Nationalsozialistische Frauenschaft ( NSF ) - Mitgliedsabzeichen 5. Form
Das Mitgliedsabzeichen der Nationalsozialistischen Frauenschaft (NSF) stellt ein bedeutendes Zeugnis der organisatorischen Strukturen dar, mit denen das nationalsozialistische Regime die deutsche Gesellschaft zwischen 1933 und 1945 durchdrang. Die NSF wurde im Oktober 1931 als Zusammenschluss verschiedener nationalsozialistischer Frauenorganisationen unter der Leitung von Elsbeth Zander gegründet und später ab 1934 von Gertrud Scholtz-Klink als Reichsfrauenführerin geleitet.
Das vorliegende Abzeichen in der 5. Form mit einem Durchmesser von 22 mm repräsentiert eine der späteren Varianten dieser Mitgliedsinsignien. Die Kennzeichnung RZM M1/34 verweist auf die Reichszeugmeisterei, die zentrale Prüf- und Beschaffungsstelle der NSDAP, die 1929 gegründet wurde und ab 1934 die ausschließliche Kontrolle über die Herstellung und Verteilung von Parteiabzeichen, Uniformen und Ausrüstungsgegenständen innehatte. Die Herstellernummer M1/34 identifiziert den spezifischen Produzenten innerhalb des RZM-Systems, wobei “M1” für die Warengruppe Metall- und Emailleabzeichen stand.
Die Nationalsozialistische Frauenschaft war die größte Frauenorganisation im Dritten Reich und erreichte 1938 etwa 2,3 Millionen Mitglieder. Sie war Teil des Deutschen Frauenwerks (DFW), das als Dachorganisation alle gleichgeschalteten Frauenverbände umfasste. Die NSF selbst war der eigentliche Parteikader, während das DFW die breitere Massenbasis bildete. Die Mitgliedschaft in der NSF setzte die Mitgliedschaft in der NSDAP oder eine besondere politische Zuverlässigkeit voraus.
Das Abzeichen wurde typischerweise aus emailliertem Metall gefertigt und zeigte das charakteristische Symbol der Organisation: ein schwarzes Hakenkreuz in weißem Kreis auf rotem Grund, umgeben von einem schwarzen Ring. Die verschiedenen Formen des Abzeichens entwickelten sich im Laufe der Jahre, wobei Änderungen in Größe, Materialqualität und Herstellungsweise auf die jeweiligen wirtschaftlichen Bedingungen und organisatorischen Anforderungen zurückzuführen waren. Die 5. Form entstand wahrscheinlich in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre.
Die Nadelkonstruktion ermöglichte das Tragen des Abzeichens an der Zivilkleidung, üblicherweise an der linken Brustseite. Das Tragen des Mitgliedsabzeichens war für NSF-Mitglieder bei offiziellen Anlässen und Veranstaltungen verpflichtend. Es diente nicht nur der Identifikation, sondern auch der öffentlichen Demonstration der politischen Gesinnung und Zugehörigkeit zur nationalsozialistischen Bewegung.
Die ideologische Ausrichtung der NSF konzentrierte sich auf die Propagierung des nationalsozialistischen Frauenideals, das die Rolle der Frau primär als Mutter und Hausfrau definierte. Unter dem Motto “Kinder, Küche, Kirche” sollten Frauen zur Steigerung der Geburtenrate und zur Erhaltung der sogenannten “Rassenreinheit” beitragen. Die Organisation bot Schulungen in Hauswirtschaft, Kindererziehung und “Rassenkunde” an und war in die Durchführung verschiedener NS-Wohlfahrtsprogramme eingebunden.
Die Erhaltung solcher Abzeichen mit RZM-Kennzeichnung ist heute von erheblicher historischer Bedeutung für die Erforschung der nationalsozialistischen Organisationsstrukturen und Herstellungspraktiken. Die Emailleschäden am vorliegenden Stück sind typisch für Abzeichen, die tatsächlich getragen wurden, im Gegensatz zu reinen Sammlerstücken oder Nachkriegsanfertigungen. Der angegebene Zustand 2 deutet auf moderate Gebrauchsspuren bei grundsätzlich guter Erhaltung hin.
Nach 1945 wurde die NSF wie alle NS-Organisationen durch den Alliierten Kontrollrat aufgelöst und verboten. Das Sammeln und der wissenschaftliche Umgang mit solchen Objekten unterliegen in Deutschland dem § 86a StGB, der die Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen regelt, wobei Ausnahmen für historische Forschung, Aufklärung und ähnliche Zwecke bestehen.