Norwegen - Koppelschloss der "Hirdens Alarmenhet"
Die "Hirdens Alarmenheter" wurden als Wachverband 1943 aufgestellt und unterstanden dem Kommando der Staatspolizei bis 1945.
Das Koppelschloss der Hirdens Alarmenhet repräsentiert ein bedeutendes Artefakt aus der norwegischen Kollaborationsgeschichte während des Zweiten Weltkriegs. Diese Gürtelschnalle trägt das Motto “Tapper Og Tro” (Tapfer und Treu), welches die ideologische Ausrichtung dieser paramilitärischen Formation widerspiegelt.
Die Hirdens Alarmenheter (Alarm-Einheiten der Hird) wurden im Jahr 1943 als spezialisierter Wachverband aufgestellt. Diese Einheiten unterstanden bis zur Kapitulation im Mai 1945 dem Kommando der Staatspolizei (Statspolitiet) des Quisling-Regimes. Die Hird selbst war die paramilitärische Organisation der Nasjonal Samling (NS), der norwegischen faschistischen Partei unter Führung von Vidkun Quisling, die während der deutschen Besatzung als einzige zugelassene politische Bewegung fungierte.
Die Entstehung der Alarmenheter muss im Kontext der sich verschärfenden Sicherheitslage in Norwegen ab 1943 gesehen werden. Mit zunehmender Widerstandstätigkeit und Sabotageakten durch die norwegische Resistenzbewegung (Milorg und Osvald-Gruppe) benötigte das Kollaborationsregime zusätzliche Sicherheitskräfte. Die Alarmenheter sollten strategisch wichtige Objekte bewachen und als schnelle Eingreiftruppe bei Unruhen oder Widerstandsaktionen dienen.
Das vorliegende Koppelschloss wurde aus Feinzink gefertigt, einem Material, das während der Kriegsjahre aufgrund der Metallknappheit häufig für militärische Ausrüstungsgegenstände verwendet wurde. Die Konstruktion mit einem aufgeklammerten Medaillon, das mittels magnetischer Stifte befestigt ist, zeigt die typische Fertigungstechnik jener Zeit. Diese Bauweise ermöglichte eine kostengünstige Produktion bei gleichzeitiger Wahrung eines gewissen repräsentativen Charakters.
Die Hird wurde 1933 als Leibwache Quislings gegründet und entwickelte sich nach dem deutschen Überfall auf Norwegen im April 1940 zur zentralen bewaffneten Formation der Kollaborateure. Die Organisation war nach germanisch-nordischem Vorbild strukturiert und versuchte, an vorchristliche norwegische Traditionen anzuknüpfen. Der Begriff “Hird” selbst stammt aus der altnordischen Tradition und bezeichnete die Gefolgschaft eines Königs oder Häuptlings.
Die Uniformierung und Ausrüstung der Hirdens Alarmenheter folgte militärischen Standards, wobei das Koppelschloss als wichtiges Erkennungszeichen und Symbol der Zugehörigkeit diente. Das Motto “Tapper Og Tro” sollte die erwartete Haltung der Mitglieder ausdrücken: bedingungslose Treue zum Führer und Tapferkeit im Kampf gegen die als Feinde betrachteten Widerstandskämpfer und Alliierten.
Die Unterstellung unter die Staatspolizei verband die Alarmenheter eng mit dem repressiven Apparat des Besatzungsregimes. Die Staatspolizei arbeitete eng mit der deutschen Sicherheitspolizei und dem Sicherheitsdienst (SD) zusammen und war für die Verfolgung von Widerstandskämpfern, politischen Gegnern und der jüdischen Bevölkerung verantwortlich.
Nach der Kapitulation Nazi-Deutschlands im Mai 1945 wurden die Hirdens Alarmenheter zusammen mit allen anderen Kollaborationsorganisationen aufgelöst. Viele Mitglieder wurden wegen Landesverrats angeklagt und verurteilt. Die rechtliche Aufarbeitung der Kollaboration beschäftigte Norwegen noch Jahre nach Kriegsende.
Heute sind Objekte wie dieses Koppelschloss wichtige historische Zeugnisse einer dunklen Periode der norwegischen Geschichte. Sie dokumentieren die Existenz und Organisation der Kollaborationsverbände und dienen in Museen und Sammlungen der historischen Aufklärung über die Mechanismen von Besatzung, Kollaboration und Widerstand während des Zweiten Weltkriegs.