Preußen Uniform-Ensemble für den Einjährig Freiwillig Gefreiten «Everling» im Königs-Ulanen-Regiment (1. Hannoversches) Nr. 13, 3. Eskadron

Standort Hannover, um 1910. Das Ensemble bestehend aus: 
Tschapka, Ulanka, Parade-Bandolier mit Kartuschkasten, Passgürtel und Kavallerie-Extradegen.
· Die Leder-Tschapka ein Eigentumsstück zur Parade, komplett mit allen Beschlägen. Vorne der besondere Adler für das Regiment mit dem mitgeprägtem Ehren-Bandeau «Peninsula - Waterloo - Garzia-Hernandez» in Offiziersqualität "frostig versilbert" und mit durchbrochen gearbeiteter Krone, der aufgelegte Gardestern in Mannschafts-Ausführung. Gewölbte vergoldete Schuppenketten an Knopf 91 an Rosetten, rechts die Reichskokarde. Der Vierkant mit der weißen Paraderabatte. Komplett mit der weißen Fangschnur für Mannschaften, dem Feldzeichen und dem Paradebusch aus Rosshaar in der Ausführung für Unteroffiziere. Innen mit braunem Lederschweißband und braunem Ripsfutter, in der Glocke handschriftlich die Größe «58».
·Die Ulanka aus dunkelblauem Tuch mit weißem Stehkragen und Ärmelaufschlägen, weiße Vorstöße, vernickelte Knöpfe. Am Kragen die kleinen Gefreiten-Knöpfe, auf den Schultern die Mannschafts-Epauletten mit der Chiffre «♔WRII», Knöpfe der 3. Eskadron. Die Ärmelaufschläge, der Stehkragen und die Epauletten in der Zeit "geweißt". Innen mit schwarzem Seidenfutter, im Schulterbereich das Trägeretikett «Ulan Everling 3. Eskadron Königs Ulanen-Regt. Nr. 13». Wenige kleine teils reparierte Mottenschäden. 
·Der Passgürtel aus weißem und blauem Tuch, komplett mit der Schließe, auf der Innenseite mit schwarzem Tuch gefüttert, das weiße Tuch ebenfalls "geweißt".
·Das Bandelier aus Leder, außen geweißt, komplett mit dem besonderen Kartuschkasten aus schwarzem Lackleder mit aufgelegtem gekrönten Monogramm "♔WRII". 
·Der Kavallerie Extradegen (KD) 89 mit einer ca. 2 cm breiten und 83.3 cm langen Steckrückenklinge von «W.K&C», vernickelter Klappkorb mit dem preußischen Adler, Kautschukgriff, anhängend der Eigentums-Faustriemen der 3. Eskadron (!). Schwarz lackierte Stahlscheide mit einem Ringband und beweglichem Tragering. 

Ein sehr schönes Ensemble! Die Söhne der gut situierten Bürgerschaft waren nur schwer von einem Dienst beim Militär zu überzeugen, da diese zumeist eine Ausbildung im elterlichen Betrieb machten und diesen auch teilweise übernahmen. Um diesem Umstand entgegenzuwirken, wurde die spezielle Position des "Einjährig Freiwilligen" geschaffen. Damit waren nicht nur bestimmte Privilegien verbunden, sondern auch ganz konkret reichte die Qualität der Uniformen oft an die der Offiziere heran. Einige der Einjährig Freiwilligen wurden in ihrem Dienst auch zum Gefreiten befördert und einige blieben auch und strebten eine Karriere als Offizier an.


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7.900,00

Preußen Uniform-Ensemble für den Einjährig Freiwillig Gefreiten «Everling» im Königs-Ulanen-Regiment (1. Hannoversches) Nr. 13, 3. Eskadron

Das vorliegende Uniform-Ensemble des Königs-Ulanen-Regiments (1. Hannoversches) Nr. 13 verkörpert die militärische Pracht und die gesellschaftlichen Besonderheiten des späten Kaiserreichs um 1910. Es gehörte einem Einjährig Freiwilligen Gefreiten namens Everling der 3. Eskadron und dokumentiert eine einzigartige Institution des preußisch-deutschen Militärwesens.

Das Königs-Ulanen-Regiment Nr. 13 wurde 1866 nach der Annexion Hannovers durch Preußen aus dem ehemaligen hannoverschen Garde-Ulanen-Regiment formiert. Mit Standort in Hannover trug das Regiment stolz die Traditionsnamen der britisch-hannoverschen Armee auf seinem Tschapka-Adler: “Peninsula – Waterloo – Garcia-Hernandez”. Diese Ehrenbezeichnungen erinnerten an die Teilnahme hannoverscher Truppen an den napoleonischen Kriegen, insbesondere an der Schlacht bei Waterloo 1815 und dem dramatischen Kavallerie-Angriff bei Garcia-Hernandez 1812, wo hannoversche Dragoner erfolgreich französische Infanterieformationen durchbrachen.

