Preußen 1. Weltkrieg Pickelhaube des am 6. August 1914 vor Lüttich gefallenen Kommandeur des 1. Hannoverschen Infanterie-Regiments Nr. 74 Oberst Friedrich Wilhelm Prinz zu Lippe

Eigentumsstück um 1914. Eleganter Helm aus Vulkanfiber, komplett mit allen Beschlägen. Vorne der preußische Linienadler mit dem Ehrenbanner «Waterloo». Der Adler durch einen Projektiltreffer oder Säbelhieb auf der rechten Seite beschädigt, der Bruch über die rechte Hälfte der Glocke der Pickelhaube verlaufend. Leicht gewölbte Schuppenketten aus Ersatzmaterial an Rosetten, messingfarben lackiert, beide Kokarden. Innen mit braunem Lederschweißband und olivfarbenem Seidenripsfutter. In der Glocke handschriftlich die Größe «55», in der linken Hälfte der Glocke Etikett «Helm des am 6. August 1914 vor Lüttich gefallenen Kommandanten des Inf Rgt. 74 Oberst Friedrich Wilhelm Prinz zu Lippe». Zustand 2.

Oberst Friedrich Wilhelm Prinz zu Lippe war der Regimentskommandeur vom 17. August 1913 bis zu seinem Tode 6. August 1914.Ein Helm von geschichtlich/musealer Bedeutung, der die Verluste zu Beginn des Weltkrieges deutlich veranschaulicht. 

Das 1. Hannoversche Infanterie-Regiment Nr. 74 war ein Infanterieverband der Preußischen Armee. Das Regiment wurde nach Beendigung des Deutschen Krieges und der Annexion des Königreichs Hannover durch Preußen am 26. September zum 30. Oktober 1866 errichtet. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs machte das Regiment am 2. August 1914 mobil. Als Teil der 38. Infanterie-Brigade der 19. Division marschierte das Regiment in das neutrale Belgien ein und nahm zunächst an der Eroberung von Lüttich teil. Daran schloss sich der weitere Vormarsch nach Frankreich an. In der Folge kämpfte der Verband bei St. Quentin, an der Marne und bei Reims. Während der Stellungskämpfen an der Aisne wurde das Regiment ab 28. März 1915 der 37. Infanterie-Brigade unterstellt und Ende April 1915 an die Ostfront verlegt. Hier nahm es u. a. an der Bug-Offensive teil. Mitte September 1915 folgte die kurzzeitige Rückverlegung an die Westfront und die Teilnahme an der Herbstschlacht in der Champagne. Von Mitte Oktober 1915 bis Mitte Mai 1916 kam es wieder in den Stellungskämpfen an der Aisne zum Einsatz. Das Regiment verlegte dann wieder an die Ostfront und wurde hier am 15. Juni 1916 um eine 2. und 3. MG-Kompanie erweitert. Nach Kämpfen am Stochid kehrte der Verband an die Westfront zurück und war hier bis Kriegsende im Einsatz. Dort nahm das Regiment u. a. an der Schlacht an der Aisne, den Kämpfen um Verdun, der Deutschen Frühjahresoffensive 1918, der Schlacht bei Noyon sowie den Stellungskämpfen in Lothringen und dem Rückzug von der Veslefront hinter die Aisne teil. Im Kriegsverlauf fielen rund 3100 Mann dieses Regiments.
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Preußen 1. Weltkrieg Pickelhaube des am 6. August 1914 vor Lüttich gefallenen Kommandeur des 1. Hannoverschen Infanterie-Regiments Nr. 74 Oberst Friedrich Wilhelm Prinz zu Lippe

Die Pickelhaube, eingeführt am 23. Oktober 1842 von König Friedrich Wilhelm IV. für die preußische Infanterie, entwickelte sich zu einem der bekanntesten Symbole des preußischen und deutschen Militarismus. Dieser besondere Helm gehörte Oberst Friedrich Wilhelm Prinz zu Lippe (1858-1914), einem Mitglied des fürstlichen Hauses Lippe-Biesterfeld, der als Regimentskommandeur des 1. Hannoverschen Infanterie-Regiments Nr. 74 vom 17. August 1913 bis zu seinem Tod am 6. August 1914 vor Lüttich diente.

Das 1. Hannoversche Infanterie-Regiment Nr. 74 wurde nach dem Deutschen Krieg und der Annexion des Königreichs Hannover durch Preußen am 26. September zum 30. Oktober 1866 errichtet. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs machte das Regiment am 2. August 1914 mobil. Als Teil der 38. Infanterie-Brigade der 19. Division marschierte das Regiment in das neutrale Belgien ein und nahm zunächst an der Eroberung von Lüttich teil.

Die Schlacht von Lüttich (5.-16. August 1914) war eines der ersten großen Bodengefechte des Ersten Weltkriegs, bei dem deutsche Streitkräfte das neutrale Belgien angriffen. Die deutschen Verluste beliefen sich bis zum 8. August auf etwa 5.300 Mann. In diesen frühen Kampftagen fiel Oberst Prinz zu Lippe, was die hohen Offizierverluste zu Beginn des Krieges verdeutlicht. Der sichtbare Kampfschaden am Helm – ein Projektileinschlag oder Säbelhieb auf der Adlerplatte sowie ein Bruch über die rechte Hälfte der Glocke – liefert physische Beweise für den Kampf, der sein Leben kostete.

Der Helm ist aus Vulkanfiber gefertigt, einem vulkanisierten Fasermaterial. Vor dem Ersten Weltkrieg wurden Helme aus gehärtetem (gekochtem) Leder hergestellt. Während des Krieges führte die alliierte Seeblockade zu Materialknappheit, was ab 1914-1915 zur Verwendung von Ersatzmaterialien wie vulkanisierter Faser, Pressfilz, Pappmaché, synthetischen Fasern, Kork und gestanztem Blech führte. Der Helm verfügt über messingfarbene Beschläge, wobei die leicht gewölbten Schuppenketten aus Ersatzmaterial bestehen und messingfarben lackiert sind.

Die vordere Adlerplatte zeigt den preußischen Linienadler mit dem Ehrenbandinschrift “Waterloo” – eine ehrenvolle Auszeichnung für Regimenter mit historischen Verbindungen zu Einheiten, die 1815 bei Waterloo kämpften. Der Adler ist auf der rechten Seite durch Projektileinschlag oder Säbelhieb beschädigt, wobei der Bruch über die rechte Hälfte der Helmglocke verläuft. Beide Kokarden sind vorhanden: die kaiserlich-deutsche Kokarde (schwarz-weiß-rot, eingeführt 1897) und die preußische Staatskokarde (schwarz-weiß).

Im Inneren befindet sich ein braunes Lederschweißband und olivfarbenes Seidenripsfutter. In der Glocke ist handschriftlich die Größe “55” vermerkt. In der linken Hälfte der Glocke befindet sich ein Etikett mit der Aufschrift: “Helm des am 6. August 1914 vor Lüttich gefallenen Kommandanten des Inf Rgt. 74 Oberst Friedrich Wilhelm Prinz zu Lippe”. Dieses Etikett wurde hinzugefügt, um den Helm als Gedenkstück zu dokumentieren.

Die Pickelhaube wurde im Verlauf des Ersten Weltkriegs allmählich ausgemustert. Ledermodelle wurden ab 1915 zunächst durch Ersatzmaterialien (Filz, Faser, Blech) ersetzt, dann ab 1916 durch den Stahlhelm. Nach September 1915 wurde befohlen, die Spitzen an der Front zu entfernen. Das Modell 1914/1915 der Offiziershelme zeigte vergoldete oder versilberte Metallbeschläge, wobei dieses Exemplar messingfarbene aufweist. Die M1915-Variante führte abnehmbare Spitzen und mattierte Metallkinnschuppen ein, um Offiziere weniger auffällig zu machen.

Nach den Kämpfen bei Lüttich schloss sich der weitere Vormarsch nach Frankreich an. Das Regiment kämpfte bei St. Quentin, an der Marne und bei Reims. Im Kriegsverlauf wurde das Regiment mehrfach zwischen West- und Ostfront verlegt und nahm an zahlreichen Schlachten teil, darunter die Bug-Offensive, die Herbstschlacht in der Champagne, die Schlacht an der Aisne, die Kämpfe um Verdun und die Deutsche Frühjahrsoffensive 1918. Insgesamt fielen im Kriegsverlauf rund 3.100 Mann dieses Regiments.

Nach Deutschlands Niederlage 1918 war die Pickelhaube nicht mehr Teil der Militäruniform, obwohl die Polizei sie kurzzeitig weiter verwendete, bevor sie zu Tschakos überging. Dieser besondere Helm wurde als Gedenkstück bewahrt und besitzt außergewöhnliche historische Bedeutung als Zeugnis der frühen Verluste des Ersten Weltkriegs und der hohen Opfer unter hochrangigen Offizieren.

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