Einsatz im Osten - Gedenkblatt von Otto Tiemann,

Hefter aus Pappe mit 12 Seiten, Deckblatt mit Truppenkennzeichnung der 93. Division, "Dieses Gedenkblatt widme ich den Soldaten der 93. Division... Weihnacht 1941, Tiemann. Abbildung des Generals Otto Tiemann (12.02.1890-20.04.1952, deutscher Offizier, zuletzt General der Pioniere im Zweiten Weltkrieg), mit Zeichnungen und 5 farbigen Karten der Einsatzgebiete in Russland rund um den Finnischen Busen. Deckblatt mit handschriftlichen Zusatz: ab 1/12 41 S-A Division " Feldherrnhalle" Panzerkorps. Sehr selten, da nur in sehr kleiner Auflage erschienen, Zustand 2-
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300,00

Einsatz im Osten - Gedenkblatt von Otto Tiemann,

Das vorliegende Gedenkblatt "Einsatz im Osten" stellt ein außergewöhnliches zeitgenössisches Dokument aus dem Zweiten Weltkrieg dar, das von General Otto Tiemann zur Weihnachtszeit 1941 für die Soldaten der 93. Infanterie-Division geschaffen wurde. Solche Gedenkblätter gehören zu einer besonderen Kategorie militärischer Erinnerungsstücke, die während des Krieges in limitierter Auflage für bestimmte Truppenverbände hergestellt wurden.

General Otto Tiemann (12. Februar 1890 - 20. April 1952) war ein hochrangiger deutscher Offizier, der im Zweiten Weltkrieg den Rang eines Generals der Pioniere erreichte. Seine militärische Laufbahn begann bereits im Ersten Weltkrieg, und er entwickelte sich zu einem anerkannten Spezialisten für Pioniertruppen und technische Einheiten. Das von ihm geschaffene Gedenkblatt dokumentiert einen bedeutenden Abschnitt seiner Kommandozeit an der Ostfront.

Die 93. Infanterie-Division wurde im Herbst 1939 aufgestellt und war während des Unternehmens Barbarossa, dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion ab Juni 1941, im Nordabschnitt der Ostfront eingesetzt. Die Division kämpfte im Bereich der Heeresgruppe Nord und war an den Operationen rund um den Finnischen Meerbusen beteiligt. Die im Gedenkblatt enthaltenen farbigen Karten dokumentieren genau diese Einsatzgebiete in Nordrussland, einer Region, die durch extreme klimatische Bedingungen und schwierige Geländeverhältnisse geprägt war.

Der Winter 1941/42 markierte einen Wendepunkt im deutsch-sowjetischen Krieg. Die deutschen Truppen, die im Sommer mit einem schnellen Sieg gerechnet hatten, sahen sich nun einem erbitterten Widerstand und katastrophalen Wetterbedingungen gegenüber. Gedenkblätter wie dieses wurden oft gerade zu Weihnachten herausgegeben, um den Soldaten in der Fremde einen Bezugspunkt zur Heimat zu geben und den Zusammenhalt der Truppe zu stärken.

Besonders bemerkenswert ist der handschriftliche Zusatz auf dem Deckblatt, der auf die Umwandlung der Division ab dem 1. Dezember 1941 in die "S-A Division Feldherrnhalle" hinweist. Die Division "Feldherrnhalle" war eine von mehreren Divisionen, die aus SA-Einheiten formiert wurden. Diese Umstrukturierung zeigt die sich verändernde Organisation der Wehrmacht im Verlauf des Krieges und die zunehmende Integration von Parteiformationen in die regulären Streitkräfte.

Die künstlerische Gestaltung solcher Gedenkblätter war typisch für die Zeit. Oft enthielten sie Zeichnungen, Karten und Grafiken, die von Soldaten mit künstlerischen Fähigkeiten oder beauftragten Illustratoren erstellt wurden. Die fünf farbigen Karten in diesem Exemplar sind von besonderem historischem Wert, da sie die konkreten Operationsgebiete dokumentieren und damit wichtige geografische Informationen über die Kriegsführung im Nordabschnitt der Ostfront liefern.

Die limitierte Auflage solcher Gedenkblätter macht sie heute zu seltenen Sammlerstücken. Im Gegensatz zu offiziellen militärischen Publikationen wurden diese Hefte meist nur in kleiner Stückzahl für die Angehörigen einer bestimmten Division oder eines Regiments produziert. Viele gingen durch die Kriegsereignisse, Vertreibung oder bewusste Vernichtung nach Kriegsende verloren.

Die Pappbindung und die Gestaltung als zwölfseitiger Hefter entsprechen den materiellen Möglichkeiten und praktischen Anforderungen der Kriegszeit. Trotz der angespannten Versorgungslage wurde Wert darauf gelegt, solche Erinnerungsstücke zu schaffen, was ihre Bedeutung für die Moral und den Korpsgeist unterstreicht.

Aus historischer Perspektive bieten solche Dokumente wertvolle Einblicke in die Selbstwahrnehmung der Wehrmacht, die Propaganda-Strategien und die Alltagsrealität der Soldaten. Sie dokumentieren, wie militärische Führung versuchte, durch symbolische Gesten und gemeinsame Erinnerungsstücke den Zusammenhalt unter extremen Bedingungen aufrechtzuerhalten.

Die Erwähnung des Panzerkorps im handschriftlichen Zusatz deutet auf die taktische Unterstellung der Division hin. Während des Zweiten Weltkriegs wurden Infanteriedivisionen je nach operativen Erfordernissen verschiedenen Korps und Armeen unterstellt, was sich in der Dokumentation wie diesem Gedenkblatt widerspiegelt.

Heute sind solche Gedenkblätter wichtige Quellen für die Militärgeschichtsforschung. Sie ergänzen offizielle Kriegstagebücher und Berichte durch die persönliche und emotionale Dimension des Kriegserlebnisses und dokumentieren, wie militärische Einheiten ihre Geschichte und Identität konstruierten und pflegten.