Preußen Kartuschkasten für Offiziere im Kürassier-Regiment Königin (Pommersches) Nr. 2

Standort Pasewalk, um 1910. Eleganter Kartuschkasten aus schwarzem Lackleder mit vergoldeten Auflagen: preußischer Adler über Trophäen, seitlich 2 flammende Granaten. Nur minimal getragen, in besonders schönem Zustand. Rückseitig mit Papiervignette "Kronprinzen".
Sehr wahrscheinlich aus dem persönlichen Besitz des Deutschen Kronprinzen Wilhelm v. Preußen.
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2.300,00

Preußen Kartuschkasten für Offiziere im Kürassier-Regiment Königin (Pommersches) Nr. 2

Der Kartuschkasten für Offiziere des Kürassier-Regiments Königin (Pommersches) Nr. 2 repräsentiert ein bedeutendes Beispiel preußischer Militaria aus der späten Kaiserzeit. Stationiert in Pasewalk in Pommern, gehörte dieses Regiment zu den traditionsreichsten Kavallerie-Einheiten der preußischen Armee.

Das Kürassier-Regiment Nr. 2 trug den Ehrennamen “Königin” zu Ehren der preußischen Königin und späteren deutschen Kaiserin. Die Geschichte des Regiments reicht zurück bis ins 18. Jahrhundert, und es hatte sich in zahlreichen Schlachten ausgezeichnet, darunter in den Befreiungskriegen gegen Napoleon und im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71. Um 1910, der Entstehungszeit dieses Kartuschmkastens, befand sich das Regiment in seiner Friedensgarnison in Pasewalk.

Der Kartuschkasten selbst ist aus schwarzem Lackleder gefertigt, einem Material, das sowohl praktische als auch repräsentative Funktionen erfüllte. Das Lackleder war wasserabweisend und strapazierfähig, während es gleichzeitig einen eleganten Glanz bewahrte, der dem zeremoniellen Charakter der Offiziersuniform entsprach. Die vergoldeten Auflagen zeigen den preußischen Adler über Trophäen - ein klassisches Motiv der preußischen Militärikonographie, das Macht und militärische Tugend symbolisierte.

Besonders bemerkenswert sind die flammenden Granaten an den Seiten, ein traditionelles Symbol der Artillerie und Grenadiere, das auch von Kavallerie-Einheiten getragen wurde. Diese heraldischen Elemente waren streng nach den Uniformierungsvorschriften der preußischen Armee gestaltet, die in den “Bekleidungsvorschriften” und “Adjustierungsreglements” minutiös festgelegt waren.

Die Papiervignette “Kronprinzen” auf der Rückseite deutet auf eine besondere Provenienz hin. Kronprinz Wilhelm von Preußen (1882-1951), der älteste Sohn Kaiser Wilhelms II., war als Thronfolger des Deutschen Reiches eine zentrale Figur des kaiserlichen Militärwesens. Er bekleidete verschiedene militärische Ränge und Ehrenstellungen und war bekannt für seine Sammlung militärischer Ausrüstungsgegenstände und Uniformen.

In der preußischen Armee um 1910 spielten Offiziere der Kürassiere eine besondere Rolle. Als schwere Kavallerie galten die Kürassiere als Elite-Einheit, deren Offiziere aus dem preußischen Adel und dem gehobenen Bürgertum stammten. Die Ausstattung eines Offiziers war kostspielig und musste größtenteils privat beschafft werden. Ein solcher Kartuschkasten wurde von spezialisierten Hoflieferanten oder renommierten Militäreffektenhändlern angefertigt.

Der außergewöhnlich gute Erhaltungszustand dieses Exemplars - “nur minimal getragen” - ist bemerkenswert und lässt darauf schließen, dass es hauptsächlich zu zeremoniellen Anlässen getragen wurde. In der wilhelminischen Ära waren militärische Paraden, Kaisermanöver und Hofzeremonien wichtige gesellschaftliche Ereignisse, bei denen die prunkvollen Uniformen der Offiziere ihre volle Wirkung entfalteten.

Die Funktion des Kartuschmkastens hatte sich bis 1910 weitgehend von seiner ursprünglichen praktischen Verwendung zur Aufbewahrung von Munition zu einem rein dekorativen Element entwickelt. Während in früheren Jahrhunderten Kartuschen tatsächlich Patronen für Vorderladerwaffen enthielten, war der Kartuschkasten in der Zeit der Repetiergewehre und automatischen Waffen zu einem traditionellen Bestandteil der Paradeuniform geworden.

Das Jahr 1910 markiert eine bedeutende Epoche in der preußisch-deutschen Militärgeschichte. Das Deutsche Reich stand auf dem Höhepunkt seiner Macht, nur wenige Jahre vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914. Die prachtvolle Ausstattung der Offiziere spiegelte das Selbstbewusstsein und die Repräsentationskultur des Kaiserreichs wider. Die Kürassier-Regimenter würden bereits in den ersten Kriegsmonaten schwere Verluste erleiden, da die moderne Kriegsführung mit Maschinengewehren und Artillerie die traditionellen Kavallerie-Taktiken obsolet machte.

Solche Objekte sind heute wichtige historische Quellen für die Erforschung der preußischen Militärkultur, der handwerklichen Traditionen der Militäreffekten-Herstellung und der gesellschaftlichen Bedeutung des Militärs im Kaiserreich. Sie dokumentieren nicht nur technische und ästhetische Aspekte, sondern auch die soziale Hierarchie und das Standesbewusstsein der wilhelminischen Epoche.

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