Königreich Hannover Mantel für einen Hofjägermeister

um 1860. Schwerer dunkelgrüner Mantel, doppelte Knopfreihe, vergoldete Knöpfe mit dem Hannoverschen Wappen, am Rücken fehlt ein Knopf. Um den Kragen und den Ärmelaufschlägen mit breiter doppelter Goldlitze. Die Schulterstücke mit aufgelegtem Rangstern sind mit Trauerflor bezogen. Leicht getragen in gutem Zustand.

Dieses Stück stammt von Schloss Marienburg aus der Auktion von Sotheby`s des Königlichen Hauses Hannover 2005.
411499
850,00

Königreich Hannover Mantel für einen Hofjägermeister

Der vorliegende Mantel eines Hofjägermeisters des Königreichs Hannover aus der Zeit um 1860 repräsentiert ein bedeutendes Zeugnis der höfischen Jagdkultur und des königlichen Zeremoniells im deutschen Fürstentum der Mitte des 19. Jahrhunderts. Dieses außergewöhnliche Kleidungsstück, das nachweislich aus Schloss Marienburg stammt und 2005 bei Sotheby's versteigert wurde, verkörpert die traditions- und rangbewusste Hofkultur der hannoverschen Welfen.

Das Königreich Hannover bestand von 1814 bis 1866 als selbständiger deutscher Bundesstaat und stand in Personalunion mit dem britischen Königshaus. Nach dem Tod König Wilhelms IV. von Großbritannien 1837 endete diese Verbindung aufgrund unterschiedlicher Thronfolgeregeln, und Ernst August I. wurde König von Hannover. Sein Sohn Georg V., der von 1851 bis 1866 regierte, war der letzte König von Hannover, bevor das Königreich nach dem Deutschen Krieg von Preußen annektiert wurde.

Die Position des Hofjägermeisters gehörte zu den angesehenen Hofämtern und war tief in der fürstlichen Tradition verwurzelt. Die Jagd war nicht nur ein aristokratisches Vergnügen, sondern ein komplexes soziales und politisches Ritual, das Macht, Prestige und höfische Hierarchien demonstrierte. Der Hofjägermeister trug die Verantwortung für die Organisation und Durchführung der königlichen Jagden, die Verwaltung der Jagdreviere und die Aufsicht über das Jagdpersonal. Diese Position erforderte nicht nur jagdliche Expertise, sondern auch diplomatisches Geschick, da Hofjagden häufig Anlässe für staatsrechtliche Begegnungen und diplomatische Kontakte darstellten.

Der dunkelgrüne Mantel entspricht der traditionellen Farbgebung der Jagdkleidung, die sich seit Jahrhunderten in der europäischen Hofkultur etabliert hatte. Grün symbolisierte die Verbindung zur Natur und zum Wald und war die charakteristische Farbe der Jägerschaft. Die doppelte Knopfreihe und die schwere Stoffqualität zeigen die Funktionalität des Kleidungsstücks für den Außeneinsatz bei jeder Witterung.

Besonders bemerkenswert sind die vergoldeten Knöpfe mit dem hannoverschen Wappen. Das Wappen des Königreichs Hannover zeigte ein geviertes Schild mit den Symbolen Braunschweig (zwei schreitende Löwen), Lüneburg (Löwe), Westfalen (springendes weißes Pferd) und der Kurwürde (Krone). Diese Wappenknöpfe waren nicht nur dekorativ, sondern dienten als unmittelbares Erkennungszeichen der königlichen Zugehörigkeit und des hohen Ranges ihres Trägers.

Die breite doppelte Goldlitze an Kragen und Ärmelaufschlägen war ein deutliches Rangabzeichen. Die Verwendung von Goldstickereien und -litzen an höfischen Uniformen folgte strengen hierarchischen Regeln, wobei die Breite, Anzahl und Anordnung der Litzen präzise den Rang und die Position am Hof kennzeichneten. Die doppelte Goldlitze deutet auf einen höheren Hofdienstgrad hin und unterschied den Hofjägermeister von rangniedrigeren Jagdbediensteten.

Von besonderem historischem Interesse sind die Schulterstücke mit aufgelegtem Rangstern, die mit Trauerflor bezogen sind. Diese Trauerbezeugung könnte auf mehrere historische Ereignisse hinweisen. Der Tod König Ernst Augusts I. im Jahr 1851 oder andere Trauerfälle im königlichen Haus führten zu ausgedehnten Trauerperioden, während derer die Hofbediensteten entsprechende Trauerabzeichen trugen. Die höfische Traueretikette war streng geregelt und erstreckte sich über Monate, manchmal Jahre.

Schloss Marienburg, von wo dieser Mantel stammt, wurde ab 1858 von König Georg V. als Geschenk für seine Gemahlin Königin Marie erbaut. Das im neugotischen Stil errichtete Schloss sollte ein Zeichen der Liebe und zugleich ein Monument hannoverscher Souveränität sein. Nach der Annexion Hannovers 1866 wurde es zum Exil und Symbol der vertriebenen Dynastie. Die Tatsache, dass sich dieser Mantel dort befand, unterstreicht seine Bedeutung als persönliches Erbstück der königlichen Familie.

Die Versteigerung bei Sotheby's im Jahr 2005 war ein bedeutendes Ereignis, bei dem zahlreiche Objekte aus dem Besitz des Hauses Hannover verkauft wurden. Diese Auktion ermöglichte es, lange im privaten Familienbesitz befindliche historische Objekte der Öffentlichkeit und Sammlern zugänglich zu machen und trug zur Erforschung der hannoverschen Geschichte bei.

Der Mantel befindet sich in gutem, leicht getragenem Zustand, was darauf hindeutet, dass er tatsächlich im Dienst verwendet wurde und nicht nur zeremoniellen Charakter hatte. Das Fehlen eines Knopfes am Rücken ist typisch für historische Textilien, die über anderthalb Jahrhunderte überdauert haben, und mindert den historischen Wert des Stücks nicht.

Als Sachzeugnis der hannoverschen Hofkultur und der spezialisierten höfischen Jagdorganisation stellt dieser Mantel ein wichtiges Dokument der deutschen Geschichte des 19. Jahrhunderts dar und vermittelt anschaulich die Prachtentfaltung und strenge Hierarchie der untergangenenen fürstlichen Welt.