Bittere Pflicht. Kampf und Untergang der 76. Berlin-Brandenburgischen Infanterie-Division,

von Jochen Löser, Osnabrück Biblio Verlag, 1986, Gebundene Ausgabe, Hartkartoneinband mit 584 Seiten, mit Abbildungen und Karten im Text, Zustand 2
447108
250,00

Bittere Pflicht. Kampf und Untergang der 76. Berlin-Brandenburgischen Infanterie-Division,

Das Buch “Bittere Pflicht. Kampf und Untergang der 76. Berlin-Brandenburgischen Infanterie-Division” von Jochen Löser, erschienen 1986 im Biblio Verlag Osnabrück, stellt ein bedeutendes Dokument der deutschen Militärgeschichte des Zweiten Weltkrieges dar. Mit 584 Seiten und zahlreichen Abbildungen sowie Karten dokumentiert dieses Werk akribisch die Geschichte einer der vielen Infanteriedivisionen der Wehrmacht, die während des Krieges aufgestellt, eingesetzt und schließlich vernichtet wurde.

Die 76. Infanterie-Division wurde im Herbst 1939 als Teil der zweiten Aufstellungswelle der Wehrmacht im Wehrkreis III (Berlin-Brandenburg) formiert. Als regional verwurzelte Einheit rekrutierte sie ihre Soldaten hauptsächlich aus Berlin und der Mark Brandenburg, was ihr den inoffiziellen Beinamen “Berlin-Brandenburgische Division” einbrachte. Diese regionale Zusammensetzung war charakteristisch für viele deutsche Divisionen der damaligen Zeit und sollte die Kameradschaft und den Zusammenhalt der Truppe stärken.

Die Division wurde zunächst im Westen eingesetzt und nahm 1940 am Westfeldzug gegen Frankreich teil. Nach dem schnellen Sieg über Frankreich folgte eine Phase der Besatzung und Reorganisation. Mit dem Beginn des Unternehmens Barbarossa am 22. Juni 1941 wurde die 76. Infanterie-Division an die Ostfront verlegt, wo sie den Großteil ihrer Existenz verbringen sollte. Die Division kämpfte in verschiedenen Abschnitten der Ostfront und erlebte die dramatischen Wendepunkte des Krieges im Osten.

Besonders hervorzuheben ist der Einsatz der Division während der Schlacht um Stalingrad und in den anschließenden Rückzugskämpfen. Die 76. Infanterie-Division gehörte zur 6. Armee unter Generalfeldmarschall Friedrich Paulus und wurde im Kessel von Stalingrad eingeschlossen. Die Division erlitt dabei schwerste Verluste und wurde faktisch aufgerieben. Der Untergang in Stalingrad Ende Januar/Anfang Februar 1943 bedeutete für Tausende Soldaten Tod oder sowjetische Kriegsgefangenschaft, aus der viele nie zurückkehrten.

Nach der Kapitulation in Stalingrad wurde die Division unter Verwendung der Nummer 76. neu aufgestellt, was der gängigen Praxis der Wehrmacht entsprach, traditionsreiche Divisionsbezeichnungen beizubehalten. Die neu formierte Einheit setzte die Kämpfe an der Ostfront fort und war an den schweren Abwehrschlachten der Jahre 1943 und 1944 beteiligt. Der endgültige Untergang der Division erfolgte während der sowjetischen Sommeroffensive 1944, der Operation Bagration, die zur vollständigen Zerschlagung der deutschen Heeresgruppe Mitte führte.

Das Werk von Jochen Löser ist Teil einer umfangreichen deutschen Nachkriegsliteratur, die sich mit der Dokumentation einzelner Divisionsgeschichten befasst. Der Biblio Verlag in Osnabrück hat sich auf militärhistorische Publikationen spezialisiert und veröffentlichte zahlreiche Divisionsgeschichten, Regimentschroniken und Erinnerungsberichte. Diese Bücher entstanden oft in Zusammenarbeit mit Veteranenverbänden und basieren auf persönlichen Erinnerungen, Tagebüchern, offiziellen Kriegstagebüchern und Dokumenten aus militärischen Archiven.

Die Bedeutung solcher Divisionsgeschichten für die Militärgeschichtsforschung ist ambivalent. Einerseits bieten sie detaillierte Einblicke in die operativen Abläufe, die Alltagserfahrungen der Soldaten und die militärischen Herausforderungen an verschiedenen Frontabschnitten. Sie dokumentieren Einsatzorte, Verluste, Auszeichnungen und das Schicksal einzelner Einheiten. Andererseits sind viele dieser Werke von einem unkritischen, oft verklärenden Blick auf die Wehrmacht geprägt und blenden die Verstrickung der regulären Streitkräfte in Kriegsverbrechen häufig aus.

Die moderne Militärgeschichtsforschung hat seit den 1990er Jahren durch Projekte wie die Ausstellung “Verbrechen der Wehrmacht” aufgezeigt, dass auch reguläre Infanteriedivisionen an Kriegsverbrechen, insbesondere im Rahmen des Vernichtungskrieges im Osten, beteiligt waren. Bei der Bewertung von Divisionsgeschichten wie der vorliegenden ist daher eine kritische Quellenkritik unerlässlich.

Der Hartkartoneinband und die umfangreiche Bebilderung mit 584 Seiten machen das Buch zu einem typischen Beispiel militärhistorischer Dokumentation der 1980er Jahre. Die Karten im Text dienen der Veranschaulichung der Marschbewegungen, Frontverläufe und Kampfhandlungen. Solche Werke wurden und werden von Historikern, Sammlern militärischer Literatur und Nachfahren der Soldaten als Quellenwerk geschätzt, müssen aber im Kontext ihrer Entstehungszeit und Perspektive bewertet werden.