Auszeichnungen der Warschauer Paktstaaten,
Gedacht waren diese Ordner für den Bundesgrenzschutz, sehr selten.
Das vorliegende Werk “Auszeichnungen der Warschauer Paktstaaten, Band 1, Teil 1: Auszeichnungen der Deutschen Demokratischen Republik” aus dem Jahr 1985 stellt ein bedeutendes historisches Dokument aus der Ära des Kalten Krieges dar. Dieser im Selbstverlag erschienene Kunststoffordner dokumentiert systematisch das komplexe Ordenssystem der DDR und war ursprünglich für den internen Gebrauch des Bundesgrenzschutzes (BGS) konzipiert.
Der Bundesgrenzschutz, gegründet 1951 in der frühen Bundesrepublik Deutschland, hatte unter anderem die Aufgabe, die innerdeutsche Grenze zu überwachen und zu sichern. In dieser Funktion war eine genaue Kenntnis der Uniformen, Rangabzeichen und Auszeichnungen der DDR-Grenztruppen und anderer bewaffneter Organe der Deutschen Demokratischen Republik von essentieller Bedeutung. Solche Referenzwerke dienten der Feindbildaufklärung und ermöglichten es den Grenzschutzbeamten, Personen und ihre Ränge auf der anderen Seite der Grenze korrekt zu identifizieren.
Das Ordenssystem der DDR war ein komplexes System staatlicher Auszeichnungen, das sich von der Gründung der DDR 1949 bis zu ihrer Auflösung 1990 entwickelte. Es umfasste militärische und zivile Orden, Ehrenzeichen, Medaillen und Ehrentitel. Zu den bekanntesten Auszeichnungen zählten der Karl-Marx-Orden (die höchste Auszeichnung der DDR, gestiftet 1953), der Vaterländische Verdienstorden in Gold, Silber und Bronze, sowie der Ernst-Thälmann-Preis. Im militärischen Bereich waren der Scharnhorst-Orden und der Orden für Verdienste im bewaffneten Kampf von besonderer Bedeutung.
Die systematische Dokumentation dieser Auszeichnungen in Originalgrößen mit farbigen Abbildungen war für Sicherheitsbehörden von hohem praktischem Wert. Die Ordnerform ermöglichte eine flexible Handhabung und Aktualisierung, da neue Auszeichnungen oder Änderungen einfach eingefügt werden konnten. Die abschnittsweise Paginierung deutet auf eine thematische Gliederung hin, möglicherweise nach Kategorien wie militärischen Orden, Verdienstorden, Kampforden oder nach chronologischer Einführung.
Die Tatsache, dass dieser Band ohne Ortsangabe (obwohl vermutlich in Bonn, dem damaligen Regierungssitz) und ohne offiziellen Verlag im Selbstverlag erschien, unterstreicht den semi-offiziellen oder vertraulichen Charakter dieser Publikation. Das Jahr 1985 fällt in eine Phase des Kalten Krieges, in der die deutsch-deutsche Teilung verfestigt schien, die Entspannungspolitik der 1970er Jahre aber bereits erste Früchte trug. Dennoch blieb die gegenseitige Beobachtung und Aufklärung eine Kernaufgabe der Sicherheitsorgane beider deutscher Staaten.
Der Warschauer Pakt, offiziell der “Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand”, wurde 1955 als militärisches Gegenbündnis zur NATO gegründet. Die Mitgliedsstaaten – neben der DDR die Sowjetunion, Polen, Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Albanien (bis 1968) – entwickelten jeweils eigene, aber oft ähnlich strukturierte Ordenssysteme, die sich an sowjetischen Vorbildern orientierten. Die geplante mehrbändige Serie sollte offenbar alle diese nationalen Systeme dokumentieren.
Die Seltenheit dieser Ordner erklärt sich aus mehreren Faktoren: Erstens handelte es sich um eine limitierte Auflage für den behördlichen Gebrauch, nicht für den öffentlichen Buchhandel. Zweitens dürften viele Exemplare nach dem Fall der Mauer 1989 und der deutschen Wiedervereinigung 1990 als obsolet betrachtet und entsorgt worden sein. Drittens wurde der Bundesgrenzschutz 2005 in die Bundespolizei überführt, wobei vermutlich weitere Bestände ausgesondert wurden.
Aus heutiger Sicht besitzt dieses Werk mehrfachen historischen Wert: Es dokumentiert nicht nur das Auszeichnungssystem der DDR selbst, sondern auch die westdeutsche Perspektive auf den ostdeutschen Staat während des Kalten Krieges. Es zeigt, mit welcher Akribie westliche Sicherheitsbehörden die Strukturen und Symbole des ideologischen Gegners studierten. Für Militärhistoriker, Phaleristen (Ordensforscher) und Sammler von Militaria stellt es eine wertvolle Primärquelle dar.
Der gute Erhaltungszustand (Zustand 2) ist bemerkenswert für ein Gebrauchswerk, das für den praktischen Einsatz konzipiert war. Dies könnte darauf hindeuten, dass dieses spezifische Exemplar wenig benutzt wurde oder sorgfältig aufbewahrt wurde. Die Kunststoffbindung war praktisch und langlebig, typisch für behördliche Dokumentationen jener Zeit.
Zusammenfassend repräsentiert dieser Band ein faszinierendes Zeugnis der deutsch-deutschen Geschichte, der Sicherheitsarchitektur des Kalten Krieges und der systematischen Dokumentation militärischer Auszeichnungen in einer geteilten Nation.