Sachsen Königreich Silberne Medaille des Militär St.-Heinrich Ordens im Etui

Silber mit Stempelschneider Ulbricht "F.U.", im roten Verleihungsetui mit Aufdruck "St.Hein.Med. in Silber", am Boden Etikett von Kunath.
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500,00

Sachsen Königreich Silberne Medaille des Militär St.-Heinrich Ordens im Etui

Die Silberne Medaille des Militär-St.-Heinrich-Ordens des Königreichs Sachsen stellt eine bedeutende Auszeichnung innerhalb des sächsischen Ordenssystems dar, das zu den traditionsreichsten Ehrungen deutscher Teilstaaten im 19. und frühen 20. Jahrhundert gehörte. Diese Medaille wurde als Teil des Militär-St.-Heinrich-Ordens verliehen, der 1736 von Kurfürst Friedrich August II. (als König von Polen August III.) gestiftet wurde und nach dem heiligen Kaiser Heinrich II. benannt war, dem Schutzheiligen des Hauses Wettin.

Der Orden durchlief mehrere Reformphasen, wobei die bedeutendste Umgestaltung unter König Friedrich August I. am 14. Juni 1807 erfolgte. Bei dieser Reform wurde das Ordenssystem erweitert und modernisiert, um den gewandelten militärischen und gesellschaftlichen Anforderungen der napoleonischen Ära gerecht zu werden. Die silberne Medaille stellte dabei eine wichtige Ergänzung zu den höheren Ordensklassen dar und ermöglichte es, auch Unteroffiziere und Mannschaften für besondere Verdienste auszuzeichnen.

Das vorliegende Exemplar trägt die Signatur “F.U.”, die auf den Stempelschneider Friedrich Ulbricht verweist. Ulbricht gehörte zu den renommierten sächsischen Medailleuren des 19. Jahrhunderts, die für die Herstellung staatlicher Auszeichnungen verantwortlich waren. Die Präsenz seiner Signatur bestätigt die Authentizität und die offizielle Herkunft der Medaille aus königlich-sächsischen Werkstätten.

Besonders bemerkenswert ist das originale rote Verleihungsetui mit der Aufschrift “St.Hein.Med. in Silber”. Solche Etuis wurden speziell für die feierliche Überreichung der Auszeichnungen angefertigt und dienten zum Schutz und zur würdigen Aufbewahrung der Medaille. Die rote Farbe war charakteristisch für sächsische Orden und symbolisierte die Würde und Bedeutung der Auszeichnung. Das Etikett von Kunath am Boden des Etuis verweist auf einen der bedeutenden Lieferanten militärischer Ausrüstung und Auszeichnungen in Dresden, der als offizieller Hoflieferant für das sächsische Königshaus tätig war.

Die Verleihungskriterien für die Silberne Medaille des Militär-St.-Heinrich-Ordens waren streng geregelt. Sie wurde primär für besondere militärische Tapferkeit und herausragende Dienstleistungen verliehen, wobei insbesondere Unteroffiziere und Mannschaften in Betracht kamen. Die Auszeichnung konnte sowohl in Friedens- als auch in Kriegszeiten verliehen werden, wobei die Mehrzahl der Verleihungen naturgemäß während militärischer Konflikte erfolgte.

Das Königreich Sachsen beteiligte sich an zahlreichen militärischen Auseinandersetzungen des 19. Jahrhunderts, darunter die Befreiungskriege gegen Napoleon (1813-1815), der Deutsche Krieg von 1866 und der Deutsch-Französische Krieg (1870-1871). Während dieser Konflikte wurden zahlreiche St.-Heinrich-Medaillen verliehen. Nach der Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871 behielt Sachsen seine Souveränität in Ordensfragen bei, und der Militär-St.-Heinrich-Orden blieb eine der angesehensten sächsischen Auszeichnungen.

Im Ersten Weltkrieg (1914-1918) erfuhr die Verleihung sächsischer Militärauszeichnungen einen erheblichen Anstieg. Die sächsischen Truppen kämpften an verschiedenen Fronten, und die Tapferkeit der Soldaten wurde entsprechend gewürdigt. Die silberne Medaille des St.-Heinrich-Ordens gehörte zu den häufiger verliehenen Auszeichnungen für besondere Einzelleistungen im Kampf.

Nach dem Ende der Monarchie im November 1918 und der Abdankung König Friedrich Augusts III. wurde das sächsische Ordenssystem offiziell abgeschafft. Die bereits verliehenen Auszeichnungen durften jedoch weiterhin getragen werden, und sie blieben für ihre Träger ein Symbol ihrer militärischen Leistungen und der Anerkennung durch das Königreich Sachsen.

Heute stellen solche Medaillen mit ihren originalen Verleihungsetuis wichtige historische Artefakte dar, die nicht nur militärgeschichtlich, sondern auch kunst- und kulturhistorisch von Bedeutung sind. Sie dokumentieren die Auszeichnungspraxis deutscher Teilstaaten, die handwerkliche Qualität sächsischer Medailleure und die komplexe Hierarchie militärischer Ehrungen im deutschen Kaiserreich. Die Kombination aus authentischer Medaille, Originaletui und Herstellernachweis macht solche Ensemble zu wertvollen Zeugnissen der sächsischen Militärgeschichte.