Die besondere Stellung des Besitzers als Einjährig-Freiwilliger bedarf näherer Erläuterung. Diese Institution wurde in Preußen bereits 1814 eingeführt und im Wehrgesetz von 1888 für das gesamte Deutsche Reich standardisiert. Junge Männer mit höherer Schulbildung (mindestens Abitur oder Obersekundarreife) konnten anstelle des regulären zweijährigen Militärdienstes nur ein Jahr dienen. Die Voraussetzungen waren streng: Sie mussten sich selbst ausrüsten, verpflegen und waren verpflichtet, ihre Uniform in Offiziersqualität auf eigene Kosten anzuschaffen. Dies bedeutete erhebliche finanzielle Belastungen für die Familie – die Kosten konnten 2000 bis 3000 Mark betragen, etwa das Jahresgehalt eines Arbeiters.

Die Tschapka (polnische Bezeichnung für die quadratische Ulanenmütze) zeigt alle charakteristischen Merkmale der preußischen Ulanen-Kopfbedeckung. Der besondere Regimentsadler in Offiziersqualität mit frostiger Versilberung und durchbrochener Krone sowie das integrierte Ehrenbandeau dokumentieren den Stolz auf die britisch-hannoversche Tradition. Der aufgelegte Gardestern in Mannschaftsausführung weist auf die historische Verbindung zur hannoverschen Garde hin. Die weißen Rosshaarbüsche und Fangschnüre entsprachen der Allerhöchsten Kabinetts-Order vom 3. Februar 1899, die das Erscheinungsbild der Ulanen-Regimenter detailliert regelte.

Die Ulanka, die charakteristische Ulanenjacke polnischen Ursprungs, zeigt die Regimentsfarben: dunkelblaues Tuch mit weißem Kragen und Ärmelaufschlägen. Die Chiffre “WRII” auf den Epauletten steht für König Wilhelm II. von Württemberg, der seit 1891 Chef des Regiments war – eine typische Praxis, durch die deutsche Fürstenhäuser miteinander verbunden wurden. Die kleinen Gefreiten-Knöpfe am Kragen dokumentieren die Beförderung Everlings während seines Dienstes. Die Tatsache, dass die weißen Teile “geweizt” wurden, zeigt die intensive Pflege: Das Weißen mit Kreide oder speziellen Substanzen war notwendig, um die repräsentative Erscheinung zu erhalten.

Das Parade-Bandolier mit dem Kartuschkasten aus schwarzem Lackleder und aufgelegtem Monogramm sowie der Passgürtel aus weiß-blauem Tuch komplettieren die Paradeuniform. Diese Ausrüstungsstücke wurden nach der Uniformierungs-Vorschrift von 1899 getragen und dienten bei Paraden und feierlichen Anlässen.

Der Kavallerie-Extradegen Modell 1889 (KD 89) war die Standardwaffe für Kavallerie-Unteroffiziere und -Mannschaften. Die Klinge des renommierten Solinger Herstellers “W.K&C” (Weyersberg, Kirschbaum & Cie.) hatte eine Länge von 83,3 cm. Der vernickelte Klappkorb mit preußischem Adler und der Kautschukgriff entsprachen dem funktionalen Design dieser Periode. Der anhängende Faustriemen der 3. Eskadron ist besonders bemerkenswert, da solche personalisierten Ausrüstungsstücke selten erhalten blieben.

Die gesellschaftliche Bedeutung der Einjährig-Freiwilligen kann nicht überschätzt werden. Sie bildeten eine Brücke zwischen Bürgertum und Offizierskorps im wilhelminischen Deutschland. Viele strebten nach ihrem Dienstjahr die Reserveoffizierslaufbahn an, was erhebliches soziales Prestige bedeutete. Die Beförderung zum Gefreiten während des einjährigen Dienstes, wie bei Everling geschehen, war ein Zeichen besonderer Leistung und erhöhte die Chancen auf eine spätere Offiziersernennung erheblich.

Das Regiment selbst war tief in der hannoverschen Gesellschaft verwurzelt. Nach der preußischen Annexion 1866 gelang es, die lokale Identität mit preußischer Militärtradition zu verschmelzen. Die Ulanen galten als Elite der Kavallerie – ihre Aufgabe war Aufklärung, Verfolgung und spektakuläre Schauauftritte bei Paraden. Kaiser Wilhelm II., selbst begeisterter Militarist, legte großen Wert auf die prachtvolle Erscheinung seiner Kavallerie-Regimenter.

Dieses Ensemble dokumentiert somit mehrere historische Dimensionen: die Integration Hannovers in Preußen-Deutschland, die Klassenstrukturen des Kaiserreichs, die militärische Prachtentfaltung der wilhelminischen Ära und die persönliche Geschichte eines jungen Mannes aus gutem Hause, der seine Wehrpflicht in privilegierter Form erfüllte und dabei militärische Anerkennung fand.