Foto Kolonie, Angehörige der Kaiserlichen Schutztruppe
Diese historische Fotografie zeigt Angehörige der Kaiserlichen Schutztruppe in einer der deutschen Kolonien und stellt ein bedeutendes Zeugnis der deutschen Kolonialgeschichte zwischen 1884 und 1918 dar. Mit den Maßen von etwa 12 x 9 cm entspricht sie den typischen Formaten der Kontaktabzüge und Kabinettfotografien jener Epoche.
Die Kaiserliche Schutztruppe war die Bezeichnung für die militärischen Verbände des Deutschen Kaiserreichs in den überseeischen Schutzgebieten. Nach der Berliner Kongokonferenz von 1884/85 etablierte das Deutsche Reich Kolonien in Afrika, Ozeanien und Asien. Zur Sicherung dieser Gebiete wurden ab 1889 systematisch Schutztruppen aufgestellt, die dem Reichskolonialamt und später dem Reichsmarineamt unterstanden.
In Deutsch-Ostafrika (heute Tansania, Ruanda und Burundi) wurde die Schutztruppe 1891 formell etabliert, nachdem die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft ihre Hoheitsrechte an das Reich abgetreten hatte. In Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia) erfolgte die Aufstellung 1894, in Kamerun und Togo wurden ebenfalls entsprechende Einheiten gebildet. Die Schutztruppe für Deutsch-Neuguinea und die pazifischen Besitzungen war vergleichsweise klein.
Die Schutztruppen setzten sich aus einer Mischung von europäischen Offizieren und Unteroffizieren sowie einheimischen Soldaten, den sogenannten Askari, zusammen. Das Offizierskorps bestand überwiegend aus Angehörigen der deutschen Armee, die sich für den kolonialen Dienst freiwillig meldeten. Die Motivation reichte von Abenteuerlust über Karriereambitionen bis zu finanziellen Anreizen, da der Kolonialdienst besser bezahlt wurde als der Dienst in Europa.
Die fotografische Dokumentation des kolonialen Militärwesens gewann ab den 1890er Jahren zunehmend an Bedeutung. Fotografien dienten mehreren Zwecken: Sie waren persönliche Erinnerungsstücke für die Soldaten, Propagandamaterial für die Kolonialbewegung in Deutschland und ethnographische Dokumente. Professionelle Fotografen wie Carl Gottlob Rudolf Kuhn in Deutsch-Ostafrika oder Fotografen in Windhuk und Swakopmund schufen umfangreiche fotografische Archive des kolonialen Lebens.
Solche Fotografien wurden häufig als Postkarten vervielfältigt oder in illustrierten Zeitschriften wie der “Deutschen Kolonialzeitung” oder dem “Kolonialen Jahrbuch” publiziert. Sie prägten das Bild der Kolonien in der deutschen Öffentlichkeit nachhaltig und dienten der Rechtfertigung des kolonialen Projekts.
Die Uniformierung der Schutztruppen war an die klimatischen Bedingungen angepasst. In Afrika trugen die Soldaten typischerweise khakifarbene Tropenanzüge, Tropenhüte (Korkhelme) und waren mit Gewehr 88 oder später Gewehr 98 bewaffnet. Offiziere führten zusätzlich Säbel und Revolver. Die Askari trugen oft vereinfachte Versionen der europäischen Uniformen, häufig mit lokalen Anpassungen.
Die Geschichte der Schutztruppen ist untrennbar mit den kolonialen Gewalttaten verbunden. Der Völkermord an den Herero und Nama (1904-1908) in Deutsch-Südwestafrika, bei dem schätzungsweise 65.000 bis 80.000 Herero und etwa 10.000 Nama ums Leben kamen, wurde maßgeblich von der Schutztruppe unter Generalleutnant Lothar von Trotha durchgeführt. Auch der Maji-Maji-Aufstand (1905-1907) in Deutsch-Ostafrika wurde mit brutaler Gewalt niedergeschlagen, wobei zwischen 75.000 und 300.000 Menschen starben.
Mit Beginn des Ersten Weltkriegs kämpften die Schutztruppen gegen die alliierten Kolonialmächte. Besonders bekannt wurde der Guerillakrieg von Oberst Paul von Lettow-Vorbeck in Deutsch-Ostafrika, der bis November 1918 andauerte. Nach dem Versailler Vertrag 1919 verlor Deutschland alle Kolonien, und die Schutztruppen wurden aufgelöst.
Fotografien wie diese sind heute wichtige Quellen für die historische Forschung zur deutschen Kolonialgeschichte. Sie werden in verschiedenen Archiven aufbewahrt, darunter das Bundesarchiv, das Bildarchiv der Deutschen Kolonialgesellschaft in der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main und verschiedene Regionalarchive. Die kritische Auseinandersetzung mit diesen Bildzeugnissen ist Teil der postkolonialen Aufarbeitung deutscher Geschichte.