Kriegsmarine Dienstglas 7 x 50

Ohne Strichplatte, klare Optik, Markierung "7x50 beh 33556 (T) KF" (= Leitz, Ernst, G.m.b.H., Wetzlar) und Kriegsmarine-Abnahmestempel, mit Trageriemen und Okularschutzkappe. 3 Schrauben sind beschädigt und an den Deckeln wurde zum Teil überlackiert, die Objektivlinse auf der linken Seite ist beschädigt, Zustand 2-.
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650,00

Kriegsmarine Dienstglas 7 x 50

Das Kriegsmarine Dienstglas 7x50 stellt eines der wichtigsten optischen Instrumente der deutschen Seekriegsführung während des Zweiten Weltkriegs dar. Diese robusten Marineferngläser waren unverzichtbare Ausrüstungsgegenstände für Offiziere und Mannschaften der Kriegsmarine und ermöglichten die Aufklärung und Navigation auf See unter allen Wetterbedingungen.

Die technischen Spezifikationen des 7x50-Formats waren sorgfältig auf die Bedürfnisse des Seekriegs abgestimmt. Die siebenfache Vergrößerung bot einen optimalen Kompromiss zwischen Detailerkennbarkeit und Bildstabilität, die bei höheren Vergrößerungen auf schwankenden Schiffen problematisch gewesen wäre. Der Objektivdurchmesser von 50 Millimetern gewährleistete eine ausreichende Lichtsammlung für Beobachtungen in der Dämmerung und bei Nacht – entscheidend für maritime Operationen, die häufig unter schwierigen Lichtverhältnissen stattfanden.

Die Kennzeichnung “beh 33556 (T) KF” identifiziert den Hersteller als Ernst Leitz GmbH aus Wetzlar, ein Unternehmen mit Weltruf in der Optikfertigung. Während des Krieges wurden Herstellercodes verwendet, um strategisch wichtige Produktionsstätten zu verschleiern. Das “beh” war der Tarncode für Leitz, einem der bedeutendsten Zulieferer optischer Geräte für die Wehrmacht. Die Firma Leitz, heute bekannt für ihre Leica-Kameras, produzierte während des Zweiten Weltkriegs in großen Stückzahlen militärische Optik von höchster Qualität.

Der Kriegsmarine-Abnahmestempel dokumentiert die strenge Qualitätskontrolle, der alle militärischen Ausrüstungsgegenstände unterlagen. Jedes Fernglas musste präzise Spezifikationen erfüllen, bevor es für den Dienst zugelassen wurde. Diese Abnahmestempel wurden von Waffenämtern oder beauftragten Prüfern angebracht und garantierten die Einsatztauglichkeit unter den extremen Bedingungen des Seekriegs – Salzwasser, Vibrationen, Temperaturschwankungen und mechanische Beanspruchung.

Die Konstruktion dieser Dienstgläser folgte bewährten Prinzipien der deutschen optischen Industrie. Das verwendete Porro-Prismensystem erzeugte ein aufrechtes, seitenrichtiges Bild und bot eine robuste Bauweise. Die Gehäuse waren typischerweise aus leichten Metalllegierungen gefertigt und mit einer schwarzen, rau strukturierten Lackierung versehen, die Reflexionen minimierte und einen sicheren Halt auch mit nassen Händen ermöglichte. Die Gummierung der Augenmuscheln bot Schutz und Komfort bei längerem Gebrauch.

Der mitgelieferte Trageriemen und die Okularschutzkappe waren standardmäßige Zubehörteile, die den Schutz und Transport des wertvollen Instruments gewährleisteten. In der rauen Umgebung eines Kriegsschiffes, wo Seewasser, Stöße und widrige Witterungsbedingungen allgegenwärtig waren, war ein effektiver Schutz der empfindlichen Optik essentiell.

Die Kriegsmarine setzte verschiedene Typen von Ferngläsern ein, die nach Verwendungszweck und Rangstellung verteilt wurden. Das 7x50-Format war das am weitesten verbreitete Standardglas für den allgemeinen Dienst. Während Kommandanten manchmal größere 10x50-Gläser verwendeten und für spezielle Aufgaben noch leistungsfähigere Modelle existierten, bildete das 7x50 das Rückgrat der optischen Aufklärung auf deutschen Kriegsschiffen, U-Booten, Minensuchern und Hilfskreuzern.

Die historische Bedeutung dieser Ferngläser zeigt sich in ihrer zentralen Rolle bei nahezu allen Seegefechten und U-Boot-Operationen. U-Boot-Kommandanten nutzten solche Gläser beim Ausguck vom Turm aus, um feindliche Schiffe zu identifizieren und Torpedoangriffe vorzubereiten. Auf Überwasserschiffen waren sie unverzichtbar für die Ausguckposten, Brückenoffiziere und Flakbesatzungen. Die Fähigkeit, feindliche Einheiten frühzeitig zu erkennen, konnte über Leben und Tod, Sieg oder Niederlage entscheiden.

Nach Kriegsende wurden große Mengen deutscher Militäroptik als Beutematerial beschlagnahmt. Viele dieser Ferngläser fanden ihren Weg in private Sammlungen oder wurden in anderen Streitkräften weiterverwendet. Die hervorragende optische Qualität der deutschen Produktion war international anerkannt, und selbst nach Jahrzehnten sind gut erhaltene Exemplare für ihre Leistungsfähigkeit geschätzt.

Heute sind authentische Kriegsmarine-Dienstgläser gefragte Sammlerobjekte, die einen wichtigen Aspekt der Marinegeschichte dokumentieren. Der Erhaltungszustand variiert erheblich – von musealen Exemplaren bis zu stark gebrauchten Stücken mit Beschädigungen und Reparaturen, die Zeugnis vom harten Einsatz unter Kriegsbedingungen ablegen. Beschädigungen wie defekte Schrauben, überlackierte Stellen oder Linsenschäden sind typische Alterungs- und Gebrauchsspuren, die die authentische Geschichte dieser Instrumente erzählen.