III. Reich - DAF - Sportappell der Betriebe 1938
Das Sportappell der Betriebe 1938 war ein Abzeichen der Deutschen Arbeitsfront (DAF), das im Rahmen der nationalsozialistischen Körperertüchtigungs- und Freizeitgestaltungspolitik ausgegeben wurde. Dieses spezielle Exemplar wurde von der renommierten Firma Richard Sieper & Söhne aus Lüdenscheid hergestellt, einem der bedeutendsten Produzenten von Orden und Ehrenzeichen während der Zeit des Dritten Reiches.
Die Deutsche Arbeitsfront wurde am 10. Mai 1933 nach der Zerschlagung der freien Gewerkschaften gegründet und entwickelte sich zur größten Massenorganisation des NS-Regimes mit über 25 Millionen Mitgliedern. Unter der Leitung von Robert Ley verfolgte die DAF das Ziel, die gesamte deutsche Arbeiterschaft zu erfassen und im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie zu formen. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Bestrebungen war die Organisation von Sport- und Freizeitaktivitäten, die sowohl der körperlichen Ertüchtigung als auch der ideologischen Indoktrination dienten.
Das Konzept des Betriebssports gewann in den 1930er Jahren zunehmend an Bedeutung. Die nationalsozialistische Führung erkannte den Sport als wichtiges Instrument zur Förderung der “Volksgemeinschaft” und zur militärischen Vorbereitung der Bevölkerung. Der Sportappell der Betriebe stellte einen Höhepunkt dieser Bemühungen dar und vereinte Wettkämpfe verschiedener Betriebe auf lokaler, regionaler und reichsweiter Ebene. Das Jahr 1938 war dabei von besonderer Bedeutung, da es zeitlich mit der zunehmenden Aufrüstung und den außenpolitischen Expansionsbestrebungen des Regimes zusammenfiel.
Das hier beschriebene Abzeichen besteht aus Kunststoff, einem Material, das in den 1930er Jahren zunehmend für die Herstellung von Orden und Abzeichen verwendet wurde. Dies war teilweise auf die Materialeinsparungen im Zuge der Aufrüstung zurückzuführen, aber auch auf technologische Entwicklungen in der Kunststoffindustrie. Die Verwendung von Kunststoff ermöglichte eine kostengünstige Massenproduktion, was bei Veranstaltungen mit großer Teilnehmerzahl von erheblicher Bedeutung war.
Der Hersteller Richard Sieper & Söhne aus Lüdenscheid war seit dem späten 19. Jahrhundert im Geschäft mit Metallwaren tätig und entwickelte sich zu einem der führenden Produzenten von militärischen und zivilen Auszeichnungen. Die Firma trug die RZM-Kennzeichnung M9/25, wobei RZM für Reichszeugmeisterei steht, die zentrale Beschaffungsstelle der NSDAP. Diese Kennzeichnung garantierte, dass das Produkt den offiziellen Standards entsprach und von einem autorisierten Hersteller gefertigt wurde. Die Reichszeugmeisterei wurde 1929 gegründet und kontrollierte ab 1933 die Produktion aller Uniformen, Abzeichen und Ausrüstungsgegenstände der NSDAP und ihrer Gliederungen.
Die Betriebssportbewegung im Dritten Reich war eng verbunden mit der Organisation “Kraft durch Freude” (KdF), die als Unterorganisation der DAF für die Freizeitgestaltung der Arbeiter zuständig war. KdF organisierte nicht nur Urlaubsreisen und kulturelle Veranstaltungen, sondern auch umfangreiche Sportprogramme. Die Sportappelle dienten dabei mehreren Zwecken: Sie sollten die körperliche Fitness der Arbeiterschaft steigern, den Gemeinschaftsgeist fördern und gleichzeitig die Verbundenheit mit dem nationalsozialistischen Staat demonstrieren.
Die Veranstaltungen des Jahres 1938 fanden in einem besonders angespannten politischen Klima statt. Der Anschluss Österreichs im März 1938 und die Sudetenkrise im Herbst desselben Jahres prägten das Jahr. In diesem Kontext erhielten sportliche Massenveranstaltungen eine zusätzliche propagandistische Dimension, da sie die Geschlossenheit und Stärke der deutschen “Volksgemeinschaft” demonstrieren sollten.
Das Abzeichen selbst wurde typischerweise an einer Nadel auf der Kleidung getragen und diente als Erinnerungsstück und Teilnahmebestätigung. Solche Abzeichen waren bei den Teilnehmern durchaus begehrt, da sie die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft und die aktive Teilnahme an den vom Regime geförderten Aktivitäten dokumentierten. In einer Zeit, in der politische Konformität überlebenswichtig sein konnte, hatten solche sichtbaren Zeichen der Systemtreue durchaus praktische Bedeutung.
Aus heutiger Sicht sind solche Objekte wichtige historische Zeugnisse, die Einblick in die Alltagskultur und die Durchdringung aller Lebensbereiche durch die nationalsozialistische Ideologie geben. Sie dokumentieren, wie das Regime versuchte, durch die Organisation von Freizeit und Sport die Bevölkerung zu kontrollieren und für seine Ziele zu mobilisieren. Die Massenproduktion solcher Abzeichen zeigt zudem die systematische Organisation und Bürokratisierung selbst scheinbar unpolitischer Bereiche wie des Betriebssports.