Elastolin - Heer Pionier marschierend als Träger für Ponton oder Holzbalken etc.
Die Elastolin-Figur eines marschierenden Heeres-Pioniers als Träger für Ponton oder Holzbalken stellt ein faszinierendes Beispiel der deutschen Spielzeugproduktion der 1930er und frühen 1940er Jahre dar. Diese 7,5 cm große Massefigur verkörpert einen Angehörigen der Pioniertruppe der Wehrmacht, jener technischen Spezialtruppe, die für den Bau von Behelfsbrücken, Befestigungen und die Überwindung von Wasserläufen zuständig war.
Die Firma O. & M. Hausser in Ludwigsburg begann bereits 1912 mit der Produktion von Massefiguren unter dem Markennamen Elastolin. Diese Figuren wurden aus einer speziellen Masse hergestellt, die hauptsächlich aus Kasein, Leim, Holzmehl, Kreide und anderen Zusätzen bestand. Im Gegensatz zu den traditionellen Bleisoldaten waren Elastolin-Figuren leichter, bruchsicherer und galten als weniger gesundheitsschädlich, was sie besonders für Kinderspielzeug attraktiv machte.
Die Pioniertruppe nahm in der deutschen Militärgeschichte stets eine bedeutende Stellung ein. In der Wehrmacht waren die Pioniere nicht nur für klassische Ingenieursaufgaben zuständig, sondern auch für komplexe militärische Operationen wie den Bau von Pontonbrücken über Flüsse, die Räumung von Minensperren und die Sprengung feindlicher Befestigungen. Die hier dargestellte Figur eines Pioniers im Marschschritt, der Ausrüstung für den Pontonbau oder Holzbalken trägt, illustriert eine der Kernaufgaben dieser Truppengattung: die Herstellung von Behelfsübergängen über Wasserhindernisse.
Die Pontoniere waren speziell ausgebildete Pioniere, die den Bau schwimmfähiger Brücken beherrschten. Diese Brückensysteme bestanden aus einzelnen schwimmfähigen Elementen (Pontons), die miteinander verbunden und mit Holzbalken belegt wurden, um eine Fahrbahndecke zu schaffen. Solche Brücken waren von entscheidender militärischer Bedeutung, da sie es ermöglichten, Truppen, Fahrzeuge und schweres Gerät schnell über Flüsse zu transportieren, wenn feste Brücken zerstört waren oder nicht existierten.
Die Herstellung solcher Militärfiguren durch Elastolin erfolgte in verschiedenen Serien und erreichte ihren Höhepunkt in der Zeit zwischen 1933 und 1943. Die Figuren wurden mit großer Detailtreue gestaltet und zeigten verschiedene Waffengattungen und Tätigkeiten. Die Uniformdarstellung entsprach weitgehend den tatsächlichen Uniformen der Heeresuniformordnung, wobei Pioniere oft an ihren spezifischen Abzeichen und Ausrüstungsgegenständen zu erkennen waren.
Der künstlerische Wert dieser Figuren lag in ihrer handwerklichen Ausführung. Nach dem Gießen in Formen wurden die Figuren von Hand bemalt, wobei die Qualität der Bemalung je nach Preisklasse und Produktionszeitpunkt variierte. Die hier beschriebene Figur im Zustand 2/2- weist auf eine gut erhaltene Figur hin, bei der Original-Bemalung und Substanz weitgehend intakt sind, möglicherweise mit geringen Gebrauchsspuren.
Historisch gesehen waren diese Spielzeugfiguren Teil der damaligen Gesellschaft und Kultur. Sie dienten nicht nur der Unterhaltung, sondern auch der Vermittlung militärischer Werte und der Vertrautmachung mit militärischen Strukturen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion solcher Wehrmachtsfiguren eingestellt, und die Firma Hausser konzentrierte sich auf andere Themen.
Heute sind diese Elastolin-Figuren begehrte Sammlerobjekte, die sowohl aus spielzeughistorischer als auch aus militärhistorischer Perspektive von Interesse sind. Sie dokumentieren die Produktionskunst der damaligen Zeit, die militärische Ausrüstung und Uniformierung der Wehrmacht sowie die gesellschaftlichen Verhältnisse der 1930er und 1940er Jahre. Sammler schätzen besonders gut erhaltene Stücke mit originaler Bemalung, wie die beschriebene Pionierfigur.
Die Bewertung und Einordnung solcher Objekte erfordert Fachkenntnis über Produktionszeiträume, Materialien, Herstellungstechniken und historische Details. Die 7,5 cm-Größe war eine der Standardgrößen von Elastolin und ermöglichte eine detaillierte Darstellung bei gleichzeitig praktischer Handhabbarkeit für Spielzwecke oder Dioramen.