Freistaat Preußen/III. Reich Feuerwehrehrenzeichen bis 1936
Das Feuerwehrehrenzeichen des Freistaats Preußen und des Dritten Reichs stellt ein bedeutendes Zeugnis der deutschen Feuerwehrgeschichte in der Übergangszeit zwischen Weimarer Republik und NS-Herrschaft dar. Diese hochovale Stecknadel mit der Umschrift “Für Verdienste um das Feuerlöschwesen” dokumentiert die Kontinuität und gleichzeitige Transformation staatlicher Auszeichnungspraxis während einer der turbulentesten Perioden der deutschen Geschichte.
Die preußische Feuerwehrauszeichnung wurde ursprünglich am 22. November 1928 durch den preußischen Ministerpräsidenten Otto Braun gestiftet. In der Weimarer Republik sollte sie ehrenamtlich tätige Feuerwehrleute für ihre langjährigen Verdienste ehren. Das Abzeichen wurde in drei Stufen verliehen: nach 25, 40 und 50 Dienstjahren. Die Ausführung in Silber 900, hergestellt von der Preußischen Staatsmünze in Berlin, bezeugt die hohe handwerkliche Qualität staatlicher Auszeichnungen dieser Zeit.
Nach der Machtergreifung 1933 unterlag das gesamte deutsche Feuerwehrwesen einer umfassenden Neuorganisation im Sinne der nationalsozialistischen Gleichschaltung. Das preußische Innenministerium, nun unter Kontrolle der NSDAP, behielt zunächst die bestehenden Ehrenzeichen bei, versah sie jedoch mit dem Hakenkreuz als zentralem Symbol der neuen Herrschaft. Diese Praxis war typisch für die NS-Politik, die einerseits Traditionen instrumentalisierte, andererseits aber durch ihre Symbolik eine ideologische Neuausrichtung erzwang.
Die Umschrift “Für Verdienste um das Feuerlöschwesen” blieb unverändert und betonte die fachliche Komponente der Auszeichnung. Das Feuerlöschwesen hatte in Deutschland eine lange Tradition kommunaler Selbstorganisation, die auch in der NS-Zeit zunächst formal bestehen blieb. Allerdings erfolgte parallel eine straffe zentrale Organisation unter der Leitung des Reichsführers SS Heinrich Himmler, der ab 1936 auch die Befehlsgewalt über die deutsche Feuerwehr erhielt.
Das Jahr 1936 markiert eine entscheidende Zäsur: Mit dem Gesetz über das Feuerlöschwesen vom 23. November 1938 (vorbereitet ab 1936) wurde die Feuerwehr zur “Feuerschutzpolizei” umorganisiert und vollständig in den Polizeiapparat des NS-Staates integriert. Damit endete die Ära der preußischen Feuerwehrehrenzeichen in ihrer bisherigen Form. Neue reichseinheitliche Auszeichnungen traten an ihre Stelle, die nun explizit nationalsozialistische Symbolik trugen und nicht mehr auf preußische Traditionen verwiesen.
Die Prägung durch die Preußische Staatsmünze erfolgte in der traditionsreichen Berliner Einrichtung Unter den Linden, die seit 1750 bestand und für die Herstellung von Münzen, Medaillen und staatlichen Auszeichnungen zuständig war. Die Kennzeichnung “Silber 900 Fein” entspricht einem Silbergehalt von 90 Prozent und war der Standard für hochwertige staatliche Ehrenzeichen. Diese Materialangabe garantierte die Wertigkeit und sollte Fälschungen erschweren.
Die hochovale Form des Abzeichens war charakteristisch für preußische Auszeichnungen und unterschied sich von den runden oder kreuzförmigen Ehrenzeichen anderer deutscher Staaten. Als Steckabzeichen konzipiert, konnte es an der Uniform oder Zivilkleidung getragen werden, wobei die Tragevorschriften genau regelten, an welcher Position und zu welchen Anlässen das Ehrenzeichen zu tragen war.
Aus heutiger Sicht sind solche Auszeichnungen wichtige zeitgeschichtliche Dokumente. Sie zeigen exemplarisch, wie das NS-Regime bestehende Institutionen und Traditionen übernahm und für seine Zwecke umformte. Das Feuerwehrehrenzeichen mit Hakenkreuz ist Zeugnis sowohl für die Kontinuität kommunaler Strukturen als auch für deren ideologische Vereinnahmung. Sammler und Historiker bewerten solche Objekte nicht nach ihrer ursprünglichen Funktion als Auszeichnung, sondern als materielle Quellen zur Erforschung der NS-Zeit und ihrer Mechanismen der Herrschaftssicherung.
Die Erhaltung in Zustand 2 bedeutet, dass das Stück nur geringfügige Gebrauchsspuren aufweist und damit ein gut erhaltenes Beispiel dieser Auszeichnungsgruppe darstellt, das sowohl die handwerkliche Qualität als auch die historischen Besonderheiten der Übergangszeit zwischen 1933 und 1936 dokumentiert.