Elastolin - Kriegsmarine 2 Matrosen in weißer Uniform marschierend
Die vorliegenden Elastolin-Figuren zweier marschierender Matrosen der Kriegsmarine in weißer Uniform repräsentieren ein faszinierendes Kapitel der deutschen Spielzeug- und Militärgeschichte des 20. Jahrhunderts. Mit einer Höhe von 7 cm gehören diese Figuren zur klassischen Standardgröße der Elastolin-Produktion und befinden sich in einem sehr guten Erhaltungszustand (Zustand 2).
Die Firma O. & M. Hausser aus Ludwigsburg begann bereits in den 1920er Jahren mit der Produktion von Massefiguren unter dem Markennamen Elastolin. Das Material, eine Mischung aus Sägemehl, Leim, Kasein und anderen Bindemitteln, ermöglichte eine detaillierte Modellierung und war gleichzeitig robuster als das traditionelle Bleispielzeug. Die Figuren wurden über Drahtgestelle gefertigt, die ihnen Stabilität verliehen. In den 1930er Jahren entwickelte sich Elastolin zum führenden Hersteller von Militärfiguren in Deutschland.
Die dargestellte weiße Uniform der Kriegsmarine besitzt eine besondere historische Bedeutung. Sie wurde als Sommeruniform oder Tropenuniform getragen und kam in wärmeren Klimazonen sowie bei besonderen Anlässen zum Einsatz. Die weiße Marineuniform hatte in der deutschen Marine eine lange Tradition, die bis zur Kaiserlichen Marine zurückreichte. Nach der Kriegsmarine-Bekleidungsvorschrift von 1935 war die weiße Uniform für Mannschaften und Unteroffiziere in den Sommermonaten und in Überseegebieten vorgeschrieben.
Die Kriegsmarine, 1935 nach der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht offiziell gegründet, war die Seestreitmacht des Deutschen Reiches von 1935 bis 1945. Sie löste die Reichsmarine der Weimarer Republik ab und wurde zunächst unter Großadmiral Erich Raeder und später unter Karl Dönitz aufgebaut. Die Uniformierung folgte strengen Reglementen, wobei zwischen verschiedenen Anzugsarten für unterschiedliche Dienstverrichtungen und Jahreszeiten unterschieden wurde.
Die Darstellung marschierender Matrosen in der Spielzeugproduktion spiegelte die gesellschaftliche Bedeutung der Marine im Deutschland der 1930er und 1940er Jahre wider. Die Kriegsmarine genoss hohes Ansehen, und maritime Themen waren in der Populärkultur weit verbreitet. Elastolin produzierte eine umfangreiche Serie von Marinefiguren, darunter verschiedene Dienstgrade, Tätigkeiten und Uniformvarianten.
Die Produktionstechnik von Elastolin war für ihre Zeit bemerkenswert fortschrittlich. Die Figuren wurden in Formen gegossen, nach dem Trocknen bemalt und mit Uniformdetails versehen. Die Bemalung erfolgte häufig in Handarbeit, was jede Figur zu einem kleinen Unikat machte. Die Farbgebung orientierte sich an den tatsächlichen Uniformvorschriften der Wehrmacht und Kriegsmarine, wobei künstlerische Freiheiten bei der Vereinfachung für den Maßstab genommen wurden.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Produktion ziviler Spielwaren zunehmend eingeschränkt. Elastolin musste einen Teil seiner Produktionskapazitäten für kriegswichtige Güter umstellen. Dennoch wurden weiterhin Militärfiguren hergestellt, die sowohl als Spielzeug als auch zu Propagandazwecken und für militärische Planspiele Verwendung fanden. Nach 1945 stellte die Firma unter alliierter Kontrolle zunächst keine Militärfiguren mehr her.
Heute sind Elastolin-Figuren begehrte Sammlerobjekte, die einen wichtigen Platz in der Geschichte des deutschen Spielzeugs einnehmen. Sie dokumentieren nicht nur die handwerkliche Qualität der damaligen Spielzeugproduktion, sondern auch die militärhistorischen Details der Uniformierung und Ausrüstung. Figuren in gutem Erhaltungszustand, insbesondere solche mit vollständiger Bemalung und ohne Beschädigungen, erzielen auf dem Sammlermarkt beachtliche Preise.
Die kulturhistorische Bedeutung dieser Objekte liegt in ihrer Funktion als Zeitdokumente. Sie zeigen, wie militärische Themen in die Alltagskultur und Kinderwelt integriert wurden und spiegeln die gesellschaftlichen Werte und Prioritäten ihrer Entstehungszeit wider. Für die militärhistorische Forschung bieten sie wertvolle Einblicke in die Uniformkunde und die visuelle Darstellung militärischer Einheiten in der zeitgenössischen Populärkultur.