Elastolin - Heer Posaunenbläser marschierend

7 cm, Zustand 2/2-.
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25,00

Elastolin - Heer Posaunenbläser marschierend

Elastolin-Heer Posaunenbläser marschierend: Ein Zeugnis deutscher Spielzeugfiguren-Tradition

Die vorliegende Elastolin-Figur eines marschierenden Posaunenbläsers der Wehrmacht mit einer Größe von 7 cm repräsentiert ein bedeutendes Kapitel deutscher Spielzeuggeschichte aus der Zeit zwischen den 1930er und 1940er Jahren. Die Firma O. & M. Hausser aus Ludwigsburg bei Stuttgart produzierte unter der Marke Elastolin seit 1904 Spielzeugfiguren aus einem speziellen Verbundmaterial, das der gesamten Produktlinie ihren Namen gab.

Die Elastolin-Herstellung und Material

Elastolin war eine Innovation der Gebrüder Hausser und bestand aus einer Mischung von Kasein, Kreide, Glycerin, Leim und weiteren Zusatzstoffen, die um einen Drahtkern modelliert wurde. Dieses Material erwies sich als besonders formstabil und gleichzeitig elastisch genug, um beim Spielen nicht sofort zu zerbrechen. Die Figuren wurden in Formen gegossen, anschließend von Hand bemalt und mit großer Detailgenauigkeit versehen. Die 7-cm-Serie war neben der 10-cm-Linie eine der Standardgrößen und besonders bei Sammlern beliebt, da sie aufgrund ihrer kompakten Abmessungen vielfältige Aufstellungsmöglichkeiten bot.

Militärmusik im Dritten Reich

Der dargestellte Posaunenbläser in marschierender Haltung verkörpert einen Angehörigen eines Heeresmusikcorps der Wehrmacht. Die Militärmusik spielte in der Wehrmacht eine wichtige zeremonielle und praktische Rolle. Musikcorps begleiteten Paraden, militärische Feierlichkeiten und dienten der Truppenbetreuung. Die Posaune war ein festes Instrument in der militärischen Besetzung deutscher Musikkorps, die sich an den traditionellen preußischen Militärkapellen orientierten.

Die Heeresdienstvorschriften regelten detailliert die Organisation und Aufstellung von Musikkorps. Jede Division verfügte über mindestens ein Musikcorps, größere Einheiten über mehrere. Die Uniformierung der Musiker entsprach grundsätzlich der jeweiligen Truppengattung, wobei spezielle Abzeichen auf die Funktion als Militärmusiker hinwiesen.

Elastolin-Produktion während der NS-Zeit

Während der nationalsozialistischen Herrschaft (1933-1945) produzierte Hausser/Elastolin umfangreiche Serien von Wehrmacht-Figuren in verschiedenen Uniformen und Funktionen. Diese Figuren dienten nicht nur als Spielzeug, sondern auch der Propagandawirkung und Militarisierung der Jugend. Die Produktpalette umfasste sämtliche Waffengattungen, darunter auch zahlreiche Varianten von Musikcorps mit verschiedenen Instrumenten.

Die Firma arbeitete während des Krieges unter zunehmend schwierigen Bedingungen, da Rohstoffe knapp wurden und Teile der Produktion auf kriegswichtige Güter umgestellt werden mussten. Dennoch wurden bis zum Kriegsende 1945 weiterhin Spielzeugfiguren hergestellt, wenn auch in verringertem Umfang.

Sammlerwert und Erhaltungszustand

Die Zustandsangabe 2/2- entspricht der gängigen Sammlerskala und deutet auf einen sehr gut erhaltenen Zustand mit nur minimalen Gebrauchsspuren hin. Bei Elastolin-Figuren sind besonders die Bemalung, die Vollständigkeit des Instruments und die strukturelle Integrität des Materials entscheidend für die Bewertung. Aufgrund des organischen Kasein-Materials sind viele Figuren im Laufe der Jahrzehnte beschädigt worden oder haben Risse entwickelt, was gut erhaltene Exemplare besonders wertvoll macht.

Historische Einordnung und Sammelgebiet

Heute stellen Elastolin-Figuren aus der Zeit des Dritten Reiches ein kontroverses Sammelgebiet dar. Während sie einerseits bedeutende technik- und kulturgeschichtliche Zeugnisse deutscher Spielzeugproduktion sind, repräsentieren sie andererseits auch die Militarisierung der Gesellschaft während der NS-Zeit. Seriöse Sammler und Museen bewahren diese Objekte als Zeitdokumente auf, wobei stets der historische Kontext und die kritische Auseinandersetzung mit der Epoche im Vordergrund stehen sollten.

Nach 1945 stellte die Firma Hausser ihre Produktion auf friedliche Motive um, produzierte aber weiterhin unter der Marke Elastolin bis in die 1980er Jahre, bevor das Unternehmen aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten geschlossen wurde. Die Formen und Werkzeuge wurden später von anderen Firmen übernommen, die teilweise Neuauflagen historischer Modelle herstellten, was bei der Sammlung und Bewertung dieser Figuren berücksichtigt werden muss.