Preußen 1. Weltkrieg feldgrauer Waffenrock mit Stehkragen Modell 1910 für den Major «Ewald Bischoff» im Westfälischen Dragoner-Regiment Nr. 7

Heimatstandort Saarbrücken. Fertigung von 1915. Der Rock aus feinem feldgrauen Tuch mit Stehkragen, einer Reihe feldgrau getönter Knöpfe mit Kronen-Emblem, zwei Schoßtaschen und "schwedischen" Ärmelaufschlägen, die Brustleiste, der Kragen und die Aufschläge mit rosafarbenen Vorstößen, auf den Schultern die Schulterstücke für den Major in dem Regiment mit der Nummer «7», auf der linken Brust mit insgesamt neun Schlaufen für Orden/Ehrenzeichen. Innen mit grauem Seidenfutter, in der Brusttasche mit Schneideretikett «Trier Leo Büsche ... Herrn Ewald Bischoff Rittm. Drag. 7 2110 17/XI 15». Wenige kleine Mottenlöchlein. Zustand 2.
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4.500,00

Preußen 1. Weltkrieg feldgrauer Waffenrock mit Stehkragen Modell 1910 für den Major «Ewald Bischoff» im Westfälischen Dragoner-Regiment Nr. 7

Der feldgraue Waffenrock Modell 1910 für Offiziere repräsentiert einen bedeutenden Wendepunkt in der preußischen Militärgeschichte. Nach Jahrhunderten farbenprächtiger Uniformen markierte die Einführung der feldgrauen Bekleidung einen entscheidenden Schritt zur Anpassung an die Realitäten moderner Kriegsführung.

Das Westfälische Dragoner-Regiment Nr. 7 wurde 1743 als Kavallerieregiment gegründet und hatte seinen Heimatstandort in Saarbrücken. Die Dragoner, ursprünglich als berittene Infanterie konzipiert, entwickelten sich im Laufe des 19. Jahrhunderts zu vollwertigen Kavalleristen. Das Regiment führte die traditionelle rosa Waffenfarbe, die an Kragen, Vorstößen und Aufschlägen sichtbar war und die Zugehörigkeit zur Dragonerwaffengattung kennzeichnete.

Die preußische Armee führte 1910 offiziell den feldgrauen Waffenrock ein, der das bisherige bunte Friedenskleid ablöste. Diese Reform war das Ergebnis der Erfahrungen aus dem Burenkrieg und den russisch-japanischen Auseinandersetzungen, wo sich die Bedeutung der Tarnung auf dem modernen Schlachtfeld deutlich gezeigt hatte. Der Waffenrock Modell 1910 behielt jedoch bewusst traditionelle Elemente bei: den Stehkragen, die charakteristischen “schwedischen” Ärmelaufschläge und die farbigen Vorstöße, die eine Identifikation der Waffengattung ermöglichten.

Die Schneiderei Leo Büsche in Trier gehörte zu den renommierten Militärschneidern, die Offiziere mit maßgefertigten Uniformen versorgten. Anders als Mannschaften, die ihre Uniform gestellt bekamen, mussten preußische Offiziere ihre Ausrüstung selbst beschaffen. Das Schneideretikett vom 17. November 1915 dokumentiert die Anfertigung während des Krieges und belegt die Beförderung des Trägers vom Rittmeister zum Major.

Der Rang eines Majors wurde durch spezifische Schulterstücke gekennzeichnet. Diese trugen die Regimentsnummer “7” auf dem feldgrauen Untergrund mit den rosa Vorstößen der Dragonerwaffenfarbe. Die Rangabzeichen für Stabsoffiziere unterschieden sich durch die Flechtung und die Anzahl der Sterne von denen niedrigerer Offiziersränge.

Besonders bemerkenswert sind die neun Ordensspangen-Schlaufen auf der linken Brustseite. Diese Schlaufen dienten zur Befestigung von Ordensbändern und Ehrenzeichen, die im Feld getragen wurden, während die vollständigen Orden der Galauniform vorbehalten blieben. Die hohe Anzahl deutet auf eine umfangreiche militärische Laufbahn und mehrfache Auszeichnungen hin. Typische Auszeichnungen dieser Zeit umfassten das Eiserne Kreuz, Dienstauszeichnungen, Verwundetenabzeichen und möglicherweise Orden aus der Vorkriegszeit.

Die feldgrauen Knöpfe mit Kronenemblem waren charakteristisch für die preußische Armee während des Ersten Weltkriegs. Die Tönung der ursprünglich blanken Metallknöpfe diente der Vermeidung von Lichtreflexionen, die Soldaten im Grabenkampf gefährden konnten. Dies zeigt die zunehmende Professionalisierung und die Lehren aus den ersten Kriegsmonaten.

Das graue Seidenfutter war ein Qualitätsmerkmal der Offiziersuniform. Während Mannschaftsuniformen mit einfachem Baumwollfutter ausgestattet waren, spiegelte das hochwertige Futter den sozialen Status und die Selbstfinanzierung der Offiziere wider. Die Verwendung von Seide bot zudem praktische Vorteile in Bezug auf Tragekomfort und Haltbarkeit.

Das Westfälische Dragoner-Regiment Nr. 7 kämpfte während des Ersten Weltkriegs an verschiedenen Fronten. Wie die meisten Kavallerieregimente musste es die schmerzhafte Erkenntnis machen, dass die traditionelle Rolle der Kavallerie im Zeitalter von Maschinengewehren und Grabenkämpfen weitgehend obsolet geworden war. Viele Dragonerregimenter wurden im Verlauf des Krieges zu Fuß eingesetzt oder in andere Waffengattungen umgegliedert.

Die Fertigung von 1915 fällt in eine Zeit intensiver Kriegsanstrengungen. Nach dem Scheitern des Bewegungskrieges und der Etablierung des Stellungskrieges im Westen sowie den großen Schlachten im Osten befand sich das Deutsche Reich in einem Abnutzungskrieg. Die Uniformproduktion musste trotz zunehmender Materialknappheit aufrechterhalten werden.

Die erhaltene Uniform zeigt typische Mottenschäden, die bei textilen Militaria aus dieser Epoche nahezu unvermeidlich sind. Die relativ geringe Beschädigung und der insgesamt gute Erhaltungszustand (Zustand 2) machen dieses Stück zu einem wertvollen historischen Dokument. Es vermittelt ein authentisches Bild der preußischen Offiziersuniform im Ersten Weltkrieg und verbindet militärhistorische, sozialgeschichtliche und textilhistorische Aspekte in einzigartiger Weise.

Uniformen wie diese sind heute wichtige Quellen für die Militärgeschichtsforschung. Sie dokumentieren nicht nur militärische Rangstrukturen und Regulations, sondern auch handwerkliche Traditionen, Materialbeschaffung in Kriegszeiten und die persönlichen Karrieren einzelner Offiziere. Das vorhandene Schneideretikett macht diese Uniform zu einem besonders wertvollen Zeitdokument mit nachvollziehbarer Provenienz.

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