Miniatur bzw. Brieföffner, Frankreich Offiziersdegen M 1882 .

Vernickelte Klinge mit Hohlkehlen, leicht gekrümmt, ohne Herstellerpunze, vierspangiges Neusilbergefäß mit schwarz lackiertem Griff, vernickelte Stahlscheide mit zwei Trageringen, anhängend ein kleines Portepee, gebraucht, aber noch gut erhalten. Zustand 2-
434906
200,00

Miniatur bzw. Brieföffner, Frankreich Offiziersdegen M 1882 .

Der französische Offiziersdegen Modell 1882 repräsentiert eine bedeutende Periode in der Entwicklung der französischen Militärausrüstung während der Dritten Republik. Nach der verheerenden Niederlage im Deutsch-Französischen Krieg von 1870-71 unternahm Frankreich umfangreiche Reformen seiner Streitkräfte, die auch die Standardisierung und Modernisierung der Offiziersausstattung umfassten.

Das Modèle 1882 wurde durch ministerielle Verordnung als Standard-Seitenwaffe für Offiziere der französischen Armee eingeführt. Dieser Degen löste frühere Modelle ab und sollte bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts im Dienst bleiben. Die Waffe zeichnete sich durch ihre charakteristische leicht gekrümmte Klinge mit Hohlkehlen aus, die sowohl funktionale als auch ästhetische Zwecke erfüllten. Die Hohlkehlen reduzierten das Gewicht der Klinge, ohne deren Festigkeit wesentlich zu beeinträchtigen.

Das vierspangige Neusilbergefäß war ein typisches Merkmal dieser Periode. Neusilber, eine Legierung aus Kupfer, Nickel und Zink, bot den Vorteil der Korrosionsbeständigkeit und eines silberähnlichen Aussehens zu geringerem Preis. Die vier Spangen des Handschutzes boten sowohl Schutz als auch eine gewisse Eleganz, die dem Rang eines Offiziers angemessen war. Der schwarz lackierte Griff war üblicherweise aus Holz gefertigt und mit Leder oder Fischhaut umwickelt, bevor er lackiert wurde.

Die Vernickelung von Klinge und Stahlscheide war ein üblicher Oberflächenschutz dieser Epoche. Dieses Verfahren, das in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunehmend verfügbar wurde, bot besseren Schutz vor Korrosion als einfacher Stahl und verlieh der Waffe ein repräsentatives Aussehen.

Miniaturen und Brieföffner in Form militärischer Waffen wurden besonders ab dem späten 19. Jahrhundert populär. Diese Objekte dienten verschiedenen Zwecken: Sie waren beliebte Souvenirs für Soldaten und Offiziere, Geschenke für Veteranen oder Andenken an den Militärdienst. Brieföffner in Form von Miniatur-Säbeln und Degen waren auch bei Zivilisten beliebt und fanden ihren Platz auf den Schreibtischen von Beamten, Geschäftsleuten und in bürgerlichen Haushalten.

Das beigefügte Portepee (Degenknot) ist ein wichtiges Detail. In der französischen Armee hatte das Portepee nicht nur eine praktische Funktion – es verhinderte das Verlieren der Waffe im Kampf – sondern war auch ein Rangabzeichen. Verschiedene Farben, Muster und Materialien kennzeichneten unterschiedliche Ränge und Einheiten. Bei Miniaturen wurden oft vereinfachte Versionen der originalen Portepees angebracht.

Die Produktion solcher Miniaturen und Brieföffner erfolgte sowohl durch etablierte Waffenhersteller als auch durch spezialisierte Souvenirproduzenten. Wichtige französische Waffenmanufakturen wie Manufacture d'Armes de Châtellerault oder Manufacture de Saint-Étienne produzierten die originalen Waffen, während kleinere Betriebe oft die Miniaturen herstellten. Das Fehlen einer Herstellerpunze bei diesem Exemplar deutet auf eine Produktion durch einen kleineren Hersteller oder einen Souvenirproduzenten hin.

Die historische Bedeutung des Modells 1882 erstreckt sich über mehrere militärische Konflikte. Offiziere trugen diese Waffe während der französischen Kolonialkriege in Afrika und Indochina, und sie blieb auch während des Ersten Weltkriegs Teil der Offiziersausrüstung, obwohl ihre praktische Bedeutung im modernen Grabenkrieg stark zurückging. Der Degen war zunehmend ein Zeremonialobjekt und Symbol des Offiziersranges geworden.

Solche Miniaturen und Brieföffner bieten heute wichtige Einblicke in die Materialkultur und das kulturelle Gedächtnis der militärischen Tradition. Sie zeigen, wie militärische Symbole in den zivilen Alltag integriert wurden und wie Militärgeschichte über Generationen hinweg bewahrt wurde. Für Sammler und Historiker sind sie wertvolle Studienobjekte, die die Verbindung zwischen militärischer Funktion und bürgerlicher Erinnerungskultur dokumentieren.