Deutscher Soldatenhort 1916,
Der Deutsche Soldatenhort – eine der bedeutendsten illustrierten Zeitschriften des deutschen Militärwesens während des Ersten Weltkriegs – repräsentiert ein wichtiges Zeugnis der deutschen Kriegspropaganda und Militärkultur. Die vorliegende Ausgabe aus dem Jahr 1916, dem 27. Jahrgang, erschien im renommierten Verlag Karl Siegismund in Berlin und umfasst beeindruckende 652 Seiten nebst Nachtrag. Historischer Kontext und Gründung Der “Deutsche Soldatenhort” wurde 1890 als illustrierte Zeitschrift für das deutsche Volk und Heer gegründet. Die Publikation verfolgte von Beginn an das Ziel, die Verbindung zwischen dem deutschen Militär und der Zivilbevölkerung zu stärken. In der wilhelminischen Ära diente sie der Verbreitung militärischer Werte und der Pflege des Wehrgedankens in der deutschen Gesellschaft. Die Zeitschrift erschien jährlich als gebundener Jahrgang und entwickelte sich zu einer der auflagenstärksten militärischen Publikationen des Kaiserreichs. Das Jahr 1916 im Ersten Weltkrieg Das Jahr 1916 markierte einen Wendepunkt im Ersten Weltkrieg. Es war das Jahr der Schlacht um Verdun, die von Februar bis Dezember andauerte und zu einer der verlustreichsten Schlachten der Menschheitsgeschichte wurde. Gleichzeitig tobte ab Juli die Schlacht an der Somme, bei der erstmals britische Panzer zum Einsatz kamen. An der Ostfront errangen russische Truppen unter General Brussilow bedeutende Erfolge gegen österreichisch-ungarische Verbände. In diesem kritischen Kriegsjahr intensivierte das Deutsche Reich seine propagandistischen Bemühungen, um die Moral an der Front und in der Heimat aufrechtzuerhalten. General von Below Die prominente Erwähnung von General von Below in dieser Ausgabe ist von besonderer Bedeutung. Wahrscheinlich handelt es sich um Generaloberst Otto von Below (1857-1944), einen der erfolgreichsten deutschen Heeresführer des Ersten Weltkriegs. Von Below kommandierte 1916 die 2. Armee an der Westfront und spielte eine wichtige Rolle in den Kämpfen des Jahres. Später, im Oktober 1917, führte er die 14. Armee in der siegreichen Schlacht von Karfreit (Caporetto) gegen italienische Truppen. Die Berichterstattung über hochrangige Militärführer diente der Heldenverehrung und sollte Vertrauen in die militärische Führung wecken. Inhalt und Gestaltung Mit 652 Seiten plus Nachtrag bot der Jahrgang 1916 umfangreiches Material. Die Zeitschrift enthielt typischerweise Kriegsberichte von den verschiedenen Fronten, Porträts von Offizieren und Soldaten, technische Beschreibungen neuer Waffen und Ausrüstung, patriotische Gedichte und Erzählungen sowie zahlreiche Illustrationen. Die “Skizzen, Zeichnungen und Bilder” waren ein wesentliches Element der visuellen Propaganda. Sie zeigten heroische Kampfszenen, Porträts ausgezeichneter Soldaten und Darstellungen des Frontalltags, wobei die Schrecken des Krieges meist romantisiert oder heroisiert wurden. Das schwere Großformat und die hochwertige Verarbeitung mit farblich bedrucktem Leineneinband machten den Jahrgang zu einem repräsentativen Objekt, das in vielen deutschen Haushalten einen Ehrenplatz erhielt. Die aufwendige Gestaltung sollte die Bedeutung und Würde des militärischen Themas unterstreichen. Propagandistische Funktion In der Mitte des Krieges, als die anfängliche Kriegsbegeisterung der Ernüchterung wich und die materiellen Entbehrungen zunahmen, kam Publikationen wie dem Deutschen Soldatenhort eine zentrale Rolle in der Aufrechterhaltung der Kriegsmoral zu. Die Zeitschrift vermittelte ein idealisiertes Bild des Krieges, betonte deutsche militärische Erfolge und stilisierte die kämpfende Truppe zu Helden. Sie diente der psychologischen Kriegsführung nach innen und sollte die Durchhaltebereitschaft von Front und Heimat stärken. Der Verlag Karl Siegismund Der Berliner Verlag Karl Siegismund hatte sich auf militärische und patriotische Publikationen spezialisiert. Er stand in enger Verbindung mit dem preußischen Kriegsministerium und anderen militärischen Stellen, was ihm Zugang zu offiziellem Material und teilweise auch zu Subventionen verschaffte. Die Zusammenarbeit zwischen Verlag und Militärbehörden war charakteristisch für die Medienlandschaft im Ersten Weltkrieg, wo Zensur und gelenkte Berichterstattung die Norm waren. Sammlerwert und historische Bedeutung Heute sind Jahrgänge des Deutschen Soldatenhorts wichtige Quellen für Militärhistoriker und Forscher zur Propagandageschichte. Sie dokumentieren nicht nur militärische Ereignisse aus deutscher Perspektive, sondern auch die Art und Weise, wie diese der Bevölkerung präsentiert wurden. Die Zeitschrift spiegelt die Mentalität, Ideologie und visuelle Kultur des wilhelminischen und kriegszeitlichen Deutschlands wider. Für Sammler militärhistorischer Dokumente sind gut erhaltene Exemplare, insbesondere aus den Kriegsjahren 1914-1918, von besonderem Interesse. Der angegebene Zustand 2- entspricht einem sehr guten Erhaltungszustand mit nur geringen Gebrauchsspuren, was angesichts des Alters von über 100 Jahren bemerkenswert ist.