Königreich Sachsen Erinnerungsteller 100 Jahre Königreich 1806 - 1906
Der Erinnerungsteller zum 100-jährigen Jubiläum des Königreichs Sachsen (1806-1906) repräsentiert ein bedeutendes Kapitel deutscher Geschichte und königlich-sächsischer Souveränität. Dieses Porzellanobjekt wurde zur Kommemoration eines Jahrhunderts sächsischer Eigenstaatlichkeit hergestellt, die am 11. Dezember 1806 begann, als Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen durch den Frieden von Posen zum König erhoben wurde.
Die Erhebung Sachsens zum Königreich erfolgte im Kontext der napoleonischen Neuordnung Europas. Nach der vernichtenden Niederlage Preußens und seiner Verbündeten bei Jena und Auerstedt im Oktober 1806 schloss sich Kurfürst Friedrich August dem Rheinbund an, einem von Napoleon dominierten Staatenbund. Als Belohnung für diese Allianz und als Anerkennung der Bedeutung Sachsens erhielt Friedrich August die Königswürde. Das neu gegründete Königreich umfasste zunächst etwa 2.000 Quadratmeilen mit rund 2 Millionen Einwohnern.
Die Meißener Porzellanmanufaktur, deren Markenzeichen die unterglasurblauen gekreuzten Schwerter sind, fertigte diesen Gedenkteller im Jahr 1906. Die auf dem vorliegenden Objekt befindliche Knaufschwertermarke mit zwei Strichen ist charakteristisch für Erzeugnisse aus diesem Zeitraum. Die Manufaktur, 1710 als erste europäische Porzellanmanufaktur gegründet, stand traditionell in enger Verbindung zum sächsischen Herrscherhaus und wurde für offizielle Gedenkobjekte herangezogen.
Der Dekor des Tellers zeigt das große Wappen des Königreichs Sachsen unter der sächsischen Königskrone. Dieses Staatswappen vereinte die heraldischen Symbole der verschiedenen Territorien, die zum Königreich gehörten. Das Hauptelement bildeten die schwarzen Balken (Rautenkranz) auf goldenem Grund, das traditionelle Symbol der Herzöge und späteren Kurfürsten von Sachsen. Die Königskrone symbolisierte die seit 1806 bestehende Königswürde.
Das Jubiläumsjahr 1906 fiel in die Regierungszeit von König Friedrich August III. (regierte 1904-1918), dem letzten König von Sachsen. Die Jahrhundertfeier wurde im ganzen Königreich mit großem Aufwand begangen. Neben offiziellen Staatsakten in Dresden wurden zahlreiche Gedenkmedaillen, Münzen und Porzellanobjekte wie der vorliegende Teller hergestellt. Diese Erinnerungsstücke dienten sowohl der Festigung der königlichen Legitimität als auch der Stärkung der sächsischen Identität innerhalb des Deutschen Kaiserreichs.
Die hundert Jahre zwischen 1806 und 1906 waren für Sachsen von enormer Bedeutung. Nach den verheerenden territorialen Verlusten im Wiener Kongress 1815, als Sachsen etwa 60 Prozent seines Territoriums und seiner Bevölkerung an Preußen abtreten musste, entwickelte sich das verbliebene Königreich zu einem der wirtschaftlich fortschrittlichsten deutschen Staaten. Die Industrialisierung erfasste Sachsen früher und intensiver als die meisten anderen deutschen Regionen. Besonders die Textil-, Maschinenbau- und Porzellanindustrie florierten.
Militärisch behielt Sachsen trotz seiner reduzierten Größe eine eigenständige Sächsische Armee, die im Deutschen Kaiserreich als XII. (I. Königlich Sächsisches) Armeekorps organisiert war. Die sächsischen Truppen zeichneten sich in den deutschen Einigungskriegen aus, insbesondere im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71, wo sie maßgeblich am Sieg bei Sedan beteiligt waren. Die militärische Tradition war ein wichtiger Bestandteil der sächsischen Staatsidentität, die auch bei den Jubiläumsfeiern 1906 hervorgehoben wurde.
Erinnerungsteller wie der vorliegende waren im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert beliebte Formen dynastischer Repräsentation. Sie wurden sowohl als offizielle Geschenke an Würdenträger als auch für den Verkauf an die Bevölkerung produziert. Der flache Tellerkorpus mit gewelltem Rand entspricht den ästhetischen Vorstellungen der Wilhelminischen Ära, in der historistische Elemente und nationale Symbolik eine zentrale Rolle spielten.
Die Verwendung von Unterglasurblau für das Wappen hatte sowohl ästhetische als auch praktische Gründe. Diese Dekortechnik, bei der die blaue Farbe unter der Glasur aufgetragen wird, garantiert Haltbarkeit und Farbechtheit. Zugleich knüpfte sie an die große Tradition der Meißener Manufaktur an, die im 18. Jahrhundert weltberühmt für ihr Blaudekor geworden war.
Der Untergang des Königreichs Sachsen erfolgte nur zwölf Jahre nach dem Jubiläum. Am 13. November 1918, im Zuge der Novemberrevolution, dankte König Friedrich August III. ab. Das Königreich wurde zur Republik Sachsen, die zunächst Teil der Weimarer Republik und später der DDR wurde. Objekte wie dieser Erinnerungsteller sind heute wichtige Zeugnisse einer untergegangenen Staatsform und einer Epoche, die von dynastischem Selbstverständnis und regionaler Identität geprägt war.