Königreich Italien Heer, Gehänge für den Dolch
Das vorliegende Gehänge für den Dolch des Königreichs Italien repräsentiert einen wichtigen Aspekt der militärischen Ausrüstung der italienischen Streitkräfte während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Diese spezielle Ausführung mit blauen Durchzügen und versilberten Beschlägen der Infanterie verkörpert die Tradition und das Zeremoniell der italienischen Armee in einer entscheidenden Epoche ihrer Geschichte.
Das Königreich Italien (Regno d'Italia), das von 1861 bis 1946 bestand, entwickelte im Laufe seiner Geschichte ein komplexes System militärischer Uniformen und Ausrüstungsgegenstände. Die Dolchgehänge bildeten dabei einen wesentlichen Bestandteil der Offiziersuniform und dienten sowohl praktischen als auch repräsentativen Zwecken. Die charakteristische blaue Farbe der Durchzüge war traditionell der Infanterie zugeordnet, während andere Waffengattungen unterschiedliche Farben trugen: rot für die Artillerie, gelb für die Kavallerie und grün für die Gebirgstruppen.
Die Herstellermarkierung “Scuotto Napoli - Brevettato” verweist auf einen der bedeutenden italienischen Hersteller militärischer Ausrüstungsgegenstände. Neapel war historisch ein wichtiges Zentrum für die Produktion militärischer Ausrüstung in Süditalien. Der Zusatz “Brevettato” (patentiert) weist darauf hin, dass der Hersteller über ein Patent für bestimmte technische oder gestalterische Aspekte seiner Produkte verfügte, was auf Qualität und Innovation hindeutet.
Die Konstruktion des Gehänges aus Buntmetall mit versilberten Beschlägen entspricht den Spezifikationen für Offiziersdolche der italienischen Armee. Die Versilberung der Metallteile war ein charakteristisches Merkmal der Offiziers- und Unteroffiziersausstattung und unterschied diese von der einfacheren Ausrüstung der Mannschaften. Die verwendeten Materialien und die Verarbeitungsqualität spiegelten dabei den Rang und die gesellschaftliche Stellung des Trägers wider.
Der italienische Armeedolch (pugnale) hatte seine Wurzeln in den traditionellen Waffen der italienischen Streitkräfte und wurde in verschiedenen Versionen von unterschiedlichen Truppengattungen getragen. Während der Monarchie und insbesondere während der faschistischen Periode unter Benito Mussolini (1922-1943) erfuhren militärische Zeremonien und die damit verbundene Ausrüstung eine besondere Betonung. Das faschistische Regime legte großen Wert auf militärische Symbolik und versuchte, an die Traditionen des antiken Rom anzuknüpfen.
Die Infanterie bildete das Rückgrat der italienischen Armee und kämpfte in beiden Weltkriegen sowie in den kolonialen Konflikten in Afrika, insbesondere in Libyen, Äthiopien und Somalia. Die Ausrüstung der Infanterieoffiziere, zu der auch das Dolchgehänge gehörte, musste sowohl im Garnisonsdienst als auch bei zeremoniellen Anlässen getragen werden. Bei Paraden und offiziellen Veranstaltungen war die korrekte und vollständige Uniform mit allen vorgeschriebenen Accessoires obligatorisch.
Die Herstellung solcher Ausrüstungsgegenstände erfolgte sowohl in staatlichen Arsenalen als auch durch private Lieferanten, die Verträge mit dem Kriegsministerium (Ministero della Guerra) abgeschlossen hatten. Die Qualität und Ausführung mussten strengen Spezifikationen entsprechen, die in militärischen Uniformvorschriften detailliert festgelegt waren. Diese Vorschriften regelten nicht nur die Form und Farbe, sondern auch die genauen Maße und Materialien.
Das Gehänge wurde typischerweise am Koppel oder Leibriemen befestigt und hielt den Dolch in der korrekten Position an der linken Seite des Trägers. Die blauen Durchzüge waren nicht nur dekorativ, sondern erfüllten auch die praktische Funktion, das Gewicht des Dolches zu verteilen und ein bequemes Tragen zu ermöglichen. Die Konstruktion musste robust genug sein, um den täglichen militärischen Dienst zu überstehen, gleichzeitig aber auch den ästhetischen Ansprüchen einer Paradeuniform genügen.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 und der Abschaffung der Monarchie durch das Referendum von 1946 wurde Italien zur Republik. Die neue Repubblica Italiana führte schrittweise neue militärische Uniformen und Ausrüstungsgegenstände ein, wobei viele Elemente der monarchischen Tradition zunächst beibehalten wurden. Dolchgehänge dieser Art wurden zunehmend zu Sammlerstücken und historischen Artefakten.
Heute sind solche Stücke von erheblichem militärhistorischem Interesse und werden von Sammlern weltweit geschätzt. Sie dokumentieren nicht nur die materielle Kultur der italienischen Streitkräfte, sondern erzählen auch von den Männern, die sie trugen, und den historischen Ereignissen, an denen sie teilnahmen. Der Erhaltungszustand 2 deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar hin, das seine ursprüngliche Form und Funktion bewahrt hat.