III. Reich - originale Visitenkarte von Herr und Frau Ribbentrop ( Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop )

54 x 102 mm, geprägter Druck, mit leichten Lagerspuren.
285811
200,00

III. Reich - originale Visitenkarte von Herr und Frau Ribbentrop ( Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop )

Die vorliegende Visitenkarte von Herrn und Frau Ribbentrop stellt ein bedeutendes zeitgeschichtliches Dokument aus der Ära des Dritten Reiches dar. Joachim von Ribbentrop (1893-1946) war von 1938 bis 1945 Reichsaußenminister Nazi-Deutschlands und gehörte zum engsten Führungskreis des nationalsozialistischen Regimes.

Visitenkarten spielten im diplomatischen und gesellschaftlichen Protokoll des 19. und 20. Jahrhunderts eine zentrale Rolle. Sie dienten nicht nur der persönlichen Vorstellung, sondern waren auch Ausdruck von sozialem Status und Position. Im Dritten Reich gewannen solche Karten zusätzliche Bedeutung als Symbole der Macht und Zugehörigkeit zur politischen Elite.

Joachim von Ribbentrop wurde am 30. April 1893 in Wesel geboren. Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete er zunächst im Wein- und Spirituosenhandel, bevor er 1932 der NSDAP beitrat. Durch seine gesellschaftlichen Kontakte und seine Bereitschaft, sein Berliner Haus für politische Treffen zur Verfügung zu stellen, gewann er das Vertrauen Adolf Hitlers. 1934 wurde er zum Beauftragten für außenpolitische Fragen ernannt, 1936 zum Botschafter in London und schließlich am 4. Februar 1938 zum Reichsaußenminister.

Als Außenminister war Ribbentrop maßgeblich an der Ausarbeitung des Hitler-Stalin-Paktes vom 23. August 1939 beteiligt, der den Weg für den deutschen Überfall auf Polen und damit den Beginn des Zweiten Weltkriegs ebnete. Er war auch an der Unterzeichnung des Dreimächtepakts zwischen Deutschland, Italien und Japan im September 1940 beteiligt.

Visitenkarten höherer Funktionäre des Dritten Reiches wurden üblicherweise in geprägtem Druck hergestellt, was Qualität und Status unterstrich. Die Maße von 54 x 102 mm entsprechen einem Format, das im diplomatischen Verkehr jener Zeit üblich war. Gemeinsame Visitenkarten für Ehepaare waren besonders im gesellschaftlichen Kontext gebräuchlich und wurden bei offiziellen Empfängen, Einladungen und Höflichkeitsbesuchen verwendet.

Annelies Ribbentrop, geborene Henkell (1896-1973), entstammte der bekannten Sektkellerei-Familie Henkell aus Wiesbaden. Die Ehe mit ihr im Jahr 1920 verhalf Ribbentrop zu gesellschaftlichem Aufstieg und wirtschaftlicher Sicherheit. Das Ehepaar hatte fünf Kinder und bewegte sich in den höchsten Kreisen der nationalsozialistischen Gesellschaft.

Solche Visitenkarten wurden in der Regel von spezialisierten Druckereien hergestellt, die auf hochwertige Gesellschaftsdrucksachen spezialisiert waren. Der geprägte Druck (Hochprägung) verlieh den Karten eine taktile Qualität und unterstrich den repräsentativen Charakter. Die Schriftgestaltung folgte dabei häufig klassischen, konservativen Typographietraditionen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Ribbentrop im Juni 1945 von britischen Truppen verhaftet. Im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess wurde er in allen vier Anklagepunkten für schuldig befunden: Verschwörung gegen den Weltfrieden, Verbrechen gegen den Frieden, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Am 16. Oktober 1946 wurde er als erster der Verurteilten hingerichtet.

Aus sammlungshistorischer Perspektive sind Visitenkarten führender NS-Funktionäre heute bedeutende zeitgeschichtliche Dokumente. Sie dokumentieren die gesellschaftlichen Strukturen und Repräsentationsformen des Regimes. Solche Objekte werden in historischen Sammlungen, Museen und Archiven aufbewahrt und dienen der wissenschaftlichen Forschung und historischen Bildung.

Die Provenienz solcher Karten ist oft schwer nachzuvollziehen. Sie könnten von Empfängern aufbewahrt worden sein, die mit dem Ehepaar Ribbentrop in diplomatischem oder gesellschaftlichem Kontakt standen, oder nach 1945 aus Nachlässen in den Handel gelangt sein. Die erwähnten “leichten Lagerspuren” sind bei Papierdokumenten aus dieser Zeit durchaus typisch und beeinträchtigen den dokumentarischen Wert nicht wesentlich.

Der Umgang mit solchen Objekten erfordert historische Sensibilität. Sie sind weder zu verherrlichen noch zu vernichten, sondern als Zeugnisse einer verbrecherischen Diktatur zu bewahren und in angemessener Weise der historischen Aufklärung und Bildung zugänglich zu machen.