Blechspielzeug - 8,8 Flak mit Protze Hausser 1230
Das vorliegende Blechspielzeug der 8,8-cm-Flak mit Protze von Hausser (Modell 1230) repräsentiert ein faszinierendes Beispiel deutscher Spielzeugherstellung aus der Mitte des 20. Jahrhunderts. Die Firma Hausser, auch bekannt unter dem Markennamen Elastolin, war einer der bedeutendsten deutschen Spielzeughersteller und produzierte von den 1930er bis in die 1970er Jahre hinein militärisches Spielzeug.
Die 8,8-cm-Flak (Flugabwehrkanone) war während des Zweiten Weltkriegs eine der bekanntesten und gefürchtetsten Waffen der deutschen Wehrmacht. Die vollständige Bezeichnung lautete 8,8-cm-Flak 18/36/37, wobei verschiedene Versionen entwickelt wurden. Diese Kanone erwies sich nicht nur als außerordentlich effektive Flugabwehrwaffe, sondern wurde aufgrund ihrer hohen Mündungsgeschwindigkeit und Durchschlagskraft auch erfolgreich als Panzerabwehrkanone eingesetzt. Besonders in Nordafrika unter Generalfeldmarschall Rommel erlangte die 8,8-cm-Flak legendären Ruf im Kampf gegen alliierte Panzer.
Das Spielzeugmodell von Hausser zeigt charakteristische Merkmale der Originalnachbildung: Das abprotzbare Fahrgestell vorne und hinten entspricht der tatsächlichen Funktionsweise der historischen Waffe. Die originale Flak 18/36 wurde auf einem Sonderanhänger 201 transportiert und konnte für den Einsatz vom Fahrgestell getrennt werden. Die vier Ausleger, die am Spielzeug erkennbar sein sollten, dienten bei der echten Waffe zur Stabilisierung während des Feuerns.
Die Mimikri-Tarnlackierung (heute als Tarnanstrich oder Camouflage bezeichnet) auf dem Spielzeug spiegelt die militärische Praxis wider. Ab 1943 wurde die deutsche Wehrmacht angewiesen, Fahrzeuge und Geschütze mit Tarnmustern zu versehen. Der anfänglich verwendete Dunkelgrau (RAL 7021)-Anstrich wurde zunehmend durch komplexere Tarnmuster ersetzt, die aus verschiedenen Farbtönen wie Olivgrün, Rotbraun und Sandgelb bestanden.
Die Gummireifen am Modell sind ein Detail, das die Modernität der Kriegsausrüstung unterstreicht. Die historische 8,8-cm-Flak verfügte tatsächlich über bereiftes Fahrwerk, was den schnellen Transport auf Straßen ermöglichte – ein entscheidender Vorteil gegenüber älteren, rein schienengebundenen Flakgeschützen.
Der Schussmechanismus am Spielzeug, obwohl durch ein Fehlteil nicht funktionsfähig, zeigt die technische Raffinesse der damaligen Spielzeugproduktion. Hausser-Spielzeuge waren bekannt für ihre mechanischen Funktionen, die Kindern ermöglichten, militärische Szenarien nachzuspielen.
Die Firma O. & M. Hausser wurde 1904 in Ludwigsburg gegründet. Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte sie sich zu einem der führenden Hersteller von Massefiguren und Blechspielzeug. In den 1930er Jahren, unter dem nationalsozialistischen Regime, produzierte Hausser zunehmend militärisches Spielzeug, das der Jugenderziehung und Militarisierung der Gesellschaft diente. Nach 1945 setzte das Unternehmen die Produktion fort, wobei militärisches Spielzeug zunächst unter alliierter Kontrolle eingeschränkt war, aber in den 1950er Jahren wieder aufgenommen wurde.
Die Modellnummer 1230 deutet auf eine spezifische Katalogposition hin. Hausser verwendete systematische Nummerierungen für seine Produktpalette, was heute Sammlern die Identifikation und Datierung erleichtert.
Aus heutiger Perspektive sind solche Spielzeuge wichtige zeitgeschichtliche Dokumente. Sie reflektieren nicht nur die militärtechnische Realität ihrer Entstehungszeit, sondern auch die gesellschaftlichen Einstellungen zur Darstellung von Krieg und Militär in der Nachkriegszeit. Während militärisches Spielzeug in den 1950er und 1960er Jahren noch weit verbreitet und gesellschaftlich akzeptiert war, wandelte sich die Einstellung ab den 1970er Jahren zunehmend kritisch.
Der Zustand 2/2- in der Sammlerbewertung weist auf ein gut erhaltenes Objekt mit leichten Gebrauchsspuren hin. Für Sammler militärhistorischer Spielzeuge sind solche Hausser-Modelle besonders begehrt, da sie deutsche Ingenieurskunst im Kleinformat mit historischer Authentizität verbinden.