Buch: Die Uniformen der Deutschen Armee, 1. Abteilung

Übersichtliche und genaue Farbendarstellung der Uniformen, 24. Auflage, Verlag Von Moritz Ruhl in Leipzig, Hartkartoneinband, Leporello mit 24 Tafeln, 44 Seiten, Format: 13,1 x 20,0, Zustand 3 -
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Buch: Die Uniformen der Deutschen Armee, 1. Abteilung

Die Uniformen der Deutschen Armee – ein verlegerisches Standardwerk aus dem Hause Moritz Ruhl in Leipzig – repräsentiert eine bedeutende Kategorie militärhistorischer Publikationen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Diese Leporello-Werke, die als praktische Referenzwerke für Offiziere, Uniformschneider und militärhistorisch Interessierte konzipiert wurden, dokumentieren die komplexe Uniformlandschaft des Deutschen Kaiserreiches in einer Zeit grundlegender militärischer Modernisierung.

Der Verlag Moritz Ruhl, etabliert in Leipzig, entwickelte sich im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts zu einem der führenden Verlage für militärische Fachliteratur und Uniformdarstellungen im deutschsprachigen Raum. Leipzig war zu dieser Zeit ein Zentrum des deutschen Verlagswesens, und Ruhl erkannte die wachsende Nachfrage nach präzisen, farbigen Uniformdarstellungen in einer Epoche, in der das deutsche Militärwesen nach der Reichsgründung 1871 eine umfassende Standardisierung erfuhr.

Das vorliegende Werk in seiner 24. Auflage deutet auf die außerordentliche Popularität und Langlebigkeit dieser Publikationsreihe hin. Die hohe Auflagenzahl belegt, dass solche Werke über Jahrzehnte hinweg kontinuierlich aktualisiert und nachgedruckt wurden, um den ständigen Veränderungen in der Uniformierung Rechnung zu tragen. Die Erste Abteilung konzentrierte sich üblicherweise auf die Infanterie und die grundlegenden Truppenteile der Armee, während weitere Abteilungen Kavallerie, Artillerie und Spezialtruppen behandelten.

Die Leporello-Form – eine ziehharmonikaartig gefaltete Bindung – war eine besonders praktische Darstellungsweise für Uniformtafeln. Sie ermöglichte das vollständige Ausbreiten aller Tafeln gleichzeitig, was den direkten Vergleich verschiedener Uniformen erleichterte. Die 24 Tafeln zeigten typischerweise die verschiedenen Waffengattungen, Rangabzeichen, Kopfbedeckungen und die charakteristischen Unterscheidungsmerkmale der einzelnen Regimenter und Korps.

Die deutsche Armee des Kaiserreichs zeichnete sich durch eine bemerkenswerte Uniformvielfalt aus. Nach der Reichsgründung existierten weiterhin die Kontingente der Einzelstaaten – Preußen, Bayern, Sachsen, Württemberg und die kleineren Staaten – die jeweils ihre eigenen Uniformtraditionen pflegten. Die preußische Armee dominierte zwar zahlenmäßig und organisatorisch, aber die süddeutschen Kontingente behielten ihre charakteristischen Uniformmerkmale bei. Diese Vielfalt machte präzise Uniformdarstellungen unerlässlich.

Die Farbdarstellungen in solchen Werken waren von besonderer Bedeutung, da Farben im Militärwesen des 19. Jahrhunderts eine zentrale Rolle spielten. Die Waffenfarben – etwa Weiß für Infanterie, Gelb für Kavallerie, Rot für Artillerie – sowie die verschiedenen Regimentsfarben an Kragen, Aufschlägen und Schulterklappen dienten der schnellen Identifikation von Truppenzugehörigkeit und Rang. Die lithographischen Druckverfahren, die bei solchen Publikationen zum Einsatz kamen, ermöglichten eine relativ präzise Farbwiedergabe.

Der begleitende 44-seitige Textteil ergänzte die visuellen Darstellungen mit detaillierten Beschreibungen, Tragevorschriften und historischen Erläuterungen. Diese Texte basierten auf offiziellen Uniformierungsvorschriften und Armeeverordnungen, die vom Kriegsministerium herausgegeben wurden. Sie enthielten typischerweise genaue Angaben zu Materialien, Schnittmustern, Knopfanordnungen und den spezifischen Unterscheidungsmerkmalen einzelner Regimenter.

Solche Uniformwerke dienten mehreren Zwecken: Sie waren praktische Nachschlagewerke für aktive Offiziere, die die Uniformen anderer Einheiten identifizieren mussten; sie unterstützten Uniformschneider und Ausrüster bei der korrekten Anfertigung; und sie befriedigten das wachsende öffentliche Interesse an militärischen Angelegenheiten in einer Zeit ausgeprägten Militarismus. Die wilhelminische Ära war geprägt von einer starken Militarisierung der Gesellschaft, in der Uniformen hohes Prestige genossen.

Die Uniformen selbst wandelten sich im Betrachtungszeitraum erheblich. Die traditionellen, farbenprächtigen Paradeuniformen des 19. Jahrhunderts mit Pickelhauben, bunten Litzen und glänzenden Knöpfen standen zunehmend im Kontrast zu den Erfordernissen moderner Kriegführung. Die Erfahrungen der Kolonialkriege und schließlich des Ersten Weltkrieges führten zur Einführung feldgrauer, praktischerer Uniformen. Werke wie das vorliegende dokumentieren diese Übergangszeit zwischen Tradition und Moderne.

Der Hartkartoneinband in Verbindung mit dem handlichen Format von 13,1 x 20,0 cm machte das Werk strapazierfähig und transportabel – wichtige Eigenschaften für ein militärisches Nachschlagewerk. Diese Publikationen wurden nicht nur in Deutschland verwendet, sondern fanden auch international Beachtung bei Militärattachés, ausländischen Offizieren und Militärhistorikern, die sich mit der deutschen Armee befassten.

Heute sind solche Uniformwerke wertvolle Quellen für die militärhistorische Forschung, für Museen, Sammler und Uniformrekonstrukteure. Sie bieten authentische, zeitgenössische Darstellungen und ergänzen fotografische Quellen, die oft keine Farbinformationen liefern. Als Dokumente ihrer Zeit spiegeln sie nicht nur militärische Realitäten wider, sondern auch die gesellschaftliche Bedeutung des Militärs im Deutschen Kaiserreich.