WHW / Winterhulp - Belgien - Streichholzbriefchen Saint Martin

Nr. 005 b, Vendu au benefice du Secours d'Hiver, Hersteller : Union Allumettiere S.A. Bruxelles, unbenutzt und im guten Zustand.
Preis pro Stück :
299699
5,00

WHW / Winterhulp - Belgien - Streichholzbriefchen Saint Martin

Winterhilfswerk-Streichholzbriefchen aus Belgien: Das Motiv des Heiligen Martin

Das vorliegende Streichholzbriefchen mit der Darstellung des Heiligen Martin ist ein faszinierendes Zeugnis der deutschen Besatzungspolitik in Belgien während des Zweiten Weltkriegs. Es wurde von der Union Allumettière S.A. Bruxelles hergestellt und mit dem Aufdruck “Vendu au bénéfice du Secours d'Hiver” (Verkauft zugunsten der Winterhilfe) versehen.

Das Winterhilfswerk (WHW) wurde ursprünglich 1933 im nationalsozialistischen Deutschland als Wohlfahrtsorganisation gegründet. Nach der Besetzung Belgiens im Mai 1940 führten die deutschen Behörden dieses System auch in den besetzten Gebieten ein. In Belgien firmierte die Organisation unter der französischen Bezeichnung “Secours d'Hiver” (Winterhilfe) und unter der flämischen Bezeichnung “Winterhulp”.

Die Besatzungsverwaltung nutzte das Winterhilfswerk als Instrument der Propaganda und zur Demonstration vermeintlicher “sozialer Fürsorge”. Gleichzeitig diente es der wirtschaftlichen Ausbeutung der besetzten Bevölkerung, da die Spendensammlungen faktisch Zwangscharakter hatten. Die belgische Bevölkerung stand unter erheblichem Druck, sich an den Sammlungen zu beteiligen, um nicht als “unsolidarisch” oder oppositionell zu gelten.

Streichholzbriefchen als Sammelobjekte

Streichholzbriefchen gehörten zu den zahlreichen Alltagsgegenständen, die das Winterhilfswerk gegen Spenden ausgab. Neben Abzeichen aus Metall, Holz, Porzellan und anderen Materialien wurden auch praktische Gegenstände wie Postkarten, Briefmarken und eben Streichholzbriefchen produziert. Diese Artikel waren mit propagandistischen Motiven, kulturellen Symbolen oder historischen Darstellungen versehen.

Die Wahl des Heiligen Martin von Tours als Motiv ist besonders aufschlussreich. Martin von Tours (316-397 n. Chr.) war ein römischer Soldat, der seinen Mantel mit einem frierenden Bettler teilte und später Bischof wurde. Er gilt als Symbol der christlichen Nächstenliebe und Barmherzigkeit. Die Legende des Mantelteilens passte perfekt zur propagandistischen Selbstdarstellung des Winterhilfswerks als karitative Organisation.

Die Serie, zu der dieses Briefchen gehört (Nr. 005 b), deutet auf eine systematische Produktion verschiedener Motive hin. Die Streichholzbriefchen wurden von etablierten belgischen Unternehmen wie der Union Allumettière S.A. hergestellt, was die Kollaboration belgischer Wirtschaftsunternehmen mit der Besatzungsmacht dokumentiert.

Historischer Kontext der deutschen Besatzung

Belgien wurde am 10. Mai 1940 von deutschen Truppen angegriffen und kapitulierte am 28. Mai 1940. Das Land stand bis September 1944 unter deutscher Militärverwaltung. Die Besatzungszeit war geprägt von wirtschaftlicher Ausbeutung, politischer Unterdrückung und der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung. Über 25.000 belgische Juden wurden deportiert und ermordet.

Das Winterhilfswerk in Belgien operierte von 1940 bis 1944. Die Sammlungen fanden hauptsächlich in den Wintermonaten statt, wobei die Bevölkerung durch verschiedene Methoden zur Teilnahme gedrängt wurde. Wer spendete, erhielt kleine Abzeichen oder Gegenstände, die öffentlich getragen oder verwendet werden sollten – auch als Nachweis der “Spendenbereitschaft”.

Sammlerwert und historische Bedeutung

Heute sind diese Streichholzbriefchen gesuchte Sammlerobjekte für Militaria- und Zeitgeschichtssammler. Sie dokumentieren einen dunklen Abschnitt der belgischen Geschichte und zeigen, wie totalitäre Regime Alltagsgegenstände für propagandistische Zwecke instrumentalisierten. Unbenutzte Exemplare in gutem Zustand sind relativ selten, da die meisten Briefchen ihrem praktischen Zweck zugeführt wurden.

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit solchen Objekten ermöglicht ein tieferes Verständnis der Mechanismen von Besatzungsherrschaft und Propaganda. Sie zeigen, wie das NS-Regime versuchte, durch scheinbar harmlose Alltagsgegenstände eine Normalisierung der Besatzung zu erreichen und die Bevölkerung in das System einzubinden.

Das Streichholzbriefchen steht exemplarisch für die Durchdringung aller Lebensbereiche durch die nationalsozialistische Ideologie und Herrschaftspraxis in den besetzten Gebieten Europas während des Zweiten Weltkriegs.

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