Weimarer Republik - ADAC ( Allgemeiner Deutscher Automobil-Club ) - nichttragbare Teilnehmerplakette - " Kriegsbeschädigten-Fahrt "

Bronze, 49 mm, Hersteller : Metallkleinkunst A.Moser München, Zustand 2
340709
180,00

Weimarer Republik - ADAC ( Allgemeiner Deutscher Automobil-Club ) - nichttragbare Teilnehmerplakette - " Kriegsbeschädigten-Fahrt "

Die Kriegsbeschädigten-Fahrt des ADAC (Allgemeiner Deutscher Automobil-Club) während der Weimarer Republik repräsentiert ein bedeutendes Kapitel in der Geschichte der deutschen Veteranenbetreuung und Automobilkultur der Zwischenkriegszeit. Diese nichttragbare Teilnehmerplakette aus Bronze, gefertigt von der renommierten Firma Metallkleinkunst A. Moser München, dokumentiert das gesellschaftliche Engagement für Kriegsversehrte des Ersten Weltkriegs.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs im November 1918 stand Deutschland vor enormen sozialen Herausforderungen. Schätzungsweise 2,7 Millionen deutsche Soldaten waren gefallen, und etwa 4,2 Millionen kehrten verwundet oder versehrt aus dem Krieg zurück. Diese Kriegsbeschädigten – ein zeitgenössischer Begriff für Kriegsversehrte – benötigten nicht nur medizinische Versorgung, sondern auch gesellschaftliche Integration und psychologische Unterstützung.

Der ADAC, 1903 in Stuttgart gegründet, hatte sich bereits vor dem Ersten Weltkrieg als bedeutender Automobilverband etabliert. In der Weimarer Republik (1919-1933) organisierte der Club verschiedene Veranstaltungen, die sowohl sportlichen als auch sozialen Zwecken dienten. Die Kriegsbeschädigten-Fahrten waren besondere Veranstaltungen, die darauf abzielten, verwundeten Veteranen durch Automobilausflüge Ablenkung, Freude und ein Gefühl der gesellschaftlichen Teilhabe zu vermitteln.

Diese organisierten Fahrten dienten mehreren Zwecken: Sie ermöglichten es den oft immobilen Kriegsversehrten, die deutsche Landschaft zu erleben, förderten den Zusammenhalt unter den Veteranen und demonstrierten die soziale Verantwortung des Automobilclubs. Solche Veranstaltungen waren Teil einer breiteren Bewegung in der Weimarer Republik, die sich um die Kriegsopferfürsorge bemühte.

Die Firma A. Moser München war ein angesehener Hersteller von Medaillen, Plaketten und Abzeichen. Die Münchner Metallkleinkunst zeichnete sich durch hohe handwerkliche Qualität aus. Die Herstellung solcher Teilnehmerplaketten in Bronze unterstreicht die Wertschätzung, die den Kriegsbeschädigten entgegengebracht werden sollte. Mit einem Durchmesser von 49 mm handelt es sich um eine substanzielle Gedenkplakette, die vermutlich künstlerisch gestaltet war und Symbole des Automobilsports sowie patriotische oder soziale Motive vereinte.

Im Kontext der Weimarer Republik waren solche Veranstaltungen auch politisch bedeutsam. Die Behandlung der Kriegsversehrten wurde zu einem kontroversen Thema, das verschiedene politische Strömungen unterschiedlich instrumentalisierten. Während demokratische Kräfte die Integration und Fürsorge betonten, nutzten nationalistische und später nationalsozialistische Gruppierungen die Kriegsopfer für ihre Propaganda.

Die nichttragbare Ausführung dieser Plakette unterscheidet sie von militärischen Auszeichnungen oder tragbaren Abzeichen. Sie war als Erinnerungsstück konzipiert, das die Teilnahme an der Veranstaltung dokumentierte und möglicherweise im privaten Rahmen oder in Sammlungen aufbewahrt wurde. Der Zustand 2 nach numismatischer Bewertung deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar mit nur leichten Gebrauchsspuren hin.

Diese Plaketten sind heute wichtige historische Dokumente, die Aufschluss über die Sozialgeschichte der Weimarer Republik, die Automobilkultur der 1920er Jahre und den Umgang mit Kriegsfolgen geben. Sie illustrieren, wie zivile Organisationen versuchten, ihren Beitrag zur Bewältigung der Kriegsfolgen zu leisten und wie das aufkommende Automobil nicht nur als Luxusgut, sondern auch als Mittel sozialer Teilhabe verstanden wurde.