Preußen Artillerie Säbel für Offiziere .
Der preußische Artillerieoffizierssäbel mit Löwenkopfknauf, im Sammlerkreisen als Löwenkopfsäbel bekannt, repräsentiert ein faszinierendes Kapitel preußisch-deutscher Militärgeschichte. Dieses charakteristische Blankschwert entstand in der Ära der deutschen Einigung und der Standardisierung militärischer Ausrüstung nach den Kriegen von 1866 und 1870-71. Der Löwenkopfsäbel wurde Teil der umfassenden Militärreformen unter dem Deutschen Kaiserreich von 1871 bis 1918.
Im Zuge der Allerhöchsten Kabinetts-Ordres, der höchsten Kabinettserlasse, wurde die militärische Ausrüstung standardisiert, wobei Offiziere ihre Säbel typischerweise bei privaten Herstellern und Händlern selbst erwarben. Diese Praxis des privaten Erwerbs führte zu einer bemerkenswerten Vielfalt innerhalb der allgemeinen Stilrichtung, da die Säbel oft mit Monogrammen der Besitzer personalisiert wurden. Der Löwenkopfknauf mit gekreuzten Pfoten hinter dem Kopf stellte eine frühe Gestaltungstradition dar, die sich bis in die Kaiserzeit fortsetzte und das Stück als Produkt aus der Frühphase dieser Waffentradition ausweist.
Die leicht gekrümmte Klinge dieses Säbels weist Hohlkehlen auf und ist vernickelt. Auf beiden Seiten der Klinge finden sich schwache florale Ätzungen. Die falsche Schneide trägt die Lieferantenmarkierung “D.David Berlin O. Gipsstr. 23”, die auf einen Berliner Händler verweist, der als Lieferant oder Vertreiber fungierte. Das Messinggefäß zeigt einen Löwenkopfknauf in der frühen Form mit gekreuzten Pfoten hinter dem Kopf, einen einfachen bügelförmigen Parierbügel mit Eichenlaub-Dekor, und auf dem Parierlappen gekreuzte Kanonenrohre – das typische Kennzeichen der Artillerie. Der Holzgriff ist mit Leder überzogen und mit intakter Drahtwicklung versehen, wobei die verwendete Rochenhaut eine charakteristische strukturierte Oberfläche bot.
Die bedeutenden Produktionszentren für solche Säbel befanden sich in Solingen, das für seine Klingenherstellung weltberühmt war, sowie in anderen deutschen Städten. Da auf der Klinge keine Herstellermarke erkennbar ist, bleibt der ursprüngliche Schmied unbekannt, während die Berliner Händlermarke auf den Vertriebsweg hinweist. Die Stahlscheide ist vernickelt und mit zwei Messingtragringen ausgestattet, was auf eine Produktion vor 1906 hindeutet. Vor 1906 wiesen Säbel Scheiden mit zwei Aufhängungen auf; nach 1906 wurden Einzelring-Aufhängungen zum Standard. Im Jahr 1910 verlangten die Vorschriften, dass alle Scheiden geschwärzt werden mussten, was die vernickelten Scheiden als Produkte der früheren Periode ausweist.
Diese Säbel wurden von Offizieren der preußischen, später kaiserlich-deutschen Feldartillerie-Einheiten von etwa 1870 bis zum Ersten Weltkrieg getragen. Als nicht ausgegebene, sondern privat erworbene Waffe diente der Säbel zeremoniellen Zwecken, als Rangabzeichen und bei Bedarf auch für den Kampf. Das Löwenkopfdesign symbolisierte Mut und Stärke und verkörperte die preußischen Militärtugenden. Sie unterschieden sich deutlich von den ausgegebenen Säbeln der Mannschaften, dem M1873 Artilleriesäbel, und von den Reglementsmustern.
Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Vertrag von Versailles von 1919 wurde das deutsche Militär drastisch reduziert. Vorhandene Säbelbestände wurden manchmal für die Reichswehr der Weimarer Republik (1919-1933) aufgearbeitet, um die Vertragsbeschränkungen für die Produktion neuer Waffen zu umgehen. Heute sind preußische Löwenkopfsäbel geschätzte Sammlerstücke, die die preußisch-deutsche Militärgeschichte, das handwerkliche Können und die ästhetische sowie hierarchische Kultur des kaiserlich-deutschen Offizierskorps repräsentieren.