografische Daten, Dienstgrade, Einheiten und Verleihungsdaten systematisch erfasst.
Der Verlag Hoffmann in Mainz hatte sich in der Nachkriegszeit auf militärhistorische Publikationen spezialisiert und veröffentlichte mehrere bedeutende Standardwerke zur deutschen Militärgeschichte. Die Wahl des Großformats und der hochwertigen Ganzleinenbindung unterstreicht den Anspruch, ein dauerhaftes Referenzwerk zu schaffen. Die zahlreichen Abbildungen, typischerweise Porträtfotos der ausgezeichneten Offiziere und Unteroffiziere, ergänzen die biografischen Angaben und verleihen dem Werk zusätzlichen dokumentarischen Wert.
Die militärhistorische Bedeutung solcher Dokumentationen liegt in ihrer Funktion als Primärquelle für die Forschung. Sie ermöglichen es, Karriereverläufe nachzuvollziehen, die Verleihungspraxis zu analysieren und die militärische Organisation der Luftwaffe zu rekonstruieren. Gleichzeitig werfen solche Werke auch Fragen nach der Erinnerungskultur und dem Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit auf. Die 1960er Jahre waren geprägt von einem Spannungsfeld zwischen der Würdigung militärischer Leistung und der kritischen Auseinandersetzung mit dem verbrecherischen Charakter des NS-Regimes.
Für Sammler militärhistorischer Literatur stellt die Erstausgabe von 1966 ein gesuchtes Objekt dar. Der Erhaltungszustand wird hier mit “Zustand 2” angegeben, was in der üblichen Bewertungsskala für antiquarische Bücher einen sehr guten bis guten Zustand bezeichnet. Der beschädigte Schutzumschlag ist bei einem über 55 Jahre alten Werk nicht ungewöhnlich und schmälert den Wert nur geringfügig, da der eigentliche Einband unbeschädigt ist.
Das Werk bildete den Auftakt zu einer mehrbändigen Reihe, die weitere Waffengattungen und Truppengattungen der Wehrmacht dokumentierte. Es wurde zur Grundlage für zahlreiche weitere Forschungen und dient bis heute als Referenzwerk in militärhistorischen Archiven und Bibliotheken. Spätere Auflagen und Neubearbeitungen haben das Material ergänzt und korrigiert, doch die Erstausgabe behält ihren besonderen Stellenwert als zeithistorisches Dokument der frühen Nachkriegshistoriographie.