NSKK - nichttragbare Teilnehmerplakette - " Motorbrigade Franken Nürnberg - Fränkische Jura Geländefahrt 1935 "
Die NSKK-Teilnehmerplakette zur Fränkischen Jura Geländefahrt 1935 der Motorbrigade Franken Nürnberg repräsentiert ein bedeutendes Zeugnis der nationalsozialistischen Kraftfahrorganisation im Dritten Reich. Diese nichttragbare Plakette aus Zink mit einem Durchmesser von 50 mm wurde vom renommierten Nürnberger Hersteller L.Chr.Lauer produziert und dokumentiert eine spezifische motorsportliche Veranstaltung in der Frühphase der NS-Herrschaft.
Das Nationalsozialistische Kraftfahrkorps (NSKK) wurde am 1. April 1931 als Untergliederung der SA gegründet und am 23. August 1934 zu einer eigenständigen Organisation der NSDAP erhoben. Unter der Führung von Korpsführer Adolf Hühnlein entwickelte sich das NSKK zu einer massiven Organisation mit zeitweise über 500.000 Mitgliedern. Die Hauptaufgaben umfassten die kraftfahrtechnische Ausbildung der deutschen Bevölkerung, die vormilitärische Schulung und die Förderung des Motorsports im nationalsozialistischen Sinne.
Die Motorbrigade Franken mit Sitz in Nürnberg gehörte zu den bedeutendsten regionalen Einheiten des NSKK. Nürnberg als “Stadt der Reichsparteitage” nahm eine zentrale Stellung im nationalsozialistischen Organisationsgefüge ein. Die Gliederung des NSKK in Motorbrigaden, Motorstandarten, Motorstürme und kleinere Einheiten folgte militärischen Strukturprinzipien und ermöglichte eine flächendeckende Organisation.
Die Fränkische Jura Geländefahrt von 1935 war eine typische Veranstaltung des NSKK, die mehrere Zwecke erfüllte. Solche Geländefahrten dienten primär der praktischen Fahrschulung unter erschwerten Bedingungen und bereiteten die Teilnehmer auf militärische Anforderungen vor. Das Jahr 1935 markierte eine intensive Phase der Aufrüstung und Militarisierung im Deutschen Reich. Die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht im März 1935 und der systematische Aufbau der Wehrmacht machten die vormilitärische Ausbildung zu einer Priorität.
Die Fränkische Jura als Austragungsort bot ideale Bedingungen für anspruchsvolle Geländefahrten. Die hügelige Landschaft mit ihren charakteristischen Karstformationen, unbefestigten Wegen und wechselnden Geländeverhältnissen stellte hohe Anforderungen an Fahrer und Fahrzeuge. Solche Veranstaltungen umfassten typischerweise Orientierungsfahrten, Geschicklichkeitsprüfungen und Zuverlässigkeitsfahrten über mehrere Tage.
Die vorliegende Plakette als nichttragbares Erinnerungsstück unterscheidet sich von tragbaren Auszeichnungen und Abzeichen. Während tragbare Abzeichen an der Uniform befestigt wurden, dienten nichttragbare Plaketten der persönlichen Erinnerung und wurden oft in Vitrinen oder Sammlungen aufbewahrt. Die zwei Bohrungen ermöglichten die Befestigung an einer Unterlage oder in einem Rahmen. Solche Plaketten wurden üblicherweise an alle Teilnehmer einer Veranstaltung ausgegeben, unabhängig von der erbrachten Leistung.
Der Hersteller L.Chr.Lauer aus Nürnberg zählte zu den etablierten Produzenten von Auszeichnungen, Abzeichen und Plaketten in der Zeit des Dritten Reichs. Nürnberg besaß als traditionelles Zentrum der Metallverarbeitung zahlreiche spezialisierte Betriebe für die Herstellung solcher Objekte. Die Verwendung von Zink als Material war in den 1930er Jahren üblich und ermöglichte eine kostengünstige Massenproduktion bei gleichzeitig guter Detailwiedergabe durch Druckguss- oder Prägeverfahren.
Die motorsportlichen Veranstaltungen des NSKK erfüllten auch propagandistische Funktionen. Sie demonstrierten die vermeintliche Modernität und technische Leistungsfähigkeit des NS-Regimes und dienten der Massenmobilisierung. Die Teilnahme an solchen Veranstaltungen wurde als Dienst an der “Volksgemeinschaft” dargestellt und ideologisch überhöht. Gleichzeitig förderte das NSKK systematisch den Ausbau des Straßennetzes und unterstützte die Automobilindustrie, was in direktem Zusammenhang mit den militärischen Planungen stand.
Im historischen Kontext von 1935 befand sich das NSKK in einer Phase der Expansion und Konsolidierung. Die Organisation baute ihre Strukturen aus und intensivierte die Zusammenarbeit mit der Wehrmacht. Die praktische Fahrausbildung tausender junger Männer durch das NSKK leistete einen wesentlichen Beitrag zur Kriegsvorbereitung, auch wenn dies öffentlich unter dem Deckmantel der zivilen Verkehrserziehung geschah.
Heute sind solche Plaketten wichtige historische Quellen für die Regional- und Organisationsgeschichte des Nationalsozialismus. Sie dokumentieren die Durchdringung der Gesellschaft durch NS-Organisationen bis auf die lokale Ebene und die Verbindung von Freizeitaktivitäten, Sport und militärischer Vorbereitung. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit diesen Objekten erfordert eine kritische Kontextualisierung und dient der historischen Aufklärung über die Mechanismen und Strukturen der NS-Diktatur.