Königreich Italien Schießpreis der Königlichen Marine

Es handelt sich um den 2. Preis im Pistolenschießen des großen Marine-Schießwettbewerbs auf dem Flottenstützpunkt in La Spezia am 20. Mai 1912.  Große versilberte Henkelschale, seitlich die Henkelgriffe in Form von Fischen, Durchmesser 23 cm, Höhe 21 cm. Auf der Schauseite graviert der gekrönte italienische Adler vor Anker mit Umschrift "Regia Marina Gara di Tiro con la Pistola - II. Premio - La Spezia, 20. Maggio 1912" . Unbeschädigt, mit schöner Patina, Zustand 2.
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Königreich Italien Schießpreis der Königlichen Marine

Der Schießpreis der Königlichen Italienischen Marine aus dem Jahr 1912 repräsentiert eine bedeutende Epoche in der Geschichte der italienischen Seestreitkräfte, als das Königreich Italien unter König Viktor Emanuel III. seine Position als Mittelmeer- und Kolonialmacht zu festigen suchte. Diese prächtige versilberte Henkelschale wurde als zweiter Preis beim Pistolenießwettbewerb am 20. Mai 1912 auf dem Flottenstützpunkt La Spezia verliehen.

Die Regia Marina, wie die königliche italienische Marine offiziell hieß, hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine umfassende Modernisierung durchlaufen. Nach der Vereinigung Italiens 1861 war der Aufbau einer schlagkräftigen Flotte zur nationalen Priorität geworden. Bis 1912 hatte sich die Regia Marina zur viertgrößten Seemacht der Welt entwickelt, mit modernen Dreadnought-Schlachtschiffen, Kreuzern und einer wachsenden U-Boot-Flotte.

Der Marinestützpunkt La Spezia an der ligurischen Küste war seit 1861 einer der wichtigsten strategischen Häfen Italiens. Das dortige Arsenal (Arsenale Militare Marittimo) diente nicht nur als Werft und Reparaturstützpunkt, sondern auch als Ausbildungszentrum für die Marine. Die Stadt entwickelte sich zum Hauptquartier der norditalienischen Flotte und spielte eine zentrale Rolle in der maritimen Verteidigung des Landes.

Schießwettbewerbe wie der vom Mai 1912 waren integraler Bestandteil der militärischen Ausbildung und Einsatzbereitschaft. Die Pistolenschießausbildung hatte für Marineoffiziere und -unteroffiziere besondere Bedeutung, da Nahkampfsituationen bei Enteraktionen, Landungsoperationen oder der Abwehr von Meutereien durchaus denkbar waren. Die systematische Durchführung von Schießwettbewerben folgte detaillierten Reglementen, die Treffsicherheit, Schnelligkeit und Disziplin bewerteten.

Die künstlerische Gestaltung der Trophäe ist bezeichnend für die Zeit. Der gekrönte italienische Adler vor Anker vereint dynastische und maritime Symbolik. Der Savoyeradler mit der Königskrone verweist auf das Haus Savoyen, während der Anker die Seeherrschaft symbolisiert. Die Henkelgriffe in Fischform sind eine elegante Anspielung auf das maritime Element und zeigen die kunsthandwerkliche Qualität italienischer Silberschmiedearbeiten der Belle Époque.

Das Jahr 1912 markiert einen bedeutenden Moment in der italienischen Militärgeschichte. Italien befand sich im Italienisch-Türkischen Krieg (1911-1912), der zur Eroberung Libyens führte. Die Regia Marina spielte in diesem Konflikt eine entscheidende Rolle, führte Blockaden durch, unterstützte Landungsoperationen und demonstrierte erstmals den Einsatz von Flugzeugen von Schiffen aus. Die Betonung militärischer Exzellenz durch Schießwettbewerbe war Teil der Kriegsvorbereitungen und Moral-Stärkung.

Solche Ehrenpreise und Trophäen dienten mehreren Zwecken: Sie motivierten zur Leistungssteigerung, stärkten den Korpsgeist und dokumentierten militärische Exzellenz. Für die Preisträger waren sie Symbole persönlicher Ehre und beruflichen Erfolgs. Viele dieser Auszeichnungen wurden in den Offizierskasinos oder Marineclubs ausgestellt und bildeten Teil der institutionellen Erinnerungskultur.

Die Tradition militärischer Schießwettbewerbe reicht ins 19. Jahrhundert zurück, als moderne Feuerwaffen die Kriegsführung revolutionierten. Verschiedene europäische Marinen entwickelten standardisierte Ausbildungsprogramme und Wettbewerbe. Die italienische Marine orientierte sich dabei an britischen und deutschen Vorbildern, entwickelte aber eigene Traditionen und Regelwerke.

Die Gravur “Regia Marina Gara di Tiro con la Pistola - II. Premio” dokumentiert präzise den Anlass, die Disziplin und die Platzierung. Die Verwendung des italienischen Datums “20. Maggio 1912” folgt den offiziellen Konventionen der königlichen Marine. Solche Inschriften machen diese Objekte zu wertvollen historischen Quellen, die konkrete Ereignisse und militärische Praktiken dokumentieren.

Nur wenige Monate nach diesem Wettbewerb endete der Libyenkrieg mit dem Frieden von Ouchy im Oktober 1912. Die militärische Ausbildung und Kampfbereitschaft, die durch solche Wettbewerbe gefördert wurde, zahlte sich in den kommenden Jahren aus. Zwei Jahre später würde der Erste Weltkrieg ausbrechen, in dem Italien ab 1915 an der Seite der Entente kämpfte und die Regia Marina im Adriatischen Meer gegen die österreichisch-ungarische Kriegsmarine operierte.

Heute sind solche Marinepreise seltene Zeugnisse einer vergangenen Epoche. Sie dokumentieren nicht nur militärische Geschichte, sondern auch kunsthandwerkliche Traditionen, Symbolik der Monarchie und die Kultur militärischer Ehre im Königreich Italien. Der ausgezeichnete Erhaltungszustand mit “schöner Patina” unterstreicht die Qualität der ursprünglichen Verarbeitung und die sorgfältige Bewahrung über mehr als ein Jahrhundert